Ich bin im Besitz einer Vielzahl von Schallplatten des Tenors Nicolai Gedda und habe ihn auch einmal live erleben dürfen. Für beides kann ich mich bei Herrn Gedda nur herzlich bedanken.
Die Autobiographie "Mein Leben - meine Kunst" hat mich allerdings sehr verwirrt. Nur durch seinen Gesang und die Beihefte der Schallplattenalben hatte ich mir ein ganz anderes Bild von dem Menschen gemacht, als es sich nach der Lektüre darstellt. Insofern war es eine spannende Lektüre.
Mit teilweise verblüffender Offenheit wird eine chaotische Familien- und Lebensgeschichte (liest sich zeitweise wie ein Krimi) ausgebreitet neben der Beschreibung einer märchenhaften Karriere als Sänger (die detaillierten Beschreibungen der Gesangstechnik verstehe ich als Laie leider nicht). Gegensätzlicher kann beides kaum sein.
An der Lebensgeschichte besonders aufschlussreich allerdings ist das, was nicht erzählt wird bzw. wer nicht darin vorkommt. Man erahnt eine weitere Tragödie...
Höhere sprachliche oder stilistische Ansprüche werden nicht befriedigt. Diese werden aber auch laut Buchumschlag nicht erhoben.
Insgesamt eine überraschende Biographie, die zumindest mich etwas ratlos zurück lässt. Kann sein, dass ich mir meine Schallplattenaufnahmen mit Nicolai Gedda nach der Lektüre noch einmal ganz neu erobern muss. Vor dem geistigen Auge steht jetzt jedenfalls jemand Anderes....