Jurij Koch gelingt es hervorragend witzige und auch traurige Geschichten und Geschichtchen über sein sorbische Heimat zu erzählen. Dem Leser wird mit dem Gleichnis der Mandelkrähe das Schicksal des kleinen slawischen Volkes in der Lausitz vor Augen geführt. War die Mandelkrähe, oder auch Blauracke, vor hundert Jahren noch häufig, sucht man heute (fast?) vergebens nach ihr. Wenn der Vogel geht, geht auch das Volk. Auch das sorbische Volk ist im gehen begriffen. Man wird es aber nicht wiederfinden können. Jurij Koch schildert seine Suche nach dem Volk und dem Vogel. Jedem der die Sorben kennt, und gerade jenem der sie nicht kennt, lege ich nahe, dieses leicht zu verstehende, aber durchaus nicht leicht zu verdauende Buch zu lesen. Denn selten wurde der drohende Identitätsverlust eines Volkes so eindringlich geschildert. Denn es droht nicht nur diesem Volk der Verlust der Geschichte. Trotz der Schwere des Themas, welches eher im Hintergrund bleibt aber immer wieder im richtigen Moment in den Vordergrund tritt, ist dieser Buch eher einfach geschrieben, was es aber um so wirkungsvoller macht.