würde ich das bei diesem Buch tun.
Wofür gibt es die 4 Sterne?
* für: die größte Stärke: Förderung von Strukturdenken und Problemlösungskompetenz --> 1. Gute Übersichten und Grafiken 2. Ausgehend vom Normalfall und nicht vom pathologischen (d.h. Sonderfall) 3. Anhand des Normalfalls werden die Abweichungen erläutert und gelöst - dies fördert Problemlösungsfähigkeiten, die unerlässlich sind für das Studium 4. Häufiger Hinweis auf Parallelen zwischen den Tatbeständen ("Baukastenprinzip") - Bsp.: Haft macht klar, dass man die Definition von einer Tatsache nicht nur bei § 153 braucht sondern auch bei § 145 d, § 164, §§ 185 ff (und § 263)
* für: Die verständliche und einvernehmende Sprache sowie die realistische und praxisnahe Einstellung des Autors: Haft weist mehrfach darauf hin, dass man nicht alle Probleme können kann, geschweige denn lernen sollte. Vielmehr sei es wichtig, mit dem nötigen Rüstzeug in die Klausur zu gehen. Das liefert das Buch.
* für: Die Konzentration auf Pilotdelikte und die wirklich wichtigen Straftatbestände und die Hinweise auf Normbedeutung, -historie und Schutzgut.
* für: Die BGH-Entscheidungen, die kurz dargestellt werden mit Fundstelle, Sachverhalt und Entscheidungstenor. Gibt es in anderen Kurzlehrbüchern so nicht.
Und wofür den halben?
Für die fehlenden Streitigkeiten (auf diese wird nur mit "str." hingewiesen). Dies klingt nach einem Nachteil, ist es aber nur zur Hälfte. Sicher fehlen einem Argumente und die Vertiefung der Streitkenntnisse. Auf der anderen Seite wird Hafts Buch dadurch kurzweilig und kompakt. Struktur und Grundlagenwissen sind das Credo, nicht Detailfülle. Wenn ich meinen Prof. zitieren darf: "Die meisten Studenten scheitern nicht daran, dass ihnen Detailwissen fehlt, sondern weil die Grundlagen nicht sitzen."
Kleine Bemerkung: Da ich noch eine ältere Ausgabe habe, in der Vermögens- und Nichtvermögensdelikte zusammengefasst sind, bin ich mir nich sicher, ob der folgende weitere Vorteil noch Bestand hat: Zumindest in der älteren Ausgabe sind die Delikte nicht nach Rechtsgütern, sondern nach der §§-Reihenfolge geordnet. Das hat zwei Vorteile: Zum einen erleichtert es die Findung der Delikte, die man lernen will, zum anderen kann man nicht immer genau bestimmen, wo man das Delikt nach Rechtsgut einordnen soll - Raub: Beim Eigentum oder bei der Freiheit? Erpressung: Beim Vermögen oder bei der Freiheit? Strafvereitelung: Bei den Rechtspflegedelikten oder zusammen mit den anderen Anschlussstraftaten (Hehlerei, Begünstigung)? In meiner Ausgabe gab es zudem Klausur- und Lerntipps - sehr kurz gehalten, aber: Wenn man diese Tipps ernst nimmt, werden sie fruchten ("Lernen Sie wie ein Professor, nicht wie ein Student" - gemeint: aktives Lernen durch Schreiben und Reden über den Stoff)
Fazit.
Durch Aufrundung 5 Sterne. Äußerst empfehlenswert - gute Ergänzung zum ebenfalls guten, aber didaktisch anders gehaltenen Rengier. Mein Tipp: Haft für die Struktur und die Problemlösungskompetenz, Rengier für die Prüfungsschemata und die Problemdarstellung. Zudem immer schön Kommentare und BGH-Entscheidungen zu Rate ziehen. ;)