Literaturtest
Maier, Professor emeritus für Judaistik an der Universität zu Köln, ist ein weltweit respektierter Kenner des Judentums. Sein handliches Taschenbuch knüpft an seine
Geschichte der Jüdischen Religion an, ist gewissermaßen das Exzerpt eines langen Forscher- und Gelehrtenlebens, in dem er wichtige Begriffe und Konzepte jüdischen Lebens und jüdischer Religion knapp definiert und erläutert.
"Die Siebentagewoche und der Sabbat", "Judenchristen" oder "Die Herausforderung durch den Islam" lauten die Kapitelüberschriften. Sie zeigen auf den ersten Blick, dass Maier ebenso religiöse Riten und Feste erläutert wie auch die politische Dimension des Jüdischseins thematisiert. Immer wieder geht es auch um die Verbindung von Thora und altem Testament, so etwa im Kapitel "Paradies und Sündenfall": "... In der Folge muss sich der Mensch durch Arbeit ernähren, mit unsicherem Erfolg, weil der Acker verflucht ist, und wegen der eingetretenen Sterblichkeit muss er sich -- mit besonderen Risiken für die Frau -- fortpflanzen". Maiers Stil ist angenehm schlicht. Er kommentiert nicht ausufernd, er urteilt wenig. Stattdessen stellt er die alttestamentarische Sicht auf das Leben sachlich dar und überlässt dem Leser ein Urteil.
Fazit: Das Büchlein ist gering an Seiten, doch mächtig an Inhalt. Mancher Leser sähe sich wahrscheinlich lieber etwas mehr an die Hand genommen. Die meisten dürften die ideologische Zurückhaltung aber sehr zu schätzen wissen. --Dr. Stefan Rusche
Kurzbeschreibung
Glaube, Geschichte und Praxis sind die drei Hauptpfeiler der jüdischen Religion, die Johann Maier in seiner ausführlichen, gut verständlichen Einführung vorstellt. Der Judaist widmet sich der Verankerung des Judentum in der geglaubten Geschichte, indem er die wichtigsten Stationen der Geschichte Israels skizziert. Diese stellt er der erlebten Geschichte gegenüber. Was jüdisches Leben ausmacht, zeigt der letzte Teil des Buches.