Der Stoff des 'Don Juan' ist einer der ältesten literarischen Motive der europäischen Literatur und, sozusagen, auch der europäischen Kultur, der seit Jahrhunderten die Menschen in seinen Bann zieht. Noch älter als der Faust-Stoff hat der historische Don Juan seine Wurzeln in Spanien aus der Zeit des Kampfes gegen die Mauren. Nach meinem Wissen muss dies bereits im 14. Jahrhundert gewesen sein, dass die historische Gestalt des Don Juan am spanischen Königshof lebte und zum Gegenstand für alle möglichen Umtriebe und Liebesverhältnisse wurde. Ein weiterer typischer Gegenstand der Sage des Don Juan ist das Nachtmahl mit einem in Stein gehauenen Bildnis, dem Vater einer seiner Liebschaften, den Don Juan getötet haben soll. Dadurch wird in der Don Juan Sage das Schwelgen im reinen Lebensgenuss kritisiert, so wie der nordeuropäische Faustus so handelt auch der südeuropäische Don Juan von der Kritik des menschlichen Egoismus und seiner Vergänglichkeit. Don Juan wird somit zum typischen Frauenhelden und einer Hauptfigur der europäischen Literatur, deren Namen noch heute in verschiedenen europäischen Sprachen als Sinnbild der vom reinen Egoismus angetriebenen Lebenslust. Der Stoff der Sage des Don Juan wurde mehrfach in der europäischen Literatur und Kultur aufgegriffen, Tirso de Molinas 'El burlador de Sevilla o convidado de piedra' ist die erste Berarbeitung. In Frankreich bearbeitete Molière den 'Dom Juan' für das französische Theater und schliesslich wurde Don Juan als 'Don Giovanni' Held einer Oper von Wolfgang Amadeus Mozart. Das Stück passt in das Spanien des späten 16. Und frühen 17. Jahrhunderts. Sein Autor, Tirso de Molina, der das Stück um 1619 verfasste, war Ordensmitglied der Mercedarier in Toledo. Zeit seines Lebens geriet er wegen seiner Schriften in Konflikt mit der Kirche, lebte und lehrte einige Jahre in den spanischen Kolonien Zentralamerikas und wurde anschliessend aufgrund seiner literarischen Tätigkeit mehrfach strafversetzt. Nichtsdestotrotz beschreibt er zwar einerseits Liebesbegehren und Umtriebe am spanischen Könighof, kritisiert diese andererseits in spanisch-katholischer Tradition als etwas Sündhaftes, für das Don Juan am Ende doch seine Strafe bekommt. Insofern bleibt interessant, dass er als Mönch zwar anmahnt, dass purer egoistische Lebenslust ins Verderben führt, andererseits jedoch neben dem Don Juan noch zahlreiche andere Stücke schrieb, die wie der Don Juan alles andere als 'kirchlich' waren. Dies macht ihn zu einem der bis heute bedeutendsten spanischen Schriftsteller und den Don Juan sozusagen zum Urstoff einer langen europäischen Tradition.