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In dem Sammelband Aggressives Verhalten bei Kindern und Jugendlichen, herausgegeben von der renommierten Kinderpsychiaterin Ulrike Lehmkuhl, werden die neuesten Programme zur Prävention von kindlicher Gewalt vorgestellt und diskutiert. Das in den USA bereits erprobte Triple-P-Programm (Positive Parenting Program) wird ebenso erläutert wie spezifische Trainings zur Behandlung problematischer Kindergartenkinder. Alle im Buch beschriebenen Antiaggressionsprogramme setzen bei den Eltern an: Sie sind es, die darin geschult werden sollen, Fehlentwicklungen bei ihren Kindern frühzeitig zu erkennen und diesen entgegenzuwirken.
Aggressives Verhalten bei Kindern, so der Tenor des Buches, ist häufig eine Folge von falscher Erziehung. Kindliches und elterliches Aggressionsverhalten hängen eng miteinander zusammen und bedingen einander. Unter Verweis auf die Ergebnisse der Berliner CRIME-Studie und die Erkenntnisse aus den Feld- und Familienstudien des Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer wird diese These empirisch untermauert.
Kinder werden bei Ulrike Lehmkuhl nicht einseitig als Täter, sondern immer auch als Opfer gesehen. Folgerichtig wird dem von der Bundesregierung vor zwei Jahren verabschiedeten "Gewaltächtungsgesetz" eine doppelte Funktion beigemessen: Es soll Gewalt gegenüber Kindern verbieten und so Kinder auf lange Sicht zu einem gewaltfreien Verhalten erziehen. Ob jedoch diese vom Gesetzgeber verordnete Handlungsnorm tatsächlich als geeignetes Mittel zur Gewaltunterdrückung angesehen werden kann, das können auch die im Buch zu Wort kommenden Experten nicht eindeutig beantworten. Das Kindesrecht auf gewaltfreie Erziehung ist einfach noch nicht lange genug in Kraft, um dessen Auswirkungen auf das Verhalten von Kindern und Erwachsenen abschätzen zu können. Und so bleibt vorerst offen, inwieweit sich der menschliche Aggressionstrieb durch Gesetze und Paragrafen unterbinden lässt. --Nikolas Westerhoff
Aggressive Auffälligkeiten zählen zu den Verhaltensmustern mit der größten Stabilität. Nach heutigem Erkenntnisstand ist aggressives Verhalten Resultat eines transaktionalen Prozesses zwischen Kind und Umwelt. In verschiedenen Beiträgen wird der Entwicklung aggressiven Verhaltens nachgegangen; Entstehungsmodelle werden skizziert. Frühzeitiges Erkennen und damit auch erfolgreiche Behandlung sind Mittelpunkt der Überlegungen. Eltern spielen in den bekannten Präventionsprogrammen eine wichtige Rolle. Psychotherapeutische Interventionsmöglichkeiten werden hinsichtlich ihrer Chancen und Beschränkungen diskutiert.
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