..so Häuptling Abendwind der Sanfte von Groß-Lulu im gleichnamigen Stück von Johann Nepomuk Nestroy (1801-1862). Beim österreichischen Schauspieler, Sänger, Dramatiker und vor allem Satiriker, der ein Star des Alt-Wiener Volkstheaters war, geht es meistens lustig zu. Mein Favorit aus der vorliegenden Zusammenstellung ist auf jeden Fall "Häuptling Abendwind oder das greuliche Festmahl - eine Operette in einem Akt". Es spielt in einem fernen Südseekönigreich, wo die Eingeborenen ihrer Entdeckung harren. Häuptling Biberhahn und Häuptling Abendwind, beide kultivierte Menschenfresser, veranstalten hier eine Art Gipfeltreffen - besondere Spannung erzeugt schließlich das Essen - was da wohl Leckeres gereicht wird? Häuptling Abendwind ist eine sehr witzige und treffende Satire auf die "moderne" Poltik und Lebensart und auf das gespreizte Daherreden. Besonders lustig, da ja die beiden Südseehäuptlinge im breitesten Wiener Dialekt sprechen. Auch die Wissenschaft ist bereits bis hierher vorgerückt: Glaubten die Ahnen noch, dass bei Gewitter die Götter "Kegel schieben" weiß man heute, dass dann ja zumindest gelegentlich mal ein "Alleneune" zu hören sein müsste..Als weitere kleine Kostprobe hier auch noch die zweite Strophe des Paptutu Kriegsgesangs:
Meistens gar nichts tun
gleich drauf lange ruhn
Nach der Ruh` zum Fraß
nach dem Fraß ans Fass
Nach dem Trinken ruhn,
wieder gar nichts tun,
Und wenn das getan
fängt von vorn man an.
Das heißt leben frei,
So das Kriegsgeschrei
der Papatutu.
Die "Gags" stehen modernen Comedians jedenfalls in nichts nach, das sollte man sich auch angesichts des Alters (1862) vor Augen führen. Ein chaotisch-witziges fast anarchisches Stück und bis heute aktuell, auch was Zivilisation, Kolonialismus, Nationalismus betrifft. Das letzte Stück Nestroys.
Judith und Holofernes spielt bei den Assyrern, die sich in alttestamentlicher Zeit das Heilige Land einverleiben wollen. Holofernes (Feldherr) hat ein (nicht ganz unbegründet) übersteigertes Selbstbewusstsein, aber geht doch den schlauen Hebräern auf den Leim. Naja - das Stück ist eigentlich als Parodie auf das Original Hebbels, das nur einen Monat eher aufgeführt wurde (1849), gedacht. Hier wird, wie ich das sehe, aber auch das Alte Testament ein bisschen auf die Schippe genommen..
Gesamt gesehen ist heute Häuptling Abendwind, wegen seiner Zeitlosigkeit sicher das interessantere Stück, zu lachen gibt es aber bei beiden Stücken reichlich.