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Joseph Roth. Eine Biographie
 
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Joseph Roth. Eine Biographie [Taschenbuch]

David Bronsen
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Taschenbuch, 1974 --  

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 713 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch GmbH; Auflage: 1. (1974)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462009109
  • ISBN-13: 978-3462009101
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.155.894 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Standardwerk! 9. Juni 2004
Format:Broschiert
Zusammen mit dem Roman-Kommentar von Dietmar Mehrens ohne Zweifel DAS Buch in der Roth-Forschung, an dem auch interessierte Laien nicht vorbeikommen. David Bronsen hat es quasi zu seiner Lebensaufgabe gemacht dem Leben und Werk des österreichischen Dichters minutiös nachzugehen. Entsprechend detail- und umfangreich ist sein Buch, versehen mit zahlreichen Fotos, ausgefallen.
Sehr zu wünschen wäre eine baldige Neuauflage dieser bis heute beispiellosen Biografie. Angesichts des ungebrochenen Interesses an den Werken Roths sollte das doch ein kalkulierbares Risiko sein.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Absolut empfehlenswert!! 11. November 1999
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Sowohl fuer Roth-Kenner, als auch fuer Menschen, die mit Roths Werk nicht vertraut sind, gibt Bronsen einen hochinteressanten und spannenden Einblick in den "Mythos" Joseph Roth. Das Buch geht in die Tiefe, man merkt mit wie viel Interesse an Roths Person Bronsen an seiner Biographie gearbeitet hat.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Die erste Ausgabe dieses Buches kam 1974 heraus; 1992 gab es diese - gekürzte - zweite Ausgabe. Mit 345 Seiten ist diese Version etwa halb so lang wie die Originalfassung; die fehlenden Teile sind hauptsächlich als Beispiele zitierte Auszüge aus Roths Romanen, die man wohl als verfügbar ansah. Bronsens Analysen dieser Romane sind ausgezeichnet; sie zeigen, dass Roth ein großer Schriftsteller war, der in sehr verfeinerten Kategorien dachte und dass Roths in diesen Büchern zutage tretende Darstellungen immer eng mit seiner Persönlichkeit verbunden waren. Die Analysen nehmen allerdings nur einen kleinen Raum der abgekürzten Fassung ein.

Roth kam 1894 als Jude in Galizien zur Welt, als habsburgischer Untertan. Seinen Vater lernte er nie kennen, denn dieser war damals schon geisteskrank und in stationärer Behandlung. Bronsen meint, Roth habe sich eigentlich nirgendwo "zu Hause" gefühlt und sich immer als einen Außenseiter angesehen. Er hatte eine ausschweifende Phantasie und erfand eine ganze Serie sich widersprechender Geschichten über seinen Geburtsort und noch wildere über seinen Vater. Bronsen schreibt ihm zu, er habe den Kaiser Franz Joseph quasi als Vaterfigur betrachtet und sich mehr und mehr mit dem multinationalen Habsburgerreich identifiziert, obwohl er, etwa in seinem bekanntesten Roman, "Radetzkymarsch", die Verknöcherung des Reiches durchaus erkannte.

Auf Grund seines Studiums in Wien musste er bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht zum Militär, er meldete sich aber doch als Freiwilliger; wegen seiner schlechten Gesundheit kam er nicht an die Front, sondern arbeitete in einer Soldatenzeitung und zeitweise als Zensor. Seine Phantasie ging jedoch auch hier wieder mit ihm durch: er behauptete später, er habe Orden bekommen, sei nach sechs Monaten aus russischer Gefangenschaft entflohen und habe sogar zwei Monate in der Roten Armee gedient - alles unwahr.

Wie so viele Figuren in seinen Werken, fühlte er sich im Österreich der Nachkriegszeit nicht mehr zu Hause. Er wurde Journalist, schrieb Gedichte, Zeitungsartikel und Berichte und arbeitete schließlich (von 1923 bis 1933) für die liberale Frankfurter Zeitung. Mehrere seiner großen Werke erschienen zuerst als Fortsetzungsromane in der Presse. Politisch war er anfangs "fortschrittlich", antimonarchistisch und antikirchlich, sah aber den "Fortschritt" schon mit kritischen Augen, sowohl in dessen amerikanischer als auch in der sowjetischen Form. Im Laufe seines Lebens wurde er jedoch immer konservativer, trauerte dem Habsburgerreich nach und näherte sich der Katholischen Kirche. (Zuweilen ging er zur Messe, nahm das Abendmahl und behauptete, getauft geworden zu sein, wofür es keinerlei Beweise gibt und was ohnehin äußerst unwahrscheinlich ist, wenn es auch nach seinem Tode einen Streit unter seinen Freunden gab, ob er nun als Katholik oder als Jude begraben werden sollte). Kurz vor dem Anschluss Österreichs engagierte er sich politisch sogar für eine neuerliche österreichische Monarchie, in der Person von Otto von Habsburg -dieser sandte einen Kranz zu Roths Begräbnis).

Gleichzeitig stand er dem Faschismus krass ablehnend gegenüber und griff Mussolini und die aufkommende Nazipartei in seinen Schriften an. Er wusste, wie alles kommen würde: schon vor 1933 sah er das spätere Schicksal von Büchern und Menschen voraus. Sein erster Roman, "Das Spinnennetz" behandelt die Nazis, die letzte Fortsetzung erschien zwei Tage vor Hitlers Bierkeller Putsch vom November 1923. Am Tage von Hitlers Machtergreifung verließ er Deutschland und ging nach Frankreich, brach sofort mit der Frankfurter Zeitung und tadelte seinen Freund Stefan Zweig, weil dieser sich nicht ebenfalls sofort von seinem deutschen Verleger löste.

Er hatte nie ein richtiges Heim. Als Journalist lebte er in Hotelzimmern (mit seiner Frau, bis diese geistig so krank wurde, dass sie in entsprechenden Kliniken untergebracht werden musste; danach hatte er zunächst eine und dann später eine andere Mätresse). Vor 1933 verdiente er gut und führte einen aufwendigen Lebensstil, wobei er gegenüber Bedürftigen immer sehr großzügig war; nach 1933 hatte er immer finanzielle Schwierigkeiten, verschwendete aber auch weiterhin das Geld, das er verdiente oder das ihm Freunde wie Zweig gaben, in ungezügelter und großzügiger Weise.

Er fühlte sich immer schuldig an den vielen Schlägen, die ihn trafen, von der Geisteskrankheit seiner Frau bis zum mittellosen Leben als Emigrant, sah sie als Strafen des Himmels an und identifizierte sich mit der Titelfigur eines anderen seiner großen Romane, "Hiob", der 1929 erschien. In seiner Verzweiflung griff er am Ende zur Flasche und starb mit 44 Jahren, im Sommer 1939, an Alkoholismus, drei Monate vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs.

Sein letzter Roman "Die Legende vom Heiligen Trinker" war, wie die meisten seiner Werke, stark persönlich geprägt. Seine Haltung zu Gott hatte oftmals geschwenkt. Anfangs, in zwei Romanen von 1924 ("Hotel Savoy" und "Die Rebellion") hatte er die Existenz Gottes bestritten. Nun beschreibt er den unaufhaltsamen Verfall der Hauptfigur, die sich nach dem Tode zu sehnen beginnt, sich aber jetzt auf Gottes Gnade verlässt.
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