Ich liebe Kinderbücher und interessiere mich für alles zwischen Michael Ende, Astrid Lindgren bis J.K.Rowling. Deswegen habe ich auch Cornelia Funkes "Tintenherz" und "Tintenblut" gelesen.
Bei "Tintenherz" schien mir Idee, dass Mo und Meggie, die Hauptpersonen des Buches, Gestalten aus Büchern "herauslesen" können, noch sehr gut. Auch die Geschichte war spannend und die Ideen neu.
Bei diesem zweiten Buch nun, der Fortsetzung, in der die Gestalten nicht nur in Meggies Welt erscheinen, sondern Meggie sich nun mit Farid, einem Jungen aus 1001 Nacht, in das Buch "Tintenherz" hineinliest, störte mich aber eines: Und zwar sind meines Erachtens die Figuren in den Gründen für ihre Handlungen nicht immer gut genug herausgearbeitet. Statt beispielsweise die kleine nette Liebesgeschichte zwischen Farid und Meggie mit Gesten, Momenten und Andeutungen wachsen zu lassen, lesen wir im Buch dutzende Male, Farid sei "verliebt" in Meggie und diese würde "rot". Für mich ist das unangenehm, etwas so profan ausgesprochen zu finden. Ich liebe es, wenn die Handlungen von Charakteren sprechen, mehr als solch beschreibende Sätze.
Auch, dass die Zeitungen wie "New York Times" etc. gerade das loben, dass Cornelia Funke das "Buch" als solches so poetisch heraushebt - auch das hat mich diesmal ein wenig gestört. Sätze wie "Das Buch konnte erst jetzt atmen" oder die sich immer wieder wiederholende Hymne auf die Lebendigkeit der Wörter,... irgendwie wurde mir das diesmal zu viel. Ich hatte die Idee verstanden und fand dann auch die gewählten Worte nicht mehr neu, sondern echt wiederholend. Ein solches Gefühl habe ich bei Büchern von Michael Ende an keiner Stelle je entwickelt.
Funkes "Tintenbücher" stehen in den USA zur Zeit ganz oben in den Bestsellerlisten. Warum aber ist das denn so? Die Geschichte hat mit einer netten Idee begonnen, wird dann aber - finde ich - zu einer durchschnittlichen Abenteuergeschichte: Lager im Wald, eine Burg, der Weglose Wald,... hier und da noch ein besonderes Detail, wie dass Staubfinger in seiner Welt noch herrlicher zum Feuer sprechen kann... aber sonst eigentlich nichts Besonderes oder Unvergleichliches.
Insgesamt, auch, wenn ich jetzt sicherlich die Strafe der Fan-Leser in den Negativabstimmungen zu spüren bekommen werde - fand ich dieses Buch nicht mehr so lesenswert wie den ersten Band. Auch finde ich wieder, dass die Form der Gewalt, die in beiden Bänden auftaucht (ein toter Hahn hängt von der Decke, ein Gewehr reißt den Bauch von Mo auf) zu realistisch für ein Kind. Böse Zauberer, Geister... all das kann Kinder gruseln. Echtes Blut aber und realistische Bedrohungen machen Angst - so ging es mir jedenfalls. Ich finde das Buch daher nur bedingt kindgerecht und für Kinder ab frühestens 10 Jahren geeignet.
Bei aller Kritik aber hebt sich das Buch immer noch ab vom durchschnittlichen Buch des Kindermarktes, deswegen gebe ich 3 Sterne.