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Jud Süß - Film ohne Gewissen
 
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Jud Süß - Film ohne Gewissen

Tobias Moretti , Martina Gedeck , Oskar Roehler    Freigegeben ab 12 Jahren   DVD
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (23 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 11,24 Kostenlose Lieferung ab EUR 20 (Bücher und Blu-ray-Filme immer versandkostenfrei), auch bei allen Verkäufern, die "Versand durch Amazon" nutzen. Details
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Produktinformation

  • Darsteller: Tobias Moretti, Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu
  • Regisseur(e): Oskar Roehler
  • Komponist: Martin Todsharow
  • Format: Dolby, DTS, PAL
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1)
  • Region: Region 2
  • Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: Concorde Video
  • Erscheinungstermin: 14. April 2011
  • Produktionsjahr: 2010
  • Spieldauer: 115 Minuten
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (23 Kundenrezensionen)
  • ASIN: B004JRLPH2
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 10.238 in Filme & TV (Siehe Top 100 in Filme & TV)

Rezensionen

VideoMarkt

Mehr schlecht als recht schlägt sichder gebürtige Wiener Ferdinand Marian im Jahr 1939 als Schauspieler durchs Leben. Seine Chance kommt, als ihm die Hauptrolle in einer Verfilmung von "Jud Süß" angeboten wird, auch wenn er aufgrund der inhaltlichen Ausrichtung des Projekts zunächst zögert. Propagandaminister Goebbels lässt keinen Zweifel daran, dass Marian den Part spielen muss. Marian glaubt, die Situation unter Kontrolle zu haben: Seine Frau ist Jüdin. Doch das Spiel mit dem Feuer bleibt nicht ohne Folgen.

Produktbeschreibungen

Berlin 1939. Der mittelmäßig erfolgreiche, aus Österreich stammende Schauspieler Ferdinand Marian bekommt direkt von Joseph Goebbels die Rolle des "Jud Süss" in dem gleichnamigen NS-Propagandafilm angeboten. Die Regie soll Veit Harlan übernehmen. Eine einmalige Karrierechance für Marian. Hin- und hergerissen weigert er sich zunächst, vor allem wegen der Einwände seiner Frau Anna (Martina Gedeck) und seiner Befürchtung, danach auf jüdische Rollen festgelegt zu werden. Doch nachdem Minister Goebbels (Moritz Bleibtreu) immer stärkeren Druck auf ihn ausübt, willigt er ein. Marian versucht, sich und seiner Frau einzureden, er könne die Rolle so spielen, dass der Titel-Bösewicht zum Sympathieträger würde. Doch selbst diese fromme Absicht macht sich der Film geschickt zunutze - sie steigert am Ende sogar noch dessen Wirkung auf die Massen. Marians Verstrickung in die Folgen dieser genau geplanten filmischen Propagandawaffe ist nicht mehr aufzuhalten.

Schon während der Dreharbeiten spitzt sich die Situation in seinem privaten Umfeld zu. Durch seine zunehmende Veränderung abgestoßen, entfremdet sich seine Frau von ihm.
Im Gartenhaus der Familie hat zudem ein früherer Kollege von Marian, der jüdische Schauspieler Adolf Wilhelm Deutscher (Heribert Sasse) Unterschlupf gefunden. Das Dienstmädchen Britta (Anna Unterberger) verrät dies ihrem Freund, dem SA-Mann Lutz (Robert Stadlober), der Deutscher verhaftet und

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59 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:DVD
Da ist sich Joseph Göbbels(Moritz Bleibtreu) sicher. Sein Hauptdarsteller, der diesen Film -Jud Süß- drehen soll, glaubt noch immer, dass verhindern zu können. Aber dazu gleich mehr...

Ein Oskar Röhler Film, der bei der Berlinale dafür sorgte, dass Journalisten Buh-Rufe erschallen ließen und Zuschauer den Saal verließen...und noch nicht eine einzige Rezension dazu? Okay...es wird daran liegen, dass man sich dabei nur in die Nesseln, oder aber zumindest zwischen die Stühle setzen kann. Ich versuche es trotzdem.

Berlin 1939. Joseph Göbbels will die ultimative Propagandawaffe erschaffen. Einen Film, der künstlerisch wertvoll ist, und gerade dadurch einen glaubhaften bösartigen Juden auf die Leinwand zaubert, den die Menschen abgrundtief hassen werden. Dazu will er die Geschichte des Juden Süß verfilmen lassen; die sich so oder so ähnlich im 18.Jahrhundert in Württemberg abgespielt hat. Goebbels Traumbesetzung für die Rolle des Süß ist der relativ unbekannte Schauspieler Ferdinand Marian(Tobias Moretti). Der ziert sich zunächst, willigt dann aber auf Grund starken Drucks von Goebbels ein. Dabei begibt er sich auf gefährliches Terrain, denn seine Frau Anna(Martina Gedeck) ist jüdischer Abstammung. Zudem versteckt Marian den alten Freund Deutscher(Heribert Sasse) in seinem Gartenhaus. Zunächst klappt alles besser als erwartet für Marian. Die Produktion des Films verläuft für ihn ohne Schwierigkeiten. Er kann sogar eigene Ideen gegen den Willen des Regisseurs Harlan(Justus von Dohnany) durchsetzen. Aber Marian merkt nicht, dass er nur ein willfähriges Werkzeug von Goebbels und der Nationalsozialistischen Partei ist. Als er das endlich realisiert, ist es zu spät. Als Marian glaubt, es könne nicht mehr schlimmer kommen, täuscht er sich gewaltig...

Zunächst einmal: Röhlers Film ist kurzweilig, handwerklich gut gemacht, brilliant besetzt und interessant. Diese Story hat was, keine Frage. Aber genau da setzt die heftige Kritik an. Wenn Röhler schon ein Thema aufgreift, dass sich tatsächlich geschichtlich ereignet hat, wieso verfälscht er dann die Fakten? Mein eigenes Geschichtswissen bezüglich der Produktion von -Jud Süß- ist(leider) zu gering, um da mitreden zu können. Aber wenn Spiegel- und Sternjournalisten haarklein nachweisen, dass die wahre Geschichte in entscheidenden Sequenzen völlig anders stattgefunden hat, dann ist das schon verwunderlich. Welchen Sinn macht es dann noch, ein "echtes" Thema zu wählen und es dann unkorrekt wiederzugeben? Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung. Aber: Es ist nun Mal ein Oskar Röhler Film. Sollte man einem Enfant Terrible der deutschen Filmszene diese künstlerische Freiheit zugestehen, oder nicht? Meine Antwort diesbezüglich ist klar: Ich halte nichts davon, Künstler in ihrer Freiheit zu beschneiden. So erntet Röhler also die Verrisse und kann(vermutlich; so wie ich ihn einschätze) damit leben.

Die Schauspielleistungen in -Jud Süß - Film ohne Gewissen- sind oberste Güteklasse. Wenn Mimen wie Armin Rohde, Ralf Bauer, Robert Stadlober, Rolf Zacher und Gudrun Landgrebe schon für die Nebenrollen echten Glanz produzieren, so ist Moritz Bleibtreu als Goebbels ein wunderbar joviales, jungenhaftes, gernegroßes und wahnsinnig gemeingefährliches Abziehbild von Hitlers Propagandaminister. Martina Gedeck spielt überzeugend, ihr Plot gibt allerdings nicht all zu viele Möglichkeiten her. Tobias Moretti ist der absolut schillernde Mittelpunkt des Ensembles. Er kann in diesem Film sein gesamtes schauspielerisches Spektrum vor der Kamera ausleben.

Also: Für Geschichtspuristen und überzeugte Anhänger von unverzeihbaren Fehlern über die Darstellung von Geschichte im Deutschland der Nazizeit, wird Röhlers Film unansehbar sein. Was Kritiker bitte nicht dazu veranlassen sollte, über jeden das Kreuz zu brechen, der eine andere Meinung hat. Wer derart hohe Ansprüche bezüglich der Authentizität eines Films nicht hat, der dürfte sich mit Oskar Röhlers Film anfreuden können. Ich habe mich jedenfalls schon schlechter unterhalten lassen. Wäre es möglich, hätte ich 3,5 Sterne vergeben. So gibt es vier Sterne zu Gunsten des Angeklagten. Für diesen Film gilt, mehr als sonst: Entscheiden sie selbst! Bilden sie sich ihr Urteil! Schwimmen sie auf keiner, von wem auch immer inszenierten, Anti- oder Pro-Welle mit und lassen sie sich ihre Urteilskraft nicht nehmen. Viel Spaß dabei.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:DVD
Ich hatte die vielen verschiedenen und extremen Meinungen zu diesem Film - von absolut sehenswert bis desaströs - im Vorfeld versucht auszublenden und mich wirklich auf diesen Film gefreut! Schließlich ist Oskar Roehler wirklich ein begnadeter Regisseur! "Der alte Affe Angst" und "Elementarteilchen" waren grandioses Kino und die hierfür engagierten Darsteller jede Sekunde des Zuschauens wert!

Und eines muss man auch "Jud Süß - Film ohne Gewissen" lassen - man hat ein eigentlich herausragendes Ensemble verpflichten können. Doch dann bleibt man nach knapp zwei Stunden zähen Zuschauens ratlos zurück und fragt sich, wo denn eigentlich die Darsteller ihr Potential haben liegen lassen. Im Set-Wohnwagen? Zu Hause??

Im Einzelnen:

Moritz Bleibtreu als Joseph Goebbels - leider komplett daneben! Ich konnte ihn nicht mal ansatzweise ernst nehmen und musste von Beginn bei seinen Auftritten im Film lachen! Immerhin fühlte ich mich wenigstens bei diesen Szenen gut unterhalten... Aber nein, Bleibtreu spielt Goebbels so dermaßen übertrieben und unglaubwürdig - und Oskar Roehler tut sein Übriges mit der Kameraführung dazu, indem er bei fast jeder Gelegenheit den verkrüppelten Fuß Goebbels' in Großaufnahme zeigt. Wie es richtig geht: Ulrich Matthes in "Der Untergang"!

Martina Gedecks Blick und Mimik verändert sich im gesamten Film nicht - willkommen in der Welt von Veronica Ferres!

Robert Stadlober - eigentlich ein begnadeter Schauspieler, aber als Jung-Nazi total daneben! Aber es wird vermutlich seine Absicht gewesen sein den Nazi so unfassbar grotesk zu spielen, man weiß ja, dass sein Herz politisch eher links außen schlägt.

Der einzige Lichtblick - und der Grund meiner 2-Sterne-Bewertung - Signore Tobias Moretti! Er spielt den Marian mit voller Leidenschaft und auch wirklich gut! Allein ihm ist es zu verdanken, dass ich den Film nicht schon nach dem ersten Goebbels-Auftritt boykottiert habe. Chapeau!

Tja, und ansonsten plätschert der Film so müde vor sich hin - und verdreht die historischen Fakten bzw. erfindet sie neu! Wie vor mir schon einige Rezensenten zurecht bemerkt haben, stellt sich doch die Frage, wie man einen historischen Stoff so gänzlich ohne Not faktisch verändern muss??? Dass Marians Frau z.B. eben nicht im KZ sterben musste, sondern erst 4 Jahre nach Ende des Krieges, hätte dem Film doch nie und nimmer geschadet!

Egal, schön, dass die Geschmäcker so verschieden sind (und Bleibtreu tatsächlich einen Preis für seine Darstellung erhalten hat...!).

Der nächste Roehler wird bestimmt wieder ein cineastischer Kracher! Zeigs uns!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Tonio Gas TOP 1000 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:DVD
Der vorliegende Film schildert die letzten Jahre im Leben des Schauspielers Ferdinand Marian (Tobias Moretti), die wesentlich von seiner Mitwirkung im antisemitischen Hetzfilm "Jud Süß" geprägt waren. Dabei gelingen Regisseur Oskar Roehler und seinem Team viele faszinierende Momente und Einblicke, aber gelegentlich passiert ihnen auch Unerträgliches. Vielleicht haben die Macher nicht so ganz genau gewusst, was sie für einen Film machen wollten, Charakterstudie, NS-Zeitbild oder grelle Groteske. "Jud Süß - Film ohne Gewissen" ist nämlich alles, und die verschiedenen Ebenen ergänzen einander nicht, sondern prallen gelegentlich so seltsam zusammen, dass es schmerzt. Da sehen wir sofort eine entsättigte sepiageprägte Farbgebung - Du liebe Zeit, das macht ja heutzutage jeder, seit es mit ein paar Mausklicks möglich ist. Roehler setzt es durchgängig ein und im Gegensatz zu einem Clint Eastwood immergleich. Man fühlt sich ein bißchen zu sehr daran erinnert, dass das jetzt ein ganz bedrückender Film werden wird, der sich einem ganz ganz gewagten Thema annehmen wird. Mit dem Holzhammer ist auch die fürchterliche Filmmusik eingesetzt. Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass sie immer genau dann eingesetzt wird, wenn ein dramatischer Moment kommt (z.B. wenn Marian lieber den Berliner Ruhm als die Liebe seiner Frau und die Ausreise nach Amerika will oder wenn Marian dem Juden Deutscher per Handschlag verspricht, dass "Jud Süß" ein rein künstlerischer Film würde). Dann kommt sie dräuend mit dissonanten Streichern oder mit rhythmisierten achtung-dramatisch-Streichern à la deutsche Fernsehdokus, nicht nur unterstützend, sondern in die Stille einsetzend und daher allzu forcierend, so als traute man uns Zuschauern nicht zu, es auch so zu merken. Auch der Untertitel "Film ohne Gewissen" zeigt, dass Roehlers Werk ein bißchen die Traute fehlt - argwöhnisch könnte man aber auch munkeln, dass eine solche Klarstellung im deutschen Filmförderdschungel nötig ist, um Geld gegen political correctness zu erhalten.

Anders als viele es empfunden haben, halte ich den Film jedoch keinesfalls für misslungen. Er hat gerade in der Anfangsphase kammerspielartige Stärken und zeigt durchgängig hervorragende, fein nuancierte darstellerische Leistungen. Wie beispielsweise die Blicke zwischen Marians Hausmädchen, ihm und seiner Frau hin- und hergehen, da zeigt Roehler mit minimalen Mitteln ein ganz spannendes, ambivalentes Interagieren, Belauern, Argwöhnen, mit Recht: Zum einen hat Marian ein Verhältnis mit diesem Mädchen, zum anderen verstecken die Marians einen Juden (den erwähnten Herrn Deutscher) im Hinterhaus und das Hausmädchen wird ihn an ihnen strammen Nazifreund verpfeifen, was alles schon in diesen wenigen Blicken vorweggenommen wird. Großes Kino! Großes Kino auch, wenn der Film zur lärmenden Groteske wird, verkörpert vor allem durch Moritz Bleibtreu in der Rolle des Joseph Goebbels. Bleibtreu ist gewiss kein Knallcharge, legt den Goebbels aber als solchen an, mit Handwedeln, platter Jovialität und Wutanfällen wie bei einem Kleinkind in der Trotzphase. Er hat sich dies aber - Dokumentationen und Zeitzeugenberichte belegen es - sehr gut beim echten Goebbels abgeguckt, einschließlich des penibel nachempfundenen Dialekts. Hier traut sich der Film einmal was, und hier gelingt ihm etwas: "Jud Süß"-Regisseur Veit Harlan schildert in seiner manchmal abscheulichen Autobiographie Goebbels als zeternden Dämon, der aber auch Verführungskraft gehabt habe - es gerät dem Autor zu einer peinlichen Rechtfertigungsschrift. Roehler zeigt ihn genauso, wie Harlan ihn beschrieben hat. Eine Szene mit perfider Einschüchterung und anschließendem Wutanfall, was Marian schließlich zur Mitwirkung an "Jud Süß" bewegt, scheint dem Buch eins zu eins entnommen zu sein. Aber sehen wir dies auf der Leinwand ohne Harlans verbrämte Kommentare, kommt in jeder Sekunde zum Ausdruck, was das für ein letztlich mit offenen Karten spielender Irrer war, ein gefährlicher und kluger Irrer zwar, aber definitiv nicht einer, bei dem einem verborgen bleiben konnte, dass "Jud Süß" ein perfider Hetzfilm werden sollte und musste. In den grotesken Szenen kommt die Gewissensnot des Marian, sein Schwanken zwischen Geltungsdrang und dem genauen Wissen, was er da tat, zum Ausdruck. Ein spannendes Psychogramm eines Menschen, so wie er und wie es gewesen sein könnte.

Da haben wir aber schon das zweite Problem: Wie es gewesen sein KÖNNTE, denn so ganz genau wissen wir es nicht. Was - wie auch bei Eastwoods "J. Edgar" - in gewissem Maße legitim ist. Moritz Bleibtreu im Bonus-Interview und die dissentierenden Richter in der "Esra"-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts haben schon Recht: Kunst ist Kunst und als Kunst erkennbar, hier liegt schließlich kein Dokumentarfilm vor, und wenn dem Film mit den notorischen "Veränderungen aus dramatischen Gründen" etwas Spannendes gelingt, ist es allemal in Ordnung. Es ist nicht des Filmes Schuld, wenn Teile des Publikums wirklich alles glauben. Damit ist aber noch nicht gesagt, ob die dichterischen Freiheiten etwas taugen. Über Marian weiß man sicherlich nicht alles, aber ein bißchen mehr als über den sehr zurückgezogen lebenden J. Edgar Hoover, so dass Freiheiten meines Erachtens kritischer zu sehen sind. Manches präsentiert Roehler wie einen Paukenschlag; damit fordert er im Grunde selbst die Frage heraus: War es so? Dass z.B. "ein Kritiker mit dem wohlklingenden Namen Michelangelo Antonioni" "Jud Süß" gerühmt haben soll, lässt zusammenzucken - es handelt sich um einen Mann, der später Regisseur von Weltruf wurde. War es so? Für die Charakterisierung Marians ist die Szene elementar wichtig, in der er die Möglichkeit, von Italien nach Casablanca und von dort in die USA zu reisen, ausschlägt, um noch den Ruhm der Berliner "Jud-Süß"-Premiere einzuheimsen. Gab es diese Ausreisemöglichkeit? Man kann das eine wie das andere mutmaßlich erforschen. Und ich mag durchaus Filme, die dazu anregen, mehr wissen zu wollen; aber der vorliegende Film macht dieses geradezu notwenig statt nur zum Mehrwert. Da halte ich mich doch lieber an Fritz Lang, der der Ansicht war, die Filme selbst sollten alles Nötige ausdrücken.

Roehler kombiniert also einen mitunter großartigen Kammerspielfilm mit einem teils zu vorsichtigen Polit-Drama und einer schrillen, teils spekulativen Groteske (bei der vor allem Goebbels überzeugt, aber ein sich rührend um das Schicksal seiner Frau bemühender Hans Moser allzu sehr zur Karikatur verkommt). Man weiß nicht so recht, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Muss man nach großartigem, leisem Auftakt im Hause der Marians immer mal wieder wilde Sexszenen haben, um Marians unerlöstes Ego zu demonstrieren? Teilweise in perversen Settings, wenn eine Frau im Blitzfeuer des Bombenhagels heftig von hinten "genommen" wird und "Mach's mir, Jude" stöhnt? Immerhin, hier zeigt der Film, wie Marian seinen Niedergang beschleunigt, wie er gleichzeitig seine, haha, Potenz genießt und dennoch darunter leidet, dass er ein Klischeebild bedient hat, da in "Jud Süß" eine Vergewaltigungsszene eine Schlüsselszene ist. Mit dem Ausruf "Jude" zeigt die Frau natürlich, dass sie Marian (der kein Jude war) mit seiner Rolle verwechselt, ein in allen Zeiten bei Stars gängiges Phänomen, aber hier besonders fatal. Dass Marian um diese Wirkung die ganze Zeit hätte wissen müssen, ist ohnehin klar. Eine Szene, die sich also durchaus rechtfertigen ließe, die aber dermaßen auf den Effekt hin inszeniert ist (Bombenhagel! Feuerblitze! Alle sind im Luftschutzraum, nur die beiden machen's im Obertgeschoß bei offenem Fenster, des besseren Lichteffekts wegen), dass man den Eindruck hat: Sex sells. Wie auch bei diversen anderen Sexszenen, deren ein Weniger an Expressivität und Anzahl locker gereicht hätte, um damit das auszusagen, was Roehler halt über Marian aussagen wollte. Weiteres gerät ihm zum Klischee, z.B. die Gettojuden, die selbstverständlich alle wenig sportlich wirken, bärtig sind und in etwas angestrengter Folklore ihre Musik und ihr Brauchtum pflegen. Sicherlich gab es all dies, aber doch nicht bei gefühlten 99 Prozent! Vor Hitlers Rassenwahn war vielen Juden, wie es das auch bei Christen gibt, ihre Religion völlig egal, und sie wussten gar nicht, was Jüdischsein groß bedeutet. Und da die Nazis das Jüdische nicht religiös, sondern erbbiologisch auffassten, kamen eben auch die vielen Juden ins Getto, die sich wenig um ihre Religion scherten.

Am Ende scheint der Film nach etwas zu langer Niedergangsphase (sie wird noch ausgewalzt, nachdem längst klar ist, dass Marian am Ende ist) noch einmal zu Hochform aufzulaufen: Die Wut der KZ-Befreiten, die ihn zusammenschlagen und endlich auch einmal nicht nur als Opfer gezeigt werden, ist verständlich (und dass die KZ-Schergen nach "Jud Süß"-Vorführungen besonders brutal vorgingen, ist erwiesen). Der Sex, den Marian noch haben will, verkommt zur Farce, und wenn er nicht mehr gewillt ist, einzuschreiten, als seine Freundin vor seinen Augen mit einem GI schläft, ist sein Tod im Grunde besiegelt. Aber auch hier: Das Wiedertreffen mit Deutscher, dem Marian einen "rein künstlerischen Film" versprochen hatte, wirkt überpointiert, und Marians letzter Blick auf ein Familienfoto ist ein purer Kitschmoment. Lesen Sie weiter... ›
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Vor 10 Monaten von anafreaky veröffentlicht
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