Schnitzlers Autobiographie seiner Kindheit und Jugend, erst Jahrzehnte nach seinem Tod veröffentlicht, führt den Leser ins Wien des endenden 19. Jahrhunderts und beschreibt den Lebensweg und die Entwicklung des Autors vor Beginn dessen Karriere als einer der berühmtesten Dichter Österreichs. "Jugend in Wien, ist sowohl aufgrund der - vor allem aus heutiger Sicht - faszinierenden sprachlichen Form, als auch aufgrund seines Inhalts ein lesenswerter Text. Neben einer Fülle von Informationen zu den lebenden Vorbildern späterer Figuren in Schnitzlers Werk, wird hier der Eindruck des Szenarios und der Stimmung des finde siécle vermittelt, das im Werk Schnitzlers oft so deutlich zu spüren ist. Doch ist die Autobiographie mehr als nur "Ergänzung" zum Werk. Geschildert wird vor allem die Geschichte der Entwicklung einer Identität zwischen den eigenen Wünschen und den Anforderungen von außen, zwischen Kunst und "Alltag" (daß die Kunst dabei nicht auf der Strecke blieb, weiß man). "Nicht nur Wunsch, auch tiefes Bedürfnis in diesen Blättern wahr zu sein." ist Schnitzlers Anspruch an sich selbst. Dass einige Dinge trotzdem (bewusst ?) ausgespart bleiben - so nimmt die Person der Mutter etwa nur einige unbedeutende Sätze ein - ist ein Widerspruch, den der Leser in der Regel durchschaut. Ergiebig für alle, die mit dem Werk Schnitzlers vertraut sind oder einen Einstieg suchen. Und wer "straighte" Lovestories sucht, findet hier auch reichlich. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)