An praxisnahen Einführungen in den Journalismus mangle es in Deutschland nicht, schreibt Stephan Ruß-Mohl gleich zu Beginn seines Vorworts. Was jedoch bislang fehlte, sei ein Buch, das an nützlichen Stellen Erkenntnisse der Publizistik- und Kommunikationswissens einfließen lasse. Weitere Lücken ortet der Autor bei der Vermittlung moderner journalistischer Darstellungsformen, den Grenzziehungen zwischen Journalismus und PR, den Aufgabenbeschreibungen vom redaktionellen Marketing und Redaktionsmanagement sowie dem Blick auf den Journalismus in einer globalisierten Welt. Freimütig bekennt Stephan Ruß-Mohl jedoch, dass sein Einführungstext "altmodisch" bleibe, weil er stark auf die Print- und Onlinemedien sowie den Informationsjournalismus ausgerichtet sei. Gegen dieses "altmodische" Konzept wäre wenig einzuwenden, wenn Vorwort und Einführung nicht die Erwartung weckten, der Autor spreche auch ausführlich über die dramatischen Veränderungen im Berufsfeld und die neuen Medien des journalistischen Alltags. Aber die vier Seiten über das Internet und Web 2.0 sind dann doch ziemlich dürftig. Zumal sich kaum nützliche www-Adressen finden, die neugierigen Lesern mehr Informationen bieten.
Ein empfehlenswertes Lehr- und Handbuch für alle, die in den Journalismus streben? Ja, weil Stephan Ruß-Mohl die wesentlichen Arbeitsmittel ausführlich vorstellt und detailliert auf die journalistischen Arbeitsprozesse eingeht. Ja, weil er sein großes Fachwissen geschickt ordnet und in der Rubrik "Tipps für Einsteiger" hervorragend komprimiert. Und da der Journalismus noch immer als Traumjob gilt, kann die Lektüre dieses Buches auch vor unnötigen Enttäuschungen schützen. Denn Stephan Ruß-Mohl spricht auch von den Schattenseiten, von den hohen Anforderungen und vom Zeitdruck, dem Journalisten heute ausgesetzt sind. Wer sich durch diese notwendigen Exkurse nicht entmutigen lässt, erhält eine ausführliche Gebrauchsanweisung für die ersten Schritte. Als Nachschlagewerk für Profis würde ich das Buch auch deshalb nicht bezeichnen, weil unverständlicherweise auf ein Stichwortregister verzichtet wurde. Zudem gehört ausgerechnet das Kapitel "Infografik" zu den schwächsten, was doppelt schwer wiegt, da die Grafiken im Buch ebenfalls keinen Vorzeigecharakter haben.
Die wichtigsten drei Tipps des Autors stehen in der Einführung und gehen leider etwas unter, da sie lediglich als Anschlussaktivitäten bezeichnet werden. Sie lauten: Medien anders nutzen lernen - Viele weitere Bücher lesen - Das eigene Talent erproben. Schade auch, dass Stephan Ruß-Mohl keine kommentierten Literaturtipps gibt, gehört er doch zu den wenigen Fachbuchautoren, die ihren Lesern auch Romane empfehlen.
Mein Fazit: Unter den zahlreichen Lehrbüchern für angehende und seiende Journalisten gehört dieses sicher zu den empfehlenswerten. Der Autor versteht es, wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis elegant miteinander zu verbinden. Die allzu dürftige Berücksichtigung der neuen Medien, das fehlende Stichwortverzeichnis und die ungenügenden Infografiken sind für den Abzug eines Bewertungssterns verantwortlich.