Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Jud Süß
OA 1925 Form Roman Epoche Moderne
Der erste historische Roman von Lion Feuchtwanger stellt die Geschichte vom Aufstieg und Fall des jüdischen Finanzrats Josef Süß Oppenheimer als exemplarisch für das Schicksal des jüdischen Volks dar. In Reaktion auf den zunehmenden Antisemitismus nach dem Ersten Weltkrieg lieferte der Autor eine als Warnung zu verstehende, beklemmende Analyse antisemitischer Mechanismen.
Inhalt: Josef Süß Oppenheimer steigt dank seiner Finanzbegabung und gewandten Umgangsformen in den 1730er Jahren als geheimer Finanzrat von Herzog Karl Alexander (1684 bis 1737) zum mächtigsten Mann Württembergs auf. Mit dem Herzog durch ein Band wechselseitigen Nutzens verbunden und ebenso machthungrig, genusssüchtig und prunkliebend wie dieser, beschafft Jud Süß durch ausgeklügelte Methoden zur steuerlichen Ausbeutung des Landes die Mittel für Karl Alexanders militärpolitische wie repräsentative Vorhaben.
Doch als der Herzog seiner Tochter Naemi nachstellt und diese sich nur durch einen Sprung in den Tod vor der Vergewaltigung zu retten weiß, kommt es zum Bruch. Jud Süß verrät Karl Alexanders Pläne, im protestantischen Württemberg eine katholische Militärautokratie zu errichten, und lässt sich nach dem plötzlichen Tod des Herzogs gefangen nehmen. Lange aufgestauter Unmut entlädt sich nun gegen ihn, den Handlanger fürstlicher Willkür, der als Angehöriger einer allseits verachteten und vielfach verfolgten Minderheit zum Sündenbock gemacht wird. Unter Beugung des Rechts wird er zum Tod verurteilt.
Die mögliche Rettung durch einen Übertritt zum Christentum schlägt Jud Süß aus, denn er hat nach Naemis Tod zu seinen jüdischen Wurzeln, seiner kulturellen Identität zurückgefunden und hält an seinem Glauben fest.
Aufbau: In fünf Büchern entwickelt Feuchtwanger ein lebendiges Panorama gesellschaftlichen und politischen Lebens sowie sozialer und religiöser Gegensätze im frühen 18. Jahrhundert. Seine Darstellung, die auf einer Oppenheimer-Biografie von 1874 fußt, hält sich weitgehend an die historische Überlieferung. Doch auch erfundene Figuren und Begebenheiten, wie etwa Naemi und ihr Schicksal, tragen zur Entwicklung der Handlung bei. Der chronologisch erzählte Werdegang von Josef Süß Oppenheimer lässt sich unter dem Aspekt von Assimilation und (gescheiterter) jüdischer Emanzipation lesen, als Auseinandersetzung mit den Verlockungen der Macht und ihrem Preis oder als Weg vom Aktivismus zu einer kontemplativen Lebensphilosophie, die Feuchtwanger nach dem Ersten Weltkrieg als vorbildlich erschien, da das Handeln durch den Krieg diskreditiert worden war.
Wirkung: Gleich mit seinem ersten historischen Roman erwies sich Feuchtwanger als wirkungsvoller Erneuerer dieses Genres, das im Lauf des 19. Jahrhunderts zum Kostüm- und Unterhaltungsroman herabgesunken war. Sein Ansatz, in der lebendigen Schilderung der Vergangenheit Tendenzen und Probleme der Gegenwart zu gestalten, überzeugte Leser wie Kritiker. Jud Süß wurde zum Weltbestseller und begründete Feuchtwangers Geltung als Romancier. Der antisemitische Hetzfilm Jud Süß (1940) von Veit Harlan (18991964) beruhte nicht, wie oft angenommen, auf Feuchtwangers Roman. P. G. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Jud Süß
OA 1925 Form Roman Epoche Moderne
Der erste historische Roman von Lion Feuchtwanger stellt die Geschichte vom Aufstieg und Fall des jüdischen Finanzrats Josef Süß Oppenheimer als exemplarisch für das Schicksal des jüdischen Volks dar. In Reaktion auf den zunehmenden Antisemitismus nach dem Ersten Weltkrieg lieferte der Autor eine als Warnung zu verstehende, beklemmende Analyse antisemitischer Mechanismen.
Inhalt: Josef Süß Oppenheimer steigt dank seiner Finanzbegabung und gewandten Umgangsformen in den 1730er Jahren als geheimer Finanzrat von Herzog Karl Alexander (1684 bis 1737) zum mächtigsten Mann Württembergs auf. Mit dem Herzog durch ein Band wechselseitigen Nutzens verbunden und ebenso machthungrig, genusssüchtig und prunkliebend wie dieser, beschafft Jud Süß durch ausgeklügelte Methoden zur steuerlichen Ausbeutung des Landes die Mittel für Karl Alexanders militärpolitische wie repräsentative Vorhaben.
Doch als der Herzog seiner Tochter Naemi nachstellt und diese sich nur durch einen Sprung in den Tod vor der Vergewaltigung zu retten weiß, kommt es zum Bruch. Jud Süß verrät Karl Alexanders Pläne, im protestantischen Württemberg eine katholische Militärautokratie zu errichten, und lässt sich nach dem plötzlichen Tod des Herzogs gefangen nehmen. Lange aufgestauter Unmut entlädt sich nun gegen ihn, den Handlanger fürstlicher Willkür, der als Angehöriger einer allseits verachteten und vielfach verfolgten Minderheit zum Sündenbock gemacht wird. Unter Beugung des Rechts wird er zum Tod verurteilt.
Die mögliche Rettung durch einen Übertritt zum Christentum schlägt Jud Süß aus, denn er hat nach Naemis Tod zu seinen jüdischen Wurzeln, seiner kulturellen Identität zurückgefunden und hält an seinem Glauben fest.
Aufbau: In fünf Büchern entwickelt Feuchtwanger ein lebendiges Panorama gesellschaftlichen und politischen Lebens sowie sozialer und religiöser Gegensätze im frühen 18. Jahrhundert. Seine Darstellung, die auf einer Oppenheimer-Biografie von 1874 fußt, hält sich weitgehend an die historische Überlieferung. Doch auch erfundene Figuren und Begebenheiten, wie etwa Naemi und ihr Schicksal, tragen zur Entwicklung der Handlung bei. Der chronologisch erzählte Werdegang von Josef Süß Oppenheimer lässt sich unter dem Aspekt von Assimilation und (gescheiterter) jüdischer Emanzipation lesen, als Auseinandersetzung mit den Verlockungen der Macht und ihrem Preis oder als Weg vom Aktivismus zu einer kontemplativen Lebensphilosophie, die Feuchtwanger nach dem Ersten Weltkrieg als vorbildlich erschien, da das Handeln durch den Krieg diskreditiert worden war.
Wirkung: Gleich mit seinem ersten historischen Roman erwies sich Feuchtwanger als wirkungsvoller Erneuerer dieses Genres, das im Lauf des 19. Jahrhunderts zum Kostüm- und Unterhaltungsroman herabgesunken war. Sein Ansatz, in der lebendigen Schilderung der Vergangenheit Tendenzen und Probleme der Gegenwart zu gestalten, überzeugte Leser wie Kritiker. Jud Süß wurde zum Weltbestseller und begründete Feuchtwangers Geltung als Romancier. Der antisemitische Hetzfilm Jud Süß (1940) von Veit Harlan (18991964) beruhte nicht, wie oft angenommen, auf Feuchtwangers Roman. P. G. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Naemi, die schöne und kluge Tochter des genialen Finanzmannes Jud Süß Oppenheimer, stirbt, weil ihr vor der Lüsternheit des Herzogs Karl Alexander graust. Josef Süß ergreift die Hand seines Landesherren, zur Versöhnung gereicht, nur zum Scheun. Er wird seine Rache raffiniert arrangieren. Des Herzogs Untergang besiegelt aber auch den seinen.
Autorenporträt
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Feuchtwanger, Lion dt. Schriftsteller *7.7.1884 München, 21.12.1958 Los Angeles Jud Süß, 1925 Exil, 1940 Lion Feuchtwanger wurde zu einem der großen Erneuerer des historischen Romans, indem er aktuelle Fragen und Probleme in die Geschichte einfließen ließ. Er schrieb aus einer aufklärerischen Haltung heraus, um Vernunft und Humanität den Weg zu bahnen, wollte mit seinen spannungsreichen Romanen und Dramen aber auch unterhalten. Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte arbeitete Feuchtwanger für Zeitschriften und verfasste zunächst Dramen. Seinen Durchbruch als Schriftsteller erlebte er mit seinem ersten historischen Roman, Jud Süß (1925). Fragen jüdischer Identität, Kultur und Geschichte sollten den aus einem jüdisch-orthodoxen Elternhaus stammenden Autor sein Leben lang begleiten. Das Aufkommen der Nationalsozialisten bewirkte bei Feuchtwanger eine Politisierung des Denkens und Handelns, die sich bereits in seinem ersten zeitkritischen Roman Erfolg (1930) niederschlug. Danach fragte er immer wieder, etwa in Exil (1940) oder Goya (1951), nach der Rolle des Künstlers in der Gesellschaft. Im Exil in Frankreich nahm Feuchtwanger an den antifaschistischen Aktivitäten der Emigranten teil und näherte sich, auch angesichts der Appeasement-Politik der Westmächte, dem Kommunismus an. 1940 floh er mit seiner Frau in die USA, wo er bis zu seinem Tod lebte. Biografie: R. Jaretzky, Lion Feuchtwanger (rm 50334). -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Feuchtwanger, Lion dt. Schriftsteller *7.7.1884 München, 21.12.1958 Los Angeles Jud Süß, 1925 Exil, 1940 Lion Feuchtwanger wurde zu einem der großen Erneuerer des historischen Romans, indem er aktuelle Fragen und Probleme in die Geschichte einfließen ließ. Er schrieb aus einer aufklärerischen Haltung heraus, um Vernunft und Humanität den Weg zu bahnen, wollte mit seinen spannungsreichen Romanen und Dramen aber auch unterhalten. Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte arbeitete Feuchtwanger für Zeitschriften und verfasste zunächst Dramen. Seinen Durchbruch als Schriftsteller erlebte er mit seinem ersten historischen Roman, Jud Süß (1925). Fragen jüdischer Identität, Kultur und Geschichte sollten den aus einem jüdisch-orthodoxen Elternhaus stammenden Autor sein Leben lang begleiten. Das Aufkommen der Nationalsozialisten bewirkte bei Feuchtwanger eine Politisierung des Denkens und Handelns, die sich bereits in seinem ersten zeitkritischen Roman Erfolg (1930) niederschlug. Danach fragte er immer wieder, etwa in Exil (1940) oder Goya (1951), nach der Rolle des Künstlers in der Gesellschaft. Im Exil in Frankreich nahm Feuchtwanger an den antifaschistischen Aktivitäten der Emigranten teil und näherte sich, auch angesichts der Appeasement-Politik der Westmächte, dem Kommunismus an. 1940 floh er mit seiner Frau in die USA, wo er bis zu seinem Tod lebte. Biografie: R. Jaretzky, Lion Feuchtwanger (rm 50334). -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.