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VINE-PRODUKTTESTERam 7. März 2013
Ich wurde auf das Buch durch eine Rezension in einer großen Tageszeitung aufmerksam und habe es auf meinem Kindle gelesen. Le Maire, Landwirtschaftsminister während der Zeit der Präsidentschaft von Sarkozy und der Regierung Fillon, gewährt hier Einblicke in die Mechanismen der politischen Macht. Zwei Dinge fallen dabei auf: Erstens ist das Werk in einem überaus sprachschönen Französisch geschrieben. Le Maires Formulierungen sind elegant, kommen verdichtet auf den Punkt und beeindrucken durch trocken lakonische Wendungen. Zweitens versucht er als Autor möglichst Distanz zu dem oft banalen Alltagsgeschehen zu halten und nimmt eine ironisch-kritische Perspektive ein, mit der man sich als Leser identifizieren kann. Auffallend ist das Interesse des Autors an deutscher Literatur. Er liest Günter Grass und Ernst Jünger. Offensichtlich spricht er auch ein gutes Englisch. Aber auch Sarkozy hat „Hammerstein“ von Enzensberger gelesen, was verblüfft.

Es versteht sich, dass ein solcher Beobachter, wenn er sich Jahre in der Nähe von Sarkzoy aufhalten durfte, einiges zu berichten hat. Dabei ist gerade die Darstellung Sarkozys nicht herablassend oder karikierend. Immer wieder lobt er das Engagement, wenn Sarkozy in Indien anderthalb Stunden vor dem Ministerpräsidenten Sing für französische Produkte wirbt und dieser darauf nur entgegnet, dass es ein sehr schöner Frühling sei und man jetzt aufbrechen solle. Auch der undankbare Kampf Le Maires für die französischen Bauern – das Wetteifern zwischen Getreidebauern und Viehzüchtern, die Subventionen während des Schweinefleischskandals Anfang 2011 – wird erfahrbar: Nie wird genug geleistet und alle vergangenen Wohltagen sind sofort vergessen. Wenn Sarkozy wütend auf die erbrachten Leistungen hinweist, zeigt er nur sein vermeintliches Unverständnis.

Zwei Dinge sorgen dafür, dass man das Buch nicht so schnell vergisst: Erstens stellt der Autor das Gezerre und Gefeilsche oft pompös-dummer Personen in Kontrast zu ganz elementaren menschlichen Erlebnissen: Sein kleiner Sohn jagt mit dem Mund Schneeflocken, der Landwehrkanal in Berlin erinnert ihn an den Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, in den Erinnerungen Ernst Jüngers wird ein Hase auf besonders grausame Weise geschlachtet usw. Zweitens kommt man den bekannten politischen Akteuren bisweilen etwas näher als sonst: Sarkozy vertraut Merkel, die er liebevoll-ironisch im Kreis der französischen Minister „Mamie“ nennt, an, dass er Schnitzel à la Milanese mit Spargeln liebt. Von nun an gibt es dieses Essen bei jedem Treffen. Einmal eröffnet Merkel ein Gespräch so: „Nicholas, ich habe eine Überraschung für Dich!“ Sarkozy: „Lass mich raten. Schnitzel à la Milanaise mit Spargeln.“ Merkel: „Wie bist Du nur darauf gekommen!“ Beeindruckend ist vor allem das Portrait Sarkozys. Seine auch in der Öffentlichkeit erkennbare manische Art kommt schon dadurch zum Ausdruck, dass er sich ständig in hektischer Weise wiederholt, etwa „Wir brauchen Stimmrechte beim G20. Stimmrechte! Da gehe ich nicht von ab, wir brauchen unbedingt Stimmrechte...“ (aus meiner Erinnerung, keine wörtliche Übersetzung). Le Maire erscheint er aber auch als Verzweifelter, der es ehrlich meint und kämpft, in der Öffentlichkeit aber so abstoßend wirkt, dass seine Wiederwahl bereits 2010 gefährdet scheint. Jedes Gespräch Le Maires in den zahlreichen ländlichen Wahlkreisen lässt die Vorbehalte der einfachen Leute erkennen. Le Maire wendet übrigens eine Technik an, die er erkennbar Proust abgesehen hat: Er lässt Sarkozy sprechen, teilt aber nicht mit, was er selber sagt; auch fehlt jeder Kommentar. So wirken die Sprachfetzen, Ausbrüche und Entgleistungen in ihrer Isoliertheit noch dramatischer, banaler bzw. manischer.

Man sollte allerdings bei der Lektüre vorsichtig sein: Le Maire rechtfertigt erkennbar das Scheitern Sarkozys als eine Entwicklung, die bereits 2010 einsetzt und an der er keinen bzw. nur geringen Anteil hat (einmal beantwortet er im Radio die Frage falsch, wieviel Quadratmeter ein Hektar hat und lobt die alte Regierung in Tunis von Ben Ali zu stark). Die Tagebucheinträge des Buchs, die bestimmte Daten tragen, sind erkennbar rückblickend aus Sicht der Wahlniederlage geglättet und bearbeitet, geben also keine authentische Erlebnisse unmittelbar wieder. Erkennbar ist überall auch das Rechtfertigungsbedürfnis des Autors, der immer wieder die zahlreichen kleinen und rasch vergessenen Erfolge in nächtelangen Sitzungen in Brüssel, Berlin usw. herausstellt.

Für den Leser bleibt ein nüchternes Fazit: Er hätte mit Le Maire nicht tauschen mögen!
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am 19. April 2013
Interessanter insider Einblick in die höchste Führung eines Landes. Zeigt deutlich dass auch diese Leute mit (sehr viel) Wasser kochen.
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