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Juden auf Wanderschaft
 
 
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Juden auf Wanderschaft [Taschenbuch]

Joseph Roth
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 128 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Februar 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423134305
  • ISBN-13: 978-3423134309
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,8 x 1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 61.508 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Joseph Roth
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Eine liebevolle, oft auch ironische Zeichnung der ostjüdischen Kultur, vor allem aber auch des Elends, das so viele in die Welt hinaustrieb, und eine fesselnde Beschreibung der neuen Heimatorte, der Judenviertel in Wien, Berlin, Paris und New York.«
kultur-punkt.ch Januar 2009

Kurzbeschreibung

Eine liebevolle, oft auch ironische Zeichnung der ostjüdischen Kultur, vor allem aber auch des Elends, das so viele in die Welt hinaustrieb, und eine fesselnde Beschreibung der neuen Heimatorte, der Judenviertel in Wien, Berlin, Paris und New York.

In seinem 1927 erschienenen Essay »Juden auf Wanderschaft« stellt Roth, selbst aus Ostgalizien stammend, die Frage, für wen das Buch bestimmt sei. Im Vorwort schreibt er: »Der Verfasser hegt die törichte Hoffnung, dass es noch Leser gibt, die Achtung haben vor Schmerz, menschlicher Größe und vor dem Schmutz, der überall das Leid begleitet; Westeuropäer, die auf ihre sauberen Matratzen nicht stolz sind; die fühlen, dass sie vom Osten viel zu empfangen hätten und die vielleicht wissen, dass aus Galizien, Russland, Litauen, Rumänien große Menschen und große Ideen kommen; aber auch (in ihrem Sinne) nützliche, die das feste Gefüge westlicher Zivilisation stützen und ausbauen helfen – nicht nur die Taschendiebe, die das niederträchtigste Produkt des westlichen Europäertums, nämlich der Lokalbericht, als »Gäste aus dem Osten« bezeichnet.«


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20 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Günter Nawe "Herodot" TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Ein starkes Stück Literatur - ein Essay, der sich heute noch genauso frisch und aktuell liest wie über 80 Jahren, als er von dem großen Schriftsteller Joseph Roth geschrieben wurde. Es macht wohl auch die Nähe des Autors zum Thema, durch die die Beschreibung von Geschichte und Kultur des Ostjudentums in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts so lebendig und interessant wird.
Thematisch ist der Essay auf die "Juden auf Wanderschaft", in diesem Fall fokuisert auf die Ostjuden, die immer wieder neue Heimaten finden müssen, die sie letztlich dann in Wien, in Berlin und in Paris und in New York finden werden. Wie immer meist "ghettoisiert" und vor allem auch dann wieder nur auf Zeit.
So spricht aus dieser Arbeit des Journalisten, des Erzählers und Schrifttellers Jospeh Roth das ganze Elend, aber auch die große Kultur des Ostjudentums.
In einem Nachtrag aus dem Jahre 1937 ist bereits die Bedrohung angedeutet, die wenige Jahre später in der Verfolgung und im Holocaust Wirklichkeit werden sollte. Eine beeindruckende, eine auf ihre Art fsazinierende Lektüre.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von weiser111
Format:Gebundene Ausgabe
Stilistisch überzeugt Joseph Roth sowieso grundsätzlich, und zwar in allen seinen Werken. Was den besonderen Reiz seiner "Juden auf der Wanderschaft"-Essays und Reportagen, erstmals 1927 erschienen, ausmacht: Hier erzählt er virtuos und übergangslos mal aus der Perspektive eines Schtetl-Bewohners, dann wieder aus der des Historikers, wechselt dann in seine eigene.

Diese Texte wirken nur im ersten Moment wie Momentaufnahmen; in Wirklichkeit sind sie sorgfältig aufeinander aufgebaut: Eine Betrachtung über die weltlichen und religiösen Bedingungen, ohne die das osteuropäische Judentum sich in seinen Charakteristika nicht hätte entwickeln können, leitet das Buch ein ("Ostjuden im Westen"). Freilich ist dieses erste Kapitel betont subjektiv gehalten und nicht als Geschichtsschreibung vorgesehen. Daraus erklärt sich auch, dass sich manches darin für heutige Leser grausig prophetisch liest, dass man anderes aber auch, wäre die europäische Geschichte menschlich weitergegangen, heute wohl kritischer betrachten würde (hätte, wäre, würde... verspielte Konjunktive; leider hat die deutsche Geschichte nicht nur sie vernichtet).
Dem schließen sich lebendige Skizzen aus osteuropäischen Schtetln der 1920er Jahre an ("Das jüdische Städtchen"), danach folgen Betrachtungen zunächst übers "Exil" des osteuropäischen Judentums in den westeuropäischen Metropolen der 1920er Jahre: Wien, Berlin und Paris, wobei das Paris-Kapitel etwas allgemein gehalten ist. Roth stellt hier nicht nur die Gemeinsamkeiten dar, sondern er spürt vor allem die jeweiligen Besonderheiten heraus: Gilt die ehemalige Habsburger-Metropole Wien schon fast ein vertrautes Emigrationsziel, so stellt Roth Berlin eher als Durchgangsstation von Emigranten dar, die dann eher umständehalber bzw. zufällig in Berlin sesshaft werden: "Wer in aller Welt kommt freiwillig nach Berlin?" Paris, das Roth eher kursorisch abhandelt, wäre eigentlich fast ideal, schreckte da nicht die fremde Sprache ab...
Wann und wo sonst haben heutige Leser noch Gelegenheit, dermaßen viel Wissenswertes aus erster Hand dermaßen locker erzählt zu bekommen? Joseph Roth nimmt hier eine ähnliche Perspektive ein wie in den beiden ersten Kapiteln: Er bleibt so nahe wie möglich an der Wirklichkeit, beschönigt wenig, und ist dennoch auf sympathische Weise parteiisch. Hinzu kommen Details und Trouvaillen wie z.B. en-passant-Bemerkungen über russische Konvertiten zum Judentum -- im Zarenreich(!), als das doch ganz gewiss nicht opportun war. Oder auch Roths Würdigung der jüdischen Handwerker: "Man leugnet im Westen auch den jüdischen Handwerker. [...] Der Begriff von Ländern im Osten, in denen alle Juden Wunderrabbis sind oder Handel treiben, [...] diese kindischen Vorstellungen sind ebenso lächerlich, wie der Traum des Ostjuden von einer westeuropäischen Humanität". Anderes weiß man zwar, liest es hier aber präzise in einem Satz zusammengefasst: "Die Söhne und Töchter der Ostjuden sind produktiv. Mögen die Eltern [in der Wiener Leopoldstadt] schachern und hausieren. Die Jungen sind die begabtesten Anwälte, Mediziner, Bankbeamten, Journalisten, Schauspieler."
Dasselbe lässt sich auch über die beiden letzten Kapitel sagen ("Ein Jude geht nach Amerika" über die bisweilen sogar skurril anmutenden Vorbereitungen einer Emigration nach Amerika und "Die Lage der Juden in Sowjetrußland"). Das Russland-Kapitel liest man, mit dem heutigen Wissen über Stalins Terror auch gegen die jüdische Bevölkerung, freilich noch einmal ganz anders als die Zeitgenossen des nicht gerade blauäugigen Roth; seine ebenfalls 1927 erschienenen Russland-Reportagen lassen übrigens einen noch weniger enthusiastischen Joseph Roth erkennen.
Das ändert aber alles nichts daran, dass Roth hier einmalige Eindrücke anschaulich aufbereitet und mithilfe all dieser vermeintlichen Momentaufnahmen ein literarisches Monumentalgemälde einer Welt in ihrer Epoche schreibt -- buchstäblich im allerletzten Moment.

Gelegentlich s c h e i n t Roth das osteuropäische Schtetl seiner Zeit allzu verklärend betrachtet zu haben, als eine Art Freilichtmuseum mit skurrilen Bewohnern -- aufmerksamen Lesern freilich wird der ironische Unterton seiner Betrachtungen nicht entgangen sein. Nicht entgangen sind Joseph Roth jedenfalls Elend und Unterdrückung, aber er bemerkt eben auch die Umgehungsstrategien im engeren und weiteren Sinne, die das osteuropäische Judentum zwangsläufig entwickeln musste. Manchmal (selten) freilich scheint er in die Klischee-Falle zu stolpern, auch wenn er's stilistisch vollendet tut.
Ob die Schtetl-Bewohner seiner Reportagen und Essays ihr Dasein womöglich etwas weniger traditionsverhaftet und mehr mit den Bequemlichkeiten der Moderne ausgestattet hätten, hätte man sie selber darüber entscheiden lassen... Aber die Frage ist nicht nur müßig, sie schmeckt auch gallenbitter; die Gründe sind bekannt.
Schließlich konnte nicht einmal ein scharfer Beobachter wie Joseph Roth ahnen, welche Welt er in ihren letzten Atemzügen abbildete und in welch unmenschlichem Inferno sie wenige Jahre später verbrennen würde. Umso wirkungsvoller das "memento mori!" für heutige Leser.
Unbefangen kann man diesen Band jedenfalls nicht zur Hand nehmen, gerade weil ihn der Herausgeber Christian Brandstätter so liebevoll und opulent ausgestattet hat.

Die vielen Fotos in der illustrierten Ausgabe des Brandstätter-Verlages, etliche davon ganz- oder doppelseitig, halten nicht nur eindrucksvoll die Welt des osteuropäischen Schtetl für alle Zeiten fest, sondern sind auch sorgfältig ausgewählt worden und beziehen sich konsequent auf Roths Reportagen und Essays. Die ohnehin anschaulichen Texte gewinnen dadurch noch mehr Kontur, werden noch anschaulicher, noch eindrucksvoller, gehen dem Betrachter noch näher. Manche Fotos sind auch im großformatigen "Die jüdische Welt von gestern" abgebildet, was in diesem Fall nicht gegen den Herausgeber spricht, sondern für ihn -- und vor allem für die beeindruckenden Fotos selber.
Bei der Betrachtung der Fotos zieht's den Blick unweigerlich hin zum Jahr des Aufnahmedatums, und schon beginnt man unwillkürlich zu rechnen: Konnte dieses Kind, das 1910 im Cheder die Thora studiert, konnte dieser alte Mann im Festgewand, der 1937 würdevoll der Hochzeit seiner Tochter entgegenschreitet, noch rechtzeitig vor den Deutschen fliehen, oder konnten sie wenigstens noch sterben wie ein Mensch? Und wenn ja: Wie viele konnten es nicht?
Die Zahlen sind bekannt, aber hier verleihen Wort und Bild den Zahlen ein Gesicht.

Das Buch selber stellt jedenfalls eine äußerst gelungene Kombination dar aus brillantem Text, dokumentarischem Wert, beeindruckenden Fotos -- alles vereinigt in einem Layout der Extraklasse.

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Anmerkung:
Möglicherweise fehlt wegen eines Setzerfehlers nicht nur in meinem Exemplar, sondern in der gesamten ersten Auflage (2010) der Schluss des letzten Satzes auf Seite 71. Wenn ja, hier der fehlende Text:
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so ist das ebenso ein Irrtum, wie der Glaube eines westjüdischen Bankiers, der sich "arischer" fühlt, weil in seiner Verwandtschaft schon Mischehen vorgekommen sind. (ergänzt nach: J.R., Orte. Leipzig 1990; S.241)
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Irritieren lassen sollte sich kein Interessierter von diesem Manko. Ohne dieses verkraftbare Fehlerchen wäre dieses Buch in dieser liebevollen Ausstattung nämlich beängstigend perfekt.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
1927 ist dieses bekannte Buch des jüdischen Romanciers zum ersten Mal erschienen und hat insbesondere den Juden des osteuropäischen Stetls ein Denkmal gesetzt zu einem Zeitpunkt, an dem die millionenfache Vernichtung der Juden und ihrer Kultur so noch nicht abzusehen war.

Der Verleger Christian Brandstätter hat nun dieses Buch neu herausgegeben und es mit ganz eindringlichen Schwarz-Weiß-Fotografien illustriert. Der Text von Joseph Roth und die Fotos zusammen lassen eine längst untergegangene und vernichtete Welt wieder auferstehen, die die unglaubliche Vielfalt jüdischen Lebens in Europa vor dem Holocaust zeigt.

Roth ahnte das, was kurz danach bevorstand. In seiner, das vorliegende Buch abschließenden, geplanten Vorrede zu einer Neuausgabe 1937 schreibt er unter anderem: "Solange die Deutschen nicht Christen sind, haben die Juden wenig von ihnen zu erhoffen."

Heute, zwei Generationen nach dem Holocaust, wachsen die jüdischen Gemeinden in Deutschland wieder, der Hass auf die Juden ist aber nicht verschwunden. Während immer mehr Christen die gemeinsame Wurzel mit den Juden sogar in ihre kirchlichen Verfassungen und Bekenntnisse aufgenommen haben, kommt eine neue und radikale Judenfeindschaft aus dem Islam und seinen Vertretern. Vergleiche hierzu ganz aktuell das Buch von Arye Shalicar "Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude" (DTV 2010).
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