Die uneingeschränkt positive Bewertung dieses Buchs vermag ich nicht zu teilen.
Zweifelsohne weist es einige Vorteile auf. Auf bloß 180 Seiten, die schnell gelesen sind, stellt Medicus in sehr anschaulicher Sprache die Grundzüge der gesetzlichen Schuldverhältnisse dar. Dabei geht er fallorientiert vor, was dem induktiv Lernenden entgegenkommt. Schließlich sind die Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels hilfreich.
Dennoch weist das Werk ein erhebliches Defizit auf: es ist völlig unklar, für wen es mit welcher Zielrichtung geschrieben wurde.
Dem Studierenden, der seinen "Schein" im Fach 'Gesetzliche Schuldverhältnisse' bestehen will, wird der Medicus nur beschränkt nutzen. Denn dafür geht Medicus zu wenig systematisch und zu sehr kasuistisch vor. Es werden dem Anfänger keine Aufbauschemata mitgegeben. Auch wird nicht jeder Fall zu Ende gelöst, sondern nur das im jeweiligen Kapitel interessierende Problem beleuchtet. Damit taugt das Buch für die Vorbereitung einer Anfängerklausur wenig.
Aber auch für die Examensvorbereitung kann das Werk nicht überzeugen (entgegen der Angabe auf dem Klappentext). Hierfür ist es viel zu oberflächlich. Mindermeinungen werden höchstens angerissen, jedoch nicht begründet. Typische Probleme wie "wrongful life" / "wrongful birth" im Deliktsrecht oder die 3-Personen-Verhältnisse im Bereicherungsrecht werden nur oberflächlich und knapp dargestellt. Für das Examen genügen die hier vermittelten Kenntnisse nicht.
Demnach ist das Buch nur für eine Zielgruppe empfehlenswert, nämlich für diejenigen, die bereits Kenntnisse in den gesetzlichen Schuldverhältnissen erworben haben, nun aber in Kürze die wichtigsten "Hot-Spots" noch einmal Revue passieren lassen wollen. Für diese Zielgruppe, die freilich eng begrenzt ist, stellt dieses Werk von Medicus jedoch eine durchaus empfehlenswerte Wiederholungsmöglichkeit dar.
Für alle anderen sei auf die Bücher von Buck-Heeb und Schwarz/Wandt zu den gesetzlichen Schuldverhältnissen verwiesen