Enki Bilals Spezialität(und eigentlich einziges Thema)sind poetische Geschichten,die in einer Zukunft spielen,in der die Welt schon lange den Bach runter gegangen ist. Das ist auch in seinem neuesten Buch,einem für sich stehenden Einzelband so. Bereits 2010 legte er mit "Animal Z" einen Einzelband vor,der in ähnlichem Szenario in der selben Zeit spielt. Ich würde es Bilal zutrauen,die Protagonisten beider Bände in späteren Alben aufeinander treffen zu lassen. Die beiden Bände haben aber noch mehr gemeinsam,angefangen beim Konzept bis zu dem "neuen" Zeichenstil Bilals,der sich schon in den Bänden "32. Dezember" und "Vier?" ankündigte. Wurden diese aber noch auf Glanzpapier gedruckt,so sind "Animal Z" und "Julia und Roem" auf besonders stumpfen Papier verewigt,welches eine noch fatalistischere Stimmung vermittelt und die zu Papier gewordenen Depressionen Bilals perfekt transportiert. Generell entfernt sich Bilal bereits seit Jahren immer mehr weg vom reinen Comic hin zur Illustration mit Klappentext. Zwar kommen Sprechblasen vor,es dominieren aber Textkästen. Beide Alben haben auch gemeinsam,dass sie im Rahmen der Welt,in der sie spielen,vor netten kleinen Ideen sprühen,die die Alben lesenswert machen. Merkwürdig und völlig individualistisch sind sie natürlich nach wie vor.
"Julia und Roem" ist nun Bilals Huldigung an Shakespeares "Romeo und Julia" im SF-Universum des Bilal. Die Geschichte spielt nach dem "Blutsturz",einer allumfassenden Katastrophe,die das Gefüge der Welt komplett veränderte. Niemand weiß,was genau passiert ist,aber alles ist anders als vorher,denn die Welt ist ein trostloser Planet geworden,in dem das Überleben schwierig ist. In dieser Welt treffen etliche Protagonisten aufeinander,deren Namen den alten Parrish in Zusammenhang mit ihrem Schicksal aufhorchen lassen. Denn vieles erinnert ihn an die Tragödie "romeo und Julia",an deren Bühnenfassung er in vergangenen Zeiten mitwirkte. Kann es Zufall sein,dass sich eine erfundene Geschichte Hunderte Jahre später wirklich ereignet,und kann er verhindern,dass sie in der Realität genauso tragisch für die Liebenden Roem und Julia endet wie in der Tragödie Shakespeares?
Mit seinem neuen Werk überrascht mich Bilal schon ein bißchen. Nicht,dass er sich selbst untreu werden würde(im Gegenteil!),aber bei dem vollständig eigenständigen Künstler hätte ich niemals erwartet,offenkundige Einflüsse ausmachen zu können,denn Bilal stand immer komplett für sich alleine. Generell gesehen bevorzuge ich aber seine Alben der mittleren Phase,denn sein "neuer",sehr großflächig gehaltener Zeichenstil mit sehr reduziertem Farbeinsatz und fast Null Details in Verbindung mit dem Papier wirkt zwar als Experiment ganz interessant,als fester Zeichenstil bedeutet er für mich jedoch einen künstlerischen Rückschritt(Kunstlehrer sehen das wahrscheinlich anders). Aber wie bereits erwähnt,auch dieser Band strotzt vor kleinen,netten Ideen,die über den momentan recht faulen Illustrationsstil des Bandes hinwegtrösten,wobei Bilal natürlich auch hier noch einer der bedeutendsten und eigenständigsten Künstler im Bereich der Comics bleibt und hier eigentlich immer abgedrehter und unkomerzieller wird.