Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Der Artikel ist in folgender Variante leider nicht verfügbar
Keine Abbildung vorhanden für
Farbe:
Keine Abbildung vorhanden

 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Journal, geschrieben im Winter [Gebundene Ausgabe]

Emmanuel Bove


Erhältlich bei diesen Anbietern.


Weitere Ausgaben

Amazon-Preis Neu ab Gebraucht ab
Gebundene Ausgabe --  
Unbekannter Einband --  

Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch


Produktinformation


Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Mutmassungen

über Madeleine

Boves «Journal – geschrieben im Winter»

Ein Mann schreibt einen Winter lang das Tagebuch seiner Ehe, viviseziert dabei, offenbar in der Absicht, sich über den Zustand dieser Verbindung klarzuwerden, das intime Verhältnis zu seiner Frau. Doch der damit wohl anvisierte therapeutische Effekt verpufft in geradezu koketter Selbstdarstellung. Der Held dieses zuerst 1930 in Frankreich erschienenen Romans heisst Louis Grandeville; wie bald alle Figuren Boves ist er ein skrupulöser Leidensakrobat und richtet von daher den Blick zuallererst auf sich selbst. Kein Wunder, dass er das Tagebuch als Medium wählt, denn niemand ausser ihm selbst – vom Romanleser freilich abgesehen – könnte seine subjektiven und sehr emotional vorgebrachten Analysen auf die Dauer ertragen: also auch und gerade Madeleine nicht, seine Frau, über deren «Anderssein» er unaufhörlich spekuliert.

Zwischen diffusem Reflexionssnobismus und eitlem Selbstgerechtigkeitsgefasel verliert Grandeville immer wieder den Überblick. Dilettantisch bramarbasiert der Hobby-Psychologe über Madeleines Seelenzustände, erregt sich leidenschaftlich, wenn er sich von ihr missverstanden fühlt, spekuliert über die Motive ihrer Zu- oder Abneigung und entblösst sich in seiner narzisstischen Wut nur selbst. Aus den grössten Kalamitäten zieht dieser Mann «in den besten Jahren» nur den Stoff für weitere selbstgerechte Hypothesen. «Dass sie meinetwegen litt, brachte mir Erleichterung», so ein typischer Satz aus der Feder des Protagonisten, oder: «Ich habe die Eigenheit, die Wahrheit zu leugnen, wenn ich mich im Beisein einer Frau als der Stärkere fühle.» Durch das irrwitzige Machtstreben Grandevilles, den unverhohlenen Versuch, über Madeleine die Oberhand zu behalten, werden die Grabenkämpfe der beiden nur verschlimmert. Andauernd gerät er mit ihr aneinander, und doch kann er die beidseitigen Verwundungen, für die ausschliesslich er verantwortlich ist, nicht einmal mehr durch das Führen des Tagebuchs sublimieren. Nackt ist der Bovesche Held; ausgezogen hat er sich selbst.

Ein Roman also, der in die Welt unserer Selbstinszenierungen passt. Aber Vorsicht! Die hier gebotenen Szenen einer Ehe sind ebenso destruktiv wie dekonstruktiv und über weite Strecken von einer gnadenlosen Reduktion. Bove hat die männliche Optik der Dinge an keiner Stelle in seinem Werk so deutlich als eine lächerliche Strategie der Verkennung offengelegt. Im Gegensatz zu den tragischen, irgendwo aber auch schrullig bleibenden Figuren anderer Romane (Victor Bâton in «Meine Freunde», Arnold in «Die letzte Nacht» usw.) ist Grandeville zu keinem Zeitpunkt als Sympathieträger zu orten, schon gar nicht als Identifikationsfigur. Man wünschte ihm dringend die Katharsis, auf die er insgeheim vielleicht hofft, und wenn sie nur so aussähe, dass seine vor allem durch Eifersucht und Überlegenheitsstreben eingeschränkte Sicht endlich wieder neu justiert würde.

Nein, Grandeville, ein Gefangener seiner Rhetorik und seiner selbstquälerischen Beflissenheit, kann dieses selbst initiierte Spiel nicht mehr beenden. Folgerichtig ist es Madeleine, die definitiv den Schlussstrich zieht und ihren Mann am Ende verlässt, übrigens mit dem Hinweis, dass sie einen anderen liebe. Grandeville, der glaubte, die Menschen und allen voran Madeleine zu kennen, fällt aus allen Wolken; zurück bleibt eine lächerliche Figur wie bei Molière, ein Hahnrei, letztlich eine verschrumpelte Karikatur, ein Opfer des törichten Irrtums, über den anderen je ein Urteil fällen zu können.

Thomas Laux -- Neue Zürcher Zeitung

Über den Autor

Emmanuel Bove (1898-1945), Sohn eines russischen Lebemanns und eines luxemburgischen Dienstmädchens, brachte sich mit den verschiedensten Berufen notdürftig durch, ehe er als Journalist und Schriftsteller sein Auskommen fand. Nach seinem frühen Tod jahrzehntelang völlig vergessen, gilt er heute als ein Klassiker der französischen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts.

Welche anderen Artikel kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?


Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

Noch keine Kundenrezensionen vorhanden.
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
1 Sterne

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 


Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   
Ähnliche Foren


Lieblingslisten

Legen Sie Ihre eigene Lieblingsliste an

Ähnliche Artikel finden


Ihr Kommentar