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Julie oder Die neue Héloïse: Julie oder Die neue Heloise: Briefe zweier Liebenden aus einer kleinen Stadt am Fuße der Alpen
 
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Julie oder Die neue Héloïse: Julie oder Die neue Heloise: Briefe zweier Liebenden aus einer kleinen Stadt am Fuße der Alpen [Gebundene Ausgabe]

Jean-Jacques Rousseau
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 911 Seiten
  • Verlag: Artemis & Winkler; Auflage: N.-A., Nachdr. 2003. (1. Januar 1988)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3538052816
  • ISBN-13: 978-3538052819
  • Größe und/oder Gewicht: 20,2 x 12,6 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 293.280 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Der Philosoph und Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau (1712- 1778) ist einer der wichtigsten französischen Aufklärer des 18. Jahrhunderts. Er gilt als einer der ideellen Wegbereiter der Französischen Revolution und als einer der bedeutendsten Pädagogen der Neuzeit. Seine erziehungs- und demokratietheoretischen Gedanken übten einen großen Einfluss auf Kant, Fichte, Goethe, Schiller, Pestalozzi und Marx aus, um nur einige zu nennen.
In der ersten deutschen Übertragung von J.G. Gellius. Mit den 12 Kupferstichen zur Erstausgabe von G.L. Crusius nach H.F. Gravelot. Überarbeitet und ergänzt nach der Edition Rey, Amsterdam 1761, mit Anmerkungen und Nachwort von R. Wolff.

Über den Autor

Der Philosoph und Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau (1712- 1778) ist einer der wichtigsten französischen Aufklärer des 18. Jahrhunderts. Er gilt als einer der ideellen Wegbereiter der Französischen Revolution und als einer der bedeutendsten Pädagogen der Neuzeit. Seine erziehungs- und demokratietheoretischen Gedanken übten einen großen Einfluss auf Kant, Fichte, Goethe, Schiller, Pestalozzi und Marx aus, um nur einige zu nennen.

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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Rolf Dobelli HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Rousseaus "Julie oder Die neue Héloïse "ist einer der einflussreichsten Romane der Weltliteratur. Das Thema der unglücklichen Liebe und die literaturhistorische Bedeutung des Romans sind mit Goethes "Die Leiden des jungen Werther" vergleichbar - ebenfalls ein Briefroman, der rund ein Jahrzehnt später erschien und dem französischen Vorbild viel verdankte. Im Mittelpunkt von Rousseaus Roman steht die romantisch-tragische Beziehung zwischen der jungen Julie und ihrem Hauslehrer St. Preux. Die beiden verlieben sich, können jedoch aus gesellschaftlichen Gründen nicht heiraten, weil die Ehe zwischen einem bürgerlichen Mann und einer adligen Frau als anstößig gilt. So sind sie ein Leben lang hin- und hergerissen zwischen Sinnlichkeit, Liebe, Verzicht und Tugend. Eine eheliche Verbindung der beiden ist ebenso undenkbar wie eine endgültige Trennung. Auf Phasen des keuschen Glücks und der spirituellen Harmonie folgen immer wieder Krisen, ausgelöst durch eine letztlich unüberwindbare Leidenschaft. Gegenüber der Vernunftkultur der Aufklärung betont Rousseau, dass auch Gefühl und Intuition ihre Berechtigung haben. Daneben enthält der Roman zahlreiche philosophische Passagen über Religion, Erziehung, den Urgrund des Bösen und die gesellschaftlichen Verhältnisse. Wer das sentimentale Werk heute noch lesen will, braucht sicher einen langen Atem!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Atemberaubend 20. November 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Hatte er nun oder nicht - einen an der Klatsche? Einquartiert in der ihm zuliebe von der Mäzenin Madame d'Épinay gebauten Hermitage im beschaulichen Tal von Montmorency, läßt Rousseau seine langjährige Begleiterin und Mutter seiner zahlreichen, allesamt ins Findelheim gesteckten Kinder geruhsam die Hausarbeit verrichten, während er sich in endlosen Stelldicheins mit der blitzgescheiten, attraktiven und wesentlich jüngeren Gräfin Sophie d'Houdetot ergeht - nicht, um sie zu berühren, sondern uns zum Glücke zur Muse des erfolgreichsten Romans des 18. Jahrhunderts werden zu lassen, Julie ou La Nouvelle Héloïse, die Geschichte zweier Liebenden am Fuße der Alpen.

Vollkommen unbescheiden zitiert der Autor in seiner Autobiographie eine betuchte Leserin, die unmittelbar vor Aufbruch zu einem Diner das Buch in die Hände bekam und las und las und las .... bis sie morgens um vier wieder abspannen ließ, vollkommen anästhesiert von der Geschichte Julies und St. Preux', deren hypnotisierende Tugend- und Leidenschaftsekstase in der gesamten abendländischen Literatur ihresgleichen zu suchen scheint.

Bewußt an die Affäre Pater Abaelards mit Heloisa angelehnt, staunt sich der Leser durch siebenhundert Seiten Liebeskatastrophe, wie man sie selten gelesen hat: Der bürgerliche St. Preux darf die adlige Julie d'Étange nicht ehelichen, da dies den gesellschaftlichen Konventionen widerspräche. Zuvor kam es bereits zu einem angedeuteten Zwischenfall mit unvermeidlicher Schwangerschaft, doch Julies Versuch, des Vaters Starrsinn mit Verweis auf das entstehende Leben zu besänftigen und seine Einwilligung zur Eheschließung zu erlangen, schlägt fehl. Unterdessen wird sie mit dem netten, liebenswürdigen und totlangweiligen Baron von Wolmar verheiratet, der St. Preux nach Jahren dessen selbstauferlegten Exils zur gepflegten ménage à trois bittet und ihn auf das Anwesen der Eheleute einlädt. Hier nun durchleben St. Preux und Julie erneut ihre Gefühle - selbstredend ohne, daß etwas passiert - bis Julie beim Versuch, eines ihrer Kinder aus einem See zu retten, ertrinkt.

Das in Briefform konzipierte Werk spielt sich unter Freunden, einer Gruppe einander Wohlgesinnter und zum Teil Gleichgesinnter, ab: neben Julie und St. Preux die Freundin ersterer, Claire, sowie der Freund des letzteren, Eduard. Hin und wieder darf auch von Wolmar etwas schreiben, doch das meiste erfahren wir von Claire, Eduard sowie den beiden Protagonisten selbst. Ungeachtet des zeitlichen Abstands zur Erstausgabe - zweieinhalb Jahrhunderte - erzwingt das Buch vom Leser eine Komplizität, der man sich nur schwer entziehen kann.

Eines sollte man sich vor Augen halten: Dies ist empfindsame Literatur ersten Ranges, auf einer Stufe mit Richardsons 'Clarissa' und Goethes 'Werther'. Der heutige Leser muß sich vor allem mit der seltsam anmutenden Tugendästhetik Rousseaus vertraut machen, die ihre Tragik naturgemäß auf der Verteidigung des Verzichts aufbaut, gleich so, wie Rousseau es mit Sophie d'Houdetot selbst erlebt hat. Julie hat nicht den Mut, ihre Familie zu zerstören und mit St. Preux durchzubrennen - dieser hätte größte Schwierigkeiten gehabt, unter derartigen Umständen eine ähnliche Anstellung als Hauslehrer wie bei Julie zu finden. Die Erwartung einer ungesicherten Zukunft inmitten einer Gesellschaft, die ihnen nicht verziehen hätte - im Ausland sah es nicht besser aus - erlauben dem Autor die Konzeption einer phantastischen Unglücksspirale, die im Tod der Protagonistin endet. Für einen absichtlich herbeigeführten Tod, eine Art indirekten Freitod, sprechen allerdings Julies letzte Bekenntnisse, wodurch der Autor dann doch die (unerfüllte) individuelle Liebe über die bürgerliche Ehekonvention stellt.

Rousseau ist uns in erster Linie als politischer Autor geläufig, doch in diesem Werk erleben wir einen breit interessierten Geist, der die Natur präzise wie wenige beobachtet, allerlei Ideen zum Erziehungswesen ausbreitet und, wie könnte es anders sein, anhand des Anwesens Wolmars und Julies eine utopische politische Ökonomie im Kleinformat entwickelt. Der stolze Schweizer (nicht Franzose), der u.a. das musikalische Notensystem durch Zahlen ersetzte, Opern komponierte und zahlreiche Einträge für die erste französische, von Diderot herausgegebe Enzyklopädie verfaßte und das vermutlich einflußreichste Buch überhaupt zum Erziehungswesen schrieb (Émile), ist für die meisten immer noch der Autor des 'Gesellschaftsertrags', eine über die politischen Zustände jener Zeit weit hinausschauende Studie, die heute gern als Vorläufer egalitärer Weltanschauungen (u.a. Sozialismus) gesehen wird.

In diesem Roman jedoch sehen wir den großen Moralutopisten Rousseau, der über alles menschliche Verlangen immer wieder Ideen stellt. So erhält selbst die reinste Form der Leidenschaft unvermittelt ein analfixiertes Korsett aus Tugend, Ästhetik und Weltanschauung. Man könnte dies leichtfertig als kopflastig abtun oder auf seine eigene Verklemmtheit zurückführen - Argumente dafür gäbe es viele. Seine 'Bekenntnisse', die erste Autobiographie des Abendlands (Augustinus' Werk behandelt in erster Linie religiöse Erfahrungen), liefern zahlreiche Hinweise auf kurze, nicht ernst zu nehmende Leiden- und Liebschaften, denen niemals der gleiche Rang wie tiefen Freundschaften zugebilligt wird. Selbst seine langjährige Gönnerin, Förderin und Begleiterin Françoise-Louise de Warens - 'maman', wie er sagte ' war wohl eher eine Seelenverwandte denn eine Geliebte.

Die Briefe Julies und St. Preux' leben von der Sehnsucht und deren Unerfülltheit, vom Verlangen und dessen Nichtgestilltwerden. Der gesamte Roman basiert auf einer Art erotischem Verschleppungsprinzip: Am Ende stirbt Julie, ausgezehrt vom Sichverzehren, einen Tod, dessen Sehnsucht nach Beendigung aller Sehnsucht ruft. Dazu entreißt er sie dem für sie nicht lösbaren Konflikt ihrer Ehe und ihrer Liebe.

Für uns schwer vorstellbar, akzeptiert St. Preux gar die Versöhnung mit Julies Vater und fügt sich der gesellschaftlichen Sittendiktatur. Tatsächlich können weder er noch Julie das Joch der Moral ertragen, sind jedoch nicht in der Lage, sich ernsthaft aufzulehnen.

Die Kritik am Werk richtet sich in erster Linie gegen Rousseaus Vorstellung einer gesellschaftsstützenden Moral, die von vielen als zutiefst unmenschlich empfunden wird. Schon die Mätresse Ludwigs des XV., Frau Poisson (Marquise de Pompadour), erlaubte sich die Bemerkung, Julie sei doch unerträglich langweilig: Weshalb so viel Vernünftelei, nur um endlich mit einem Manne zu schlafen? Heutzutage wundert man sich über einen Autor, der Sozialkritik ersten Ranges hervorbrachte, während er hier zwei hilflose Wesen vollkommen paralysiert ob der sie umgebenden gesellschaftlichen Zwänge verzweifeln läßt. Julies Tod könnte durchaus als Konsequenz ihrer Feigheit interpretiert werden.

Das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, daß wir das Werk lieber nicht an den Maßstäben einer modernen Industriegesellschaft des 21. Jahrhunderts messen sollten. Dennoch ist es recht und billig, gerade von Rousseau weniger Erlösung denn Lösung zu verlangen - die angebotene ist nichts als Flucht. Unser Autor konzipiert Julie und St. Preux als konfliktunfähig, während sie doch nach nichts mehr suchen als einem Ausweg aus eben jenem. Furchtbares Ende, hoffnungslos der Welt zu entsagen und die eigene Schwäche nicht zu überwinden.

Bleibt der hinreißende Stil, die Einfühlsamkeit und Beobachtungsgabe, mit der Rousseau uns ins Land der Unerfülltheit begleitet. Der Prozeß des Lesens selbst ist es, der im Vordergrund steht und der einem hilft, über den grotesken Ausgang der Geschichte hinwegzusehen. Überdies muß Rousseau zugute gehalten werden, daß der Ausbruch aus gesellschaftlichen Zwängen gerade für jene, die sich in ihr einrichten wollen, nicht infrage kommt. Daher sei jedem zu empfehlen, dieses Buch dafür zu genießen, wofür es geschrieben wurde. Unter den Tausenden von Büchern, die einem irgendwann durch die Hände gleiten, bleiben nur wenige, die sich im Innern ausbreiten. Dieses gehört dazu.
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