Aus der Amazon.de-Redaktion
U2 hatten ihr Potential an Bombast-Polit-Pop auf den Alben
War und
The Unforgettable Fire beinahe ausgeschöpft, und fanden auf
The Joshua Tree wieder zu den mehr persönlichen Themen zurück. Fragen nach der eigenen Identität und Beziehungsprobleme standen nun auf der Tagesordnung. Nicht, daß U2 ihr politisches Bewußtsein völlig verloren hätten: "Mothers Of The Disappeared" und "Bullet The Blue Sky" waren eindeutige Politstatements in Richtung Lateinamerika und der Rolle der USA in dieser Region. Dennoch, die vorherrschende Stimmung hier ist geprägt von der Suche nach dem Wesentlichen, nach Selbsterfahrung. Dies drückt sich in dem pulsierenden "Where The Streets Have No Name" und dem gospeligen "I Still Haven´t Found What I`m Looking For" mehr als deutlich aus. Das Meisterwerk schlechthin auf diesem Album jedoch ist "With Or Without You", ein bissiger Lovesong, der unter der Maske von Hingebung und Zärtlichkeit daherkommt. Zusammen mit "Every Breath You Take" von Police ist er der wohl am meisten mißverstandene Song der 80er Jahre.
--Daniel Durchholz
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Paul Hewson alias Bono hält es ein bißchen wie sein Vorfahr Sankt Patrick, der die "Grüne Insel" im fünften Jahrhundert missionierte: Der Sänger von U 2 sonnt sich immer mal wieder gerne im Schein der Erleuchtung und gibt dem Drang nach, sich seiner Fangemeinde mitzuteilen. Politik, Glaube und Liebe haben es dem heute 36jährigen angetan. Das Ergebnis: Songs mit Breitenwirkung wie beispielsweise '83 "New Year's Day" und "Sunday Bloody Sunday" sowie '84 "Pride (In The Name Of Love)". Das Album "The Joshua Tree" ('87) markiert zeitlich die Hälfte der nun 20jährigen Schaffensperiode der vier irischen Rocker Bono, The Edge (Gitarre), Adam Clayton (Baß) und Larry Mullen (Drums). Auch steht der "Joshua Tree" für den Punkt, an dem Bono vom musikalischen Wanderprediger zum Freidenker auf höherer Ebene mutierte - siehe "I Still Haven't Found What I'm Looking For". Neuere Früchte dieser Kurskorrektur sind die trashigen HipHop-Sounds und Visionen auf "Achtung Baby" (1991) und "Zooropa" (1993) sowie das Duett mit Pavarotti ("Miss Sarajewo", 1995). "The Joshua Tree" ist ein Opus voll pulsierender Rhythmen, mit harschen, schmachtenden Gitarren und Bonos verheißungsvoller Stimme, produziert von Daniel Lanois und Brian Eno. Großes Kompliment für das gelungene Remastering - so herrscht auch klanglich irischer Frühling.
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