Die Geschichte der Judenfeindschaft, das ist spätestens seit den monströsen Ereignissen unseres Jahrhunderts eine feste Größe innerhalb der Geschichtsforschung und gehört fest zur Themenpalette, wird freilich eher dem Mittelalter und der Neuzeit zugeordnet. Um so interessanter ist es, wenn ein Althistoriker, der noch dazu in Israel lehrt, sich der Thematik annimmt, gab es doch auch schon im Altertum Ausschreitungen gegen Juden, sei es im ptolemäischen Ägypten, im kaiserzeitlichen Rom, wo es unter Kaiser Claudius gar zu einer Ausweisung der Juden kam, und was der Beispiele noch mehr sind. In jedem Fall forderte die monotheistische Religion, die von den Juden streng beobachtet wurde, auch den Widerspruch der toleranten polytheistischen Antike heraus, und nicht erst den einer überwiegend christlich geprägten Gesellschaft. Dieses Thema zu behandeln, hat sich Zwi Yavetz in seinen Münchener Vorträgen vorgenommen, die unter den Auspizien von Christian Meier veröffentlicht worden sind. Nach der Lektüre wird der Leser das Buch freilich enttäuscht aus der Hand legen, denn viel mehr als ein kurzer Abriß judenfeindlicher Ausschreitungen und der Reaktionen darauf wird ihm in dem schmalen Bändchen nicht geboten. Leider, so muß man sagen, gelingt es dem Autor nicht, die Beweggründe für den offenbar durchaus weitverbreiteten Judenhaß scharf herauszuarbeiten, er bleibt an der Oberfläche und beschränkt sich auf eine bloße Phämenologie, seine Erklärungen bleiben zumeist im Ansatz stecken - es mag für einen Vortrag ja durchaus noch befriedigend sein, einen Überblick zu geben, für eine Monographie freilich ist das nicht unbedingt als ausreichend anzusehen. Yavetz gelingt es an keiner Stelle, die Judenfeindschaft in der Alten Welt systematisch zu analysieren und mit parallelen Phänomenen in anderen Epochen in eine vergleichende Beziehung zu setzen. Letztendlich enttäuscht das Buch auf ganzer Linie, und es bleibt zu hoffen, daß das hochinteressante Thema bald eine bessere Bearbeitung findet. Denn in diesem Fall verspricht der Titel mehr, als der Inhalt hält. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)