Francis Coppolas "Jugend ohne Jugend"(eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Marcea Eliade), ist eine anspruchsvolle, vielschichtige Geschichte, in der es um die Reinkarnation, den 'Anfang aller Sprachen' und um eine Liebesgeschichte in den Vorkriegsjahren geht, die das Ganze zusammenhält. Coppola wirft in seinem (selbst finanzierten!) Film die ewigen Fragen auf und versucht das Problem auf eine raffinierte Weise zu lösen, in dem er die Realität des Traums auf die gleiche Ebene stellt wie die der materiellen Realität. Damit berührt der Film die Grundfragen unser Existenz, Herkunft und Zukunft, sowie den Traum der ewigen Jugend. Coppola löst alles auf eine kluge Art, indem er die Ebenen parallel nebeneinander verlaufen lässt. Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt und verlangt vom Zuschauer, dass er die Zusammenhänge selber erkennt. Das macht den Film besonders interessant für Leute, die nicht nur konsumieren, sondern auch mitdenken wollen.
Die Protagonisten, beide Studenten, lieben einander, doch als sie merkt, dass seine Forschungsarbeit ihm mehr bedeutet als sie, beendet sie die Beziehung und heiratet einen anderen. Sie stirbt bei der Geburt ihres ersten Kindes. Er verbringt sein Leben als lediger Altphilologie-Forscher, um im Alter festzustellen, dass er sein Ziel verfehlte, obschon er ihm seine einzige Liebe geopfert hat. In einem Gewitter wird er von einem Blitz getroffen, was bewirkt, dass er nicht nur wieder jung wird, sondern dass seine geistigen Fähigkeiten gesteigert werden. Er trifft eine junge Frau, in der er die Reinkarnation seiner verstorbenen Geliebten erkennt. Diesmal gibt er sie nicht auf und sie heiraten. Sie leben fortan in einer Villa am Meer in Malta und sie macht nächtliche Seelenausflüge immer weiter in die Vergangenheit ('Out-Of-Body-Experience'), während er die antiken Sprachen, in denen sie während den jeweiligen Ausflügen spricht, aufnimmt und entziffert. So könnte sie ihm helfen, doch noch zum Ziel seiner linguistischen Forschung '- dem Ursprung aller Sprachen - zu gelangen, aber er merkt, dass sie durch die Anstrengung ihrer Seelen-Ausflüge rapide altert (mit 25 sieht sie aus wie 40): das Zoll für das verborgene Wissen? Das bewegt ihn dazu, die Experimente abzubrechen und sie zu verlassen, damit sie wegen ihm nicht vorzeitig alt wird und stirbt. Damit gibt er nicht nur seine Forschungsarbeit kurz vor dem Ziel auf (sie gelangten inzwischen über die Altgriechische und Ägyptische zur Babylonischen Kultur), sondern auch die '"grosse Liebe"' seines Lebens, um sie zu retten. Das 'Faustische Element' und der Aufbau der Geschichte erinnert an Sophokles'' Tragödien. Die Essenz der Geschichte: 'Nur wer wirklich liebt, besitzt die Kraft und Grösse, Opfer zu ertragen.'
Zuletzt stellt sich die Frage, ob man wirklich jung sein kann, wenn man ' in Anlehnung an die hinduistische Seelenwanderungs-Lehre ' bereits unzählige Leben hinter sich hat? Coppolas Lösung: Der Mensch ist äusserlich jung und innerlich uralt, ohne es zu wissen.
Ein unkonventioneller Film mit überzeugenden Darstellern, der zum Nachdenken anregt!