Leon Dold ist ein freier Journalist aus Überlingen. Eines Tages liest er die Polizeimeldung von einer Schießerei, bei der zwei Zöllner verletzt wurden, einer davon befindet sich in Lebensgefahr. Zwei junge Männer wollten Gold aus der Schweiz nach Deutschland schmuggeln. Da Dold selber extra nach Zürich gefahren war, um einen Krügerrand zu verkaufen, wundert er sich. Der Kurs für Gold ist in der Schweiz sehr viel höher. Warum also sollten die beiden Männer, zwei Brüder, das Gold nach Deutschland bringen, wenn sie in der Schweiz mehr Geld dafür erhalten? In der Untersuchungshaft tötet sich ausgerechnet Bernd, der ältere der Brüder. Warum bringt sich ein Mann um, der nur geschmuggelt hat, und nicht der Bruder, welchem die Schießerei zur Last gelegt wird? Dold beginnt parallel zur Polizei zu recherchieren und entdeckt Unglaubliches. Für den ermittelnden Kommissar Horst Sibold ist Dold hingegen ein Heißsporn, ein Laie, der unprofessionell vorgeht und in seinem Revier wildert. Und doch halten sich die beiden gegenseitig auf dem Laufenden und ergänzen sich hervorragend.
Parallel zum Geschehen im Hier und Heute wird die Geschichte von Josef Stehle erzählt, ein Bahnschaffner, der im Dritten Reich Geld, Gold und Silber von Juden nach Schaffhausen schmuggelte. Auf einmal taucht ein amerikanischer Steuerfahnder namens Carrington auf, der von diesen Schmuggeleien weiß.
Eine spannende Geschichte, die über weite Teile sehr glaubwürdig erzählt ist. Erst als der Autor eine ominöse NATO-Organisation namens Gladio ins Spiel bringt, fühlte ich mich an diverse Verschwörungstheorien erinnert. Ansonsten aber genial erzählt und überaus spannend!
Man merkt, dass der Autor auch einen Reiseführer über
66 Bodensee-Orte und 11 Bodensee-Köche geschrieben hat. So erzählt er zum Beispiel in
Judengold auf S. 53f von der Höri-Gemeinde Moos und den beiden Neidhart-Brüdern, die in zwei Restaurants um die Wette kochen. Von eben diesem Bruderpaar berichtet er in seinem Reiseführer auf S. 157. Oder das Gasthaus Waldheim in der deutschen Exklave Büsingen. Die Küche ist auf deutschem Gebiet, die schönsten Sitzplätze auf der Terrasse gehören jedoch zur Schweiz. Auch kleinere Orte finden Erwähnung: Altheim zum Beispiel, ca. 15 Autominuten von Überlingen entfernt, mit dem Gasthof Löwen. Kurz und gut: Erich Schütz hat in diesem Buch auch zahlreichen Köchen ein Denkmal gesetzt.
Des Weiteren, so scheint es mir, ist er ein Musikliebhaber. Immer wieder werden Interpreten und Titel vorgestellt, die zur Stimmung im Buch passen. Und die geschichtlichen Ereignisse der Region kommen auch nicht zu kurz: von Georg Elser, der versuchte über Konstanz in die Schweiz zu fliehen, bis zur Bombardierung von Schaffhausen am 1. April 1944 durch die Alliierten.
Mein Fazit: Eine Klasse für sich. Sehr gut gefallen hat mir die Einbindung von geschichtlichen Ereignissen und regionalen Besonderheiten. Hinzu kommt eine spannende, gut geschriebene Handlung. Ein Buch, das mehr als fünf Punkte verdient hätte. Ich bin begeistert.