Ein Richter, der sich die Gesetzeslage zurechtbiegt wie es ihm gerade passt, gegen sämtliche Vorschriften verstösst und überdies keiner Frau treu sein kann, klingt nicht eben nach großem Sympathieträger, aber Martin Shaw schafft es mit seiner in die Tiefe gehenden Darstellung wieder einmal, dass man Sir John gerade wegen seiner menschlichen Schwächen ins Herz schließt.
Im Gerichtssaal ist er von seinen früheren Flammen geradezu umzingelt. Sowohl Ex-Frau als auch Ex-Geliebte sind Anwältinnen und stehen sich öfter als Gegnerinnen gegenüber. Seine Tochter Charlie, die sich ebenfalls dem Studium der Rechtswissenschaften verschrieben hat, es sich aber nebenbei zur Aufgabe gemacht hat, die Welt zu verbessern, scheint dagegen nicht die Gene ihres Vaters geerbt zu haben. Sie verbringt ihre Nächte z. B. lieber damit, gemeinsam mit einem Mitstudenten in ein biotechnisches Labor einzubrechen, um Daten über Gentechnik zu zerstören. Solche und ähnliche Aktionen bringen den Judge immer wieder ins Schwitzen.
John Deed schafft es aber auch, ohne die Hilfe seiner Tochter in peinliche Situationen zu geraten, etwa wenn er in seinen Büroräumlichkeiten die Frau eines Kollegen vernascht und dabei blöderweise von der Überwachungskamera gefilmt wird.
Diese Staffel beinhaltet den Pilotfilm sowie die ersten 4 Folgen. Die Hauptrollen in dieser sehr dialoglastigen Serie sind allesamt hervorragend besetzt, was das Zusehen zum Genuss macht und ich kann sie nur jedem empfehlen, der genug von oberflächlichen amerikanischen Produktionen hat und endlich wieder einmal Schauspielkunst, die diese Bezeichnung auch verdient hat, sehen will. Nebenbei kann man auf unterhaltsame Weise einiges über das englische Rechtssystem lernen.
Verdächtig ist, dass diese Staffel erst ab 15 Jahren freigegeben ist, während die späteren Folgen alle eine Altersbeschränkung von 12 Jahren aufweisen, wofür es keine logische Erklärung gibt, ausser vielleicht dass auch hier der Judge seine Finger im Spiel und die Paragraphen wieder mal verdreht hat.