Ja, ja, schon gut, der Titel dieser Rezension mag ein wenig überzogen und nicht der wahre Bringer sein, aber irgendwie passt er; passt zum Interpreten, passt zu dieser Platte, passt! Denn so sehr Banks sein Alter Ego auch blühen und gedeihen lässt, in und über allem ist nichts anderes als die Quintessenz Interpols zu vernehmen.
Über Sinn und Zweck von Solo-Projekten kann endlos gestritten werden: möchte der Künstler nun einmal ganz alleine kreativ sein, möchte er sich von seinen Einflüssen freispielen oder diese noch präzieser inszenieren, oder überhaupt etwas ganz anderes? Beispiele gibt es noch und nöcher, positive wie negative. Banks hat sich wohl auch lange den Kopf darüber zerbrochen (zumal Plenti angeblich älter ist als Interpol), letztendlich gebahr er eine Platte ohne Interpol, die manchmal nach Interpol klingt und eher langweilt, wenn sie es nicht tut. Gerade "Only if you run" und "Games for Days" klingen, als hätten sie auf "Antics" keinen Platz mehr gehabt; Songs, die sich bewusst von Interpol entfernen ("Girl on the sporting News", "On the Esplanade") können ob ihrer trägen Eintöngikeit nicht ganz überzeugen, da helfen auch saftige Breaks und die zweifellos vorhandene Experimentierfreudigkeit nichts.
Freilich darf man nicht bei jedem Song das Interpol-Maß ansetzen, damit wären Sinn & Idee eines Solo-Projekt ja ad absurdum geführt; als langjähriger Interpol-Fan ist es allerdings nicht einfach, diese seltsame Vorwurfseinstellung abzulegen. Wenn man Banks singen hört, dann will man auch irgendwie den Dengler-Bass dazu, die schnittige Gitarre von Kessler und die Präzission des Fogarino-Schlagwerks. Aber das ist ja auch irgendwie das Schöne an Solo-Projekten, dieser "fight or flight"-Aspekt: entweder man nimmt es hin oder lässt es bleiben. Wer sagt denn, dass einem Banks als Plenti gefallen muss, nur weil man Interpol-Fan ist? Eben, niemand! Und damit wären wir auch schon bei der nächsten guten Sache, die Solo-Dinger mit sich bringen: ich traue es der Platte durchaus zu, gänzlich neue Hörer erschließen zu können; vielleicht wird so mancher, der zuvor nichts mit Interpol anfangen konnte, durch Banks'/Plentis Songs bekehrt. Oder auch umgekehrt: Gitarrenhelden finden womöglich an der Poplastigkeit von "J.P. is Skyscraper" Gefallen und trauen sich dadurch an neue Platten, die bislang fernab ihres Horizontes lagen. Ja, vielleicht ist diese Platte ein kleiner "missing Link", ein hübscher Hybrid, der die Lager eint. Okay, das ist jetzt schon wieder überzogen und vielleicht nicht so ganz der Bringer, aber wer weiß...?
Kurz und gut: ich bereuhe den Kauf nicht; die Platte hat meinem Bild von Paul Banks eine neue Facette hinzugefügt und auch die Vorfreude auf ein weiteres Interpol-Album geschührt. Ich kann jedem Interpol-Fan nur empfehlen, sich Plenti mal anzuhören (aber mit diesem Aufruf trage ich wohl Eulen nach Athen, oder?); und wenn er nicht gefällt: was soll's? Dann eben wieder zurück zu "Antics".