Verfolgt man die Berichte in den Medien, so fragt man sich, ob Wikileaks im Laufe der Zeit etwas außer Kontrolle geraten ist.
Das Buch "Julian Assange" ist sehr hilfreich, sucht man eine eigene Antwort auf diese Frage. Ohne zu werten, informiert es über die Anfänge und die ursprüngliche Idee von Wikileaks, bis hin zu dem, wie sich die Plattform gewandelt hat und sich uns heute zeigt. Untrennbar damit verbunden ist die Person Assange, dessen Biographie sich spannend liest. Besonders das Kapitel über seine Kindheit hat mich fasziniert, liegt in seinen damaligen Erfahrungen vielleicht der Schlüssel für sein späteres Handeln?
Von den einstigen Idealen ist nicht mehr viel zu erkennen, als er seine Strategie im Sommer letzten Jahres im Alleingang änderte, um die Öffentlichkeit zu erreichen. Die Gründe, warum einstige Weggefährten ihm den Rücken kehrten oder er sich von ihnen trennte, sind in dem Buch nachvollziehbar und ohne zu werten erläutert.
Das Bild auf dem Cover ist psychologisch gut gewählt. Es zeigt einen Mann im bürgerlichen weißen Hemd, offenbar an einem Schreibtisch sitzend, die Arme darauf gestützt. Entschlossen blickt er uns an, aber es gelingt uns nicht, seinen Gesichtsausdruck zu deuten.
Da es keinen "Blick ins Buch" gibt, hier das Inhaltsverzeichnis
1. Staatsfeind Nummer Eins
2. Tom Sawyer contra Andy Warhol
3. Vom Hacker zum Journalisten
4. Wikileaks: im Auftrag der Transparenz
5. Wikileaks: die bombensichere Technik
6. Der Neustart von Wikileaks
7. Der bekannte Informant
8. Wikileaks und die traditionellen Medien
9. Wikileaks 2010: eine One-Man-Show
10. Der Bruch: Friendly Fire
11. Die Verschwörung der Frauen
12. Undiplomatische Enthüllungen
13. Tot oder lebendig
14. Cyberkrieg
15. Der Mann, der die Welt verändert.
Übrigens, Julian Assange hat einmal gesagt, dass er den Menschen helfen will, die verletzbar sind und es mag, "den Mächtigen in die Suppe zu spucken".
Wer wohl die Suppe auslöffeln wird?