Es kommt immer darauf an, wie man etwas verstehen möchte und bei diesem Film ist das besonders wahr. Ausgehend von der gleichnamigen Comic-Reihe wird hier eine Welt mit einem Stadtstaat dargestellt, in dem die Judges als die offensichtlichste oberste Autorität erscheinen, indem sie als Exekutive und Jurisdiktion, sowie als Strafvollzugsbeamte gleichzeitig auftreten. Was dem einfach Denkenden zunächst als eine schnelle Befriedigung emotionaler Unzufriedenheiten mit dem demokratischen Rechtsverständnis und dessen Anwendung erscheinen mag, die man als Vorbild sehen könte erweist sich schnell als genau die Art von Problem, die die heutigen Rechtssysteme in vielen Staaten mit den sogenannten "checks & balances" versehen hat und der Gewaltenteilung zwischen Exekutive, Legislative und Rechtssprechung. Das der "Held" in diesem Sinne nicht wirklich als "geläutert" gelten kann bedient dabei Sly Stallones Publikum zur Zeit der entstehung der Comics, wie auch das Empfinden vieler anderer, die heute noch John Wayne nachtrauern.
Gelesen als eine Warnung ist dieser Film aber bei aller comichafter Plakativität durchaus mal sehens- und diskutierenswert, alleine schon um festzustellen, wie gut es ist, dass das volltönende "Das Gesetz bin ich" dem absolutistischen "L'etat, c'est moi!" im gleichen Sinne entspricht, wie es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht mehr zeitgemäß ist.
Abzüge gibt es für eine dabei relativ krude Handlung und ein etwas sehr hölzernes Spiel der Hauptprotagonisten. (Also insgesamt eher 3 1/2 Punkte)