Es gibt im Filmgeschäft öfters Geschichten über Zeitreisen. Ziel dabei ist es, möglichst nichts zu ändern, weil dies verheerende Folgen haben kann. Alles hat einen Sinn und man sollte das Leben, so wie es läuft, akzeptieren. Blah blah blah, haben sich wohl die Drehbuchautoren J.T. Tepnapa und Carlos Pedraza gedacht, denn sie haben mit Judas Kiss eine etwas andere Geschichte abgeliefert, in der sich alles darum dreht, das Leben in der Vergangenheit in eine bessere Richtung zu bringen. Das alles ist, wenn man den Trailer gesehen hat, verpackt in einem überraschenden Gewand, denn der Film ist viel ernster und tiefsinniger, als vielleicht vorher vermutet.
Zachary Wells (Charlie David) soll für seinen Freund an einem Kurzfilmfestival an seiner alten Universität teilnehmen und dort als Juror fungieren. Vor fünfzehn Jahren gewann er dort dieses Festival mit seinem Film Judas Kiss, deshalb fühlt er sich auf den Arm genommen, als ein junger Student sich als Danny Reyes (Richard Harmon) vorstellt, der mit seinem Film Judas Kiss in der Endauswahl steht. Es ist jedoch nicht nur der Film, der den selben Titel hat, nein, denn was niemand weiß: Zachary hat sich vor einiger Zeit einen neuen Namen zugelegt. Sein eigentlicher Name: Danny Reyes. Als er so langsam aber sicher dahinterkommt, dass er sich in der Vergangenheit befindet und sein früheres Ich lenken kann, um seine eigene schlechte Vergangenheit gezeichnet von Alkohol und Drogen zu korrigieren, wird es ernst!
Der Film thematisiert eine Zeitreise in Kombination mit einem Filmfest. Das ist ein toller Hintergrund für eine Geschichte, die noch tiefer geht und die den Zuschauern erst gegen Ende klar wird. Man kann es vielleicht ab einem gewissen Zeitpunkt vermuten, dennoch schockt das Ende ein wenig, hinterlässt aber in den letzten Sekunden jedoch eine positive Stimmung.
Es gibt zwar ein paar Logiklöcher (Man müsste sich doch erkennen, wenn man seinem jüngerem Ich gegenübersteht!) und ein paar kleine Längen, aber der Film ist einfach von der ersten bis zur letzten Minute sympathisch, hat ein gutes Drehbuch und tolle Charaktere, die man, bis auf ein/zwei Ausnahmen, einfach lieben muss.
Die Charaktere werden von den Schauspielern teilweise hervorragend verkörpert. Während Charlie David etwas zurückhaltender spielt, aber dennoch überzeugt, geht Richard Harmon voll in seiner Rolle auf. Julia Morizawa als gute Freundin von Danny und Produzentin des Films im Film spielt gut und hat eine tolle Mimik. Während Timo Descamps das berühmte A-Loch spielen darf und da ein wenig hinter den Möglichkeiten spielt, geht der ehemalige Erwachsenenfilmdarsteller Sean Paul Lockhart (In der Branche bekannt unter dem Namen Brent Corrigan, welcher blöder Weise auf dem DVD-Cover steht, auch wenn er den Film unter seinem bürgerlichen Namen drehte und so auch im Vorspann steht!) völlig auf und überrascht mit guten Schauspiel. Alles in allem kann man nicht meckern über die Schauspieler.
Die deutsche Synchronisation wirkt im ersten Augenblick etwas amateurhaft, im Verlauf des Film achtet man da aber nicht drauf. Für Freunde von Originalversionen kann man sich den Film gern auf Englisch mit deutschem Untertitel anschauen. Die Extras sind nicht überragend, aber für das Genre mit geschnittene Szenen, Making Of, Hinter den Kulissen, Musikvideo, Trailer, Galerie und Filmvorschau schon nett und empfehlenswert. Über Bild und Ton brauch man kein Wort zu verlieren, es handelt sich um keine Billigproduktion (trotz Budget von nur einer halben Million Dollar), somit ist das Bild klar, der Sound gut.
"Judas Kiss" ist nicht perfekt, aber ein wirklich guter Film, sympathisch, spritzig, gut gespielt und mit überraschend viel Drama.