Die Studie beschreibt, wie Journalisten das Internet nutzen und was sie davon halten. Ob die Nutzung des Internets als Rechercheinstrument zu Fehlern und/oder der Nichteinhaltung journalistischer Standards führt, vermag die Studie nicht zu zeigen. Das ist aber die Frage, die mit Blick auf die Qualität des Journalismus interessiert - sicherlich auch den Auftraggeber, die Landesmedienanstalt NRW.
Erstens gibt es Indizien dafür, dass dank des Internets mehr recherchiert wird, und zweitens die Zunahme leichtverfügbarer Informationen eher Segen als Fluch für die Recherche sind. Das referieren die Autoren auch eingangs, um es fortan zu ignorieren.
Die Autoren scheitern daran, bei der Problematisierung das Onlinespezifische der Recherche zu erkennen und zu thematisieren. Beschriebene Probleme - wie die Selbstreferentialität, fehlende Quellenprüfung und Ein-Quellen-Informationen - existieren auch offline. Ob und wie sich das durch die Etablierung des Internets als Rechercheinstrument verändert, verschlechtert oder gar verbessert hat, bleibt vollkommen offen.
Journalisten nutzen gerne journalistische Produkte für die Recherche (on- wie offline), zu der auch die Themenbewertung gezählt wird - daraus zu folgern, dass sie voneinander abschreiben, wäre aber unzulässig. Denn was aus welchen Rechercheschritten tatsächlich in den journalistischen Produkten landet, wurde nicht untersucht.
Glaubte man der Interpretation der eigenen Ergebnisse in der Studie, so nutzen Journalisten kaum Primärquellen im Netz. Gefolgert wird das daraus, dass es keine einzelne Site auf die Liste der Sites geschafft hat, die als am häufigsten genutzt angegeben wurden. Die Liste wird stattdessen von Google, Wikipedia und journalistischen Onlineauftritten dominiert.
Hier haben die Autoren auch methodisch ein Problem: Sie unterscheiden nicht, ob eine Suchmaschine nur zum Navigieren oder aber tatsächlich zum Suchen verwendet wird. Immer häufiger werden Suchmaschinen genutzt, um schon bekannte Websites anzusteuern - die Suchmaschine ist dafür meist effektiver als etwa Bookmarks. Will zum Beispiel ein Journalist die Seite eines Ministeriums ansurfen und sucht deren URL mit einer Suchmaschine, so werten die Autoren der Studie das als eine Suchmaschinennutzung und eine Primäquellennutzung. Damit werden Suchmaschinen durch die Studie über-, Primärquellen tendenziell unterbewertet; auf die Navigationsfunktion von Suchmaschinen treffen zudem ein Großteil der Kritikpunkte und Vorbehalte gegenüber Suchmaschinen nicht zu.
Putzig wird es, wenn die Autoren begrifflich ins Schwimmen geraten und referieren, dass Websites einen wichtigen Anteil (sic!) des Internets darstellten und zu vielen Bereichen Informationen lieferten.
Wer etwas darüber lernen will, wie Journalisten das Internet nutzen, muss ihnen über die Schulter schauen. Dort, wo die Studie das tut, wird es spannend, wenn auch nur exemplarisch und nicht repräsentativ (n=48). Zwei Ergebnisse: Ältere Kollegen schneiden besser ab als jüngere, weil sie schneller und gezielter in die Tiefe (und nicht in die Breite) recherchieren. Und: Wer an einer Recherchefortbildung teilgenommen hat, schneidet besser ab. Mehr muss aus dieser Studie auch nicht hängenbleiben.