Julie Powell ist 29 Jahre jung, bald aber schon 30 Jahre alt. Sie ist verheiratet, aber nicht sicher, ob sie überhaupt der Ehetyp ist. Sie hat einen Job, aber er ist ziemlich ätzend. Wer mitgezählt hat, kann hier schnell feststellen, dass es zu viele "aber" in Julies Leben gibt. Zu allem Überfluss liegen ihr die Ärzte damit in den Ohren, dass sie ganz unbedingt schwanger werden sollte, weil aufgrund eines seltenen Syndroms, dieser Zug für sie auch bald abgefahren sein könnte. Allerdings passt der Kinderwunsch nicht ganz ins Programm, da die finanzielle Situation und die aktuelle Wohnlage alles andere als ideal ist. Julie braucht dringend eine alternative Aufgabe. Ihr Mann Erik bringt sie auf die sensationelle Idee, einen Blog einzurichten. Und da sie eine überzeugte Butterfetischistin ist und eben das Kochbuch der französischen Küche von Julia Child bei ihrer Mutter geklaut hat, entsteht in Kürze das "Julie/Julia Projekt: 365 Tage, 524 Rezepte, eine winzige Küche".
Zunächst die guten Seiten von Julie Powell und ihrem Buch. Julie ist erfrischend aufrichtig, plaudert ungekünstelt über persönliche Ansichten zu Ehe, Freundschaft, Jobs und natürlich über ihre Faszination des Kochens. Die Idee, ein Monsterwerk der etwas veralteten Kochkunst durchzuarbeiten und dies noch unter erschwerten Bedingungen, ist originell und lobenswert. Da die Hobbyköchin oft erst gegen 9 Uhr abends nach Hause kommt und die Julia Child Rezepte ziemlich zeitaufwändig sind, gibt es bei den Powells dann halt um 11 Uhr Abendessen - sofern das Gericht auch gelingt. Ist es da ein Wunder, dass die Nerven bald blank liegen? Zum Glück gibt es die vielen wohlwollenden Kommentare, der Blogbesucher, die teilweise abgedruckt werden und oft unfreiwillig zur Erheiterung des Lesers beitragen.
Was dagegen selbst viele Blogleser stört, fällt auch dem aufmerksamen Leser etwas un-angenehm ins Auge. Auch wenn im Roman selbst nicht ganz so oft das "böse Wort mit S" benutzt wird, wie offensichtlich in den Internetkommentaren, ist die Sprache der Julie Powell etwas zu derb. Besonders wenn man den Gegensatz zu den eleganten Namen der Kochrezepte denkt. Und leider regen die Beschreibungen der Experimente in der Küche nicht gerade zum Nachahmen an. Julie hat eindeutig keine Vorliebe für das Abwaschen und lässt die Grundlagen der nötigen Küchenhygiene völlig außer acht. Da muss sie schon mal neben einem Berg dreckigen Geschirrs nach einem einigermaßen sauberen Küchenutensil fanden, um ihr Projekt fortsetzen zu können. Wem das noch nicht ekelhaft genug ist, der kann sich an den Beschreibungen zu den Ergebnissen der Kochkünste er-freuen, die auch nicht so lecker klingen. Obwohl Julie oftmals beteuert, von dem guten Geschmack des wackelig entstandenen Gerichts positiv überrascht zu sein, möchte man in Gedanken wohl eher weniger davon probieren.
Vielleicht wäre der Roman etwas lustiger geworden, wenn mehr von Julies Blog enthalten wäre. Damit man die Begeisterung nachempfinden könnte, die schließlich dazu führte, dass Julies Projekt schließlich so berühmt wurde, dass ein Buchvertrag zustande kam.
In diesem Herbst kann man sogar die Verfilmung des Buches genießen, wobei man hier anmerken muss, dass es sich bei der Adaption wirklich um ein Meisterwerk handelt, wel-ches die Lachmuskeln nicht wenig strapaziert. In dieser Komödie wurde jedoch nicht nur Julie Powells Buch verarbeitet, sondern auch Julia Childs Autobiographie
"My Life in France", was sicherlich ein Gewinn war. Zudem stellt die unwiderstehliche Meryl Streep eine göttliche Julia Child da, die mit einer unglaublichen Mimik und einer mitreißenden Energie die große Dame darstellt, die den Amerikanern nicht nur den Geschmack von Butter näh-erbrachte, sondern auch die französische Kochkunst. Die süße Amy Adams hat es da als Julie Powell etwas schwerer, aber ihre Figur ist viel positiver, als die reale Person und ihre Küchenerlebnisse schaffen tatsächlich eine Verbindung zu dem amüsierten Zuschauer.
Wer also einmal wieder von Herzen lachen möchte und sich für das Kochen begeistern kann, geht lieber ins Kino oder besorgt sich zu einem späteren Zeitpunkt die DVD. Außer dem Titelbild hat die Romanvorlage mit dem Film nicht so viel gemeinsam. Vor allem in Sachen Humor hat die Filmkomödie ganz klar die Nase vorne!