Joseph Haydn ist in erster Linie durch seine Instrumentalmusik wie Sinfonie und Steichquartett bekannt geworden, weniger durch seine zahlreichen Klaviersonaten. Noch heute ist umstritten, wieviele Sonaten der Maestro letztlich geschrieben hat, die Mutmaßungen liegen zwischen 50 und 70 Stück. Die Schwierigkeiten bei Haydn rühren zum Teil daher, dass das Schloß des Fürsten Esterhazy, dem der Komponist 30 Jahre lang diente, mehrfach von Bränden heimgesucht wurde, wobei wertvolle Quellen Opfer der Flammen wurden.
Im Vergleich zu Mozart und Beethoven erlangte Haydn im Klavierspielen nie die große Berühmtheit. Seine Sonaten sind auch selten mit einem Aufwand von Rafinesse für zeitgenössische namenhafte Interpreten geschrieben worden, was allerdings den Wert der Sonaten in keiner Weise mindert, wie sich an dieser Einspielung zeigt.
Bach-Perfektionist Gould hat hier mit den letzten Sonaten Haydns einige der wirklichen Glanzstücke des Komponisten aufgenommen, die in punkto Lebendigkeit und Einfallsreichtum in keiner Weise hinter mozartscher Originalität zurückbleiben. Die für Gould charakteristische unkonventionellle Non-Legato Spielart mag für den Hörer traditioneller Einspielungen der Sonaten (teilweise durch Vladimir Horowitz oder auch Andras Schiff) vielleicht als Effekthascherei belächelt werden, wer allerdings offen für unkonventionelle Klangmomente ist, wird durch diese Interpretation der Sonaten spüren, wieviel Pfiff und Feuer doch in diesen Sonaten steckt. Zwar nimmt sich Mister Gould schon immer wieder gern die Freiheit, die Tempi einer durchaus freien Interpretation auszusetzen - eine spannende und ausgesprochen reizvolle Aufnahme ist's auf alle Fälle, die ich sowohl Klassik-Einsteigern, wie auch "Vergleichshörern" durchaus ans Herz lege.