Dreißig Jahre Gerhard Polt und die Biermösl Blosn sind wirklich ein Grund zum Feiern. Die Zusammenarbeit zwischen dem wohl größten lebenden deutschen Komiker und den drei vielinstrumentigen und hinterfotzigen Volksmusikinterpreten Hans, Christoph und Michael Well aus dem Biermoos zwischen München und Augsburg begann mit Kurzauftritten der Biermösl in Polts Fernsehserie "Fast wia im richtigen" Leben. Sie führte dann bald auf die Bühne und kulminierte um '90 in legendären Theaterstücken wie "Diridari" und "Tschurangrati" sowie den darauffolgenden Kabarettprogrammen.
Die Doppel-CD "Jubiläum" enthält mehrheitlich altes Material. Die wiederaufgenommenen Nummern, Live-Aufnahmen an zwei Orten, klingen größtenteils der jeweils erstveröffentlichten Version sehr ähnlich. Manche Aufnahmen wurden gar einfach wiederverwendet ("Democracy", "Wo samma?").
An neuem gibt's hauptsächlich Polt-Nummern. "Kreissparkasse meets Art" ist eine hübsch schwachsinnige Schwadronie über Kultur-Sponsoring , bei der Christoph Well als kleinlaut mitschreibenden Journalisten assistiert, Hans den beleidigten Künstler gibt, und Michael als Kostprobe der geförderten Kunst intonationsfrei in eine Tuba pustet. Gut auch Polt als bayrischer Adventsnihilist und Trinker aus Berufung in "de expectatorione" ("Warum soll i ma a Diabetes ofressn, wenn i's mir osauf ko?"). Dabei verwurstet er zwar die altbekannte Begebenheit um den Fremdschleim im Bier, verpasst ihr aber ein neues Vokabular ("Lungenhering", "Auster des kleinen Mannes") und weitet sie schön aus. "Ein Responsibialist" basiert auf einer legendären Szene aus "Fast wia im richtigen Leben". Bereits in den frühen '80ern hatte Polt zusammen mit dem Regisseur der Serie Hanns-Christian Müller die visionäre Idee zu einer Firma, die die Marktlücke füllt, für jede Art von Schweinerei die ideelle Verantwortung zu übernehmen (in der Adaption die Rechtschreibreform, ärztliche Kunstfehler, das Landesbankfiasko und die Johannes-Apokalypse). Hier klingt's leider ein klein wenig müde, obwohl Polt schöne Bösartigkeiten einstreut. Außerdem gibt es herrliche Nonsens-Einsprecher Polts (z.B. multilingual in "Introduzione"), und er trägt den "Kormoran" gutgelaunt und ein wenig besser als in der Originalversion vor.
Die Biermösl interpretieren "Bist aa do" mit weitgehend neuem, aber nicht sonderlich originellem Text über Jungle-Camp und Manager in Dubai. "Hey, Madonna" klingt frecher und rhythmisch zugespitzter als im Original. Immer wieder schön der gregorianische Choral um finanzielle Abgründe, hier "Banco Rotta" genannt und das endlos und fein blödsinnig angekündigte (hier von Polt mit schwedischen Anekdoten und Sprachbrocken) und dann sehr überhörbare Harfenabschiedslied "Was wolln wir auf den Abend tun?". Besonders erwähnenswert sind noch die feinen neuen Klassikerinterpretationen der Biermösl: Bei "Aria Tiroliata" jodelt Polt stimmgewaltig hinein, bei "Allendrio vandalucio" gleitet der Flamenco wunderschön ins Andenflair wie Oberbayrische ab, ehe Polt inbrünstig den andalusisch-arabischen Sängerstier gibt, und das Publikum begeistert und sogar taktsicher mitklatscht.
"Jubiläum" ist insgesamt ein schöner Überblick für Einsteiger, die eine essentielle Bildungslücke schließen wollen, unter den Fans ist die CD eher etwas für die eingefleischten.