Pressestimmen
»»Hat mein Vater das verdient?« Diese Frage schwebt über dem Buch, obwohl Blaschke sie erst im Nachwort stellt. Dies ist auch ein Indiz dafür, dass er nicht gedachte, sie überhaupt zu beantworten. Von derlei moralischem Ballast befreit, war es Blaschke möglich, mit Quellen und sachlichen Auflistungen die zunehmende Verstrickung des Vaters in den NS-Propaganda-Apparat nachzuvollziehen. Dass er dabei den Bogen von der unbefangenen Kindheit in Kiel als Sohn des prominenten Holstein-Kiel-Gründers Georg Blaschke über den Aufstieg unter Goebbels bis hin zum Ende im sowjetischen Speziallager schlägt, ist zunächst eine wertvolle dokumentarische Leistung. Angereichert wird sie zwischendurch immer wieder mit eigenen Gedanken, Ideen, fiktiven Dialogangeboten an den Vater. Dieses Wechselspiel aus rationaler Distanz und emotionaler Nähe verleiht der Studie ungeachtet des schmalen Umfangs eine beachtliche Tiefe.« ((Patrick Tiede, Kieler Nachrichten, 2.4.2009))
Kurzbeschreibung
Als der Journalist Heinz Blaschke im April 1947 im sowjetischen Speziallager Buchenwald starb, hinterließ er eine Frau und fünf Kinder - das älteste elf Jahre alt. 1945 war er als "aktives NSDAP-Mitglied" und Leiter eines Pressedienstes für Zeitungen im besetzten Ausland von sowjetischen Sicherheitskräften verhaftet und schließlich in das sowjetische Speziallager nach Buchenwald überstellt worden.
Sechs Jahrzehnte später unternimmt Peter H. Blaschke den Versuch, sich seinem Vater anzunähern. Eigene Erinnerungen fehlen und mit der Mutter konnte er zeitlebens nicht über ihn reden.
Die entstandene "Vaterstudie nach Aktenlage" überzeugt nicht nur durch die Fülle des Materials. Der Autor widersteht der Versuchung, das Bild des Vaters zu glätten. Er verfolgt die Bemühungen des Vaters, sich neu zu orientieren: "Doch was immer er für Einsichten gewonnen hatte in seine Vergangenheit, was immer er für Zukunftspläne, für Hoffnungen hatte, all seine Zuversicht endete in der Grube in Buchenwald."