Natürlich war mir vor der Lektüre dieses Buches klar, dass es sich hier um eine wissenschaftliche Arbeit handelt und nicht um ein weiteres locker-flockiges "Spaßlexikon" zur Jugendsprache. Im Vorwort weist die Autorin "Studierende der Sprach- und Kulturwissenschaften" als ihr vorrangiges Zielpublikum aus. Da es sich um eine Einführung handeln soll, habe ich als interessierter Nicht-Linguist dennoch die Lektüre gewagt. Interessant und lehrreich fand ich vor allem die Darstellung früherer Erscheinungsformen von Jugendsprachen (etwa der Studentensprache des 18. Jahrhunderts) sowie die Erläuterungen zu den Entwicklungen seit den 50er Jahren. Dabei zeigt die Autorin, in welcher Weise schon immer Sprachvariationen und Sprachmischungen (z.B. Deutsch+Latein) aufgetreten sind, die nach einiger Zeit der Bekämpfung durch Vertreter der Hochsprache schließlich (zumindest teilweise) Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden haben. Insofern relativiert sich die Kritik an vielen Erscheinungsformen der aktuellen Jugendsprache, die nicht per se als "Sprachverfall" zu deuten sind, sondern als identitätsstiftendes, kreatives und unbeschwertes Spiel mit sprachlichen Möglichkeiten. Positiv sind auch die vielen Bild- und Textbeispiele im Buch hervorzuheben, mit denen einzelne Aspekte illustriert werden.
Die Strukturierung des Werkes allerdings erscheint mir nicht allzu stringent und zwingend, viele Passagen wiederholen sich, manche Aspekte wie etwa die "Techniken" der Sprachverfremdung erscheinen mir dagegen zu knapp dargestellt. Viele Fachtermini werden als bekannt vorausgesetzt (z.B. "Phraseologismen", "Apokopen", "deiktische Ausdrücke"), was die Lektüre für interessierte Laien nicht gerade erleichtert. Überhaupt erscheint mir die verwendete Sprache, selbst gemessen an akademischen Standards, ausgesprochen formalisiert und verklausuliert - und bildet damit einen beachtlichen Kontrast zum Untersuchungsgegenstand. Und nur am Rande: Wenn in einem einzigen Satz gleich drei Druckfehler vorkommen (S. 169/170), wirft dies kein gutes Licht auf das Korrektorat seitens des Verlages.
Fazit: interessant, aber aufgrund der bemüht wissenschaftlichen Diktion stellenweise reichlich sperrig. Kann man aus meiner Sicht noch deutlich lesbarer verfassen, ohne dass der wissenschaftliche Wert darunter leidet.