Werner-Jensen hat bei seinem kompakten Überblick über Haydns Leben und Schaffen offenbar einen Mittelweg gehen wollen zwischen einem fundiert wissenschaftlichen und einem ungezwungen erzählenden Stil. Eine klare Entscheidung hätte dem Buch besser getan, da so an allen Ecken und Enden Behauptungen und Thesen auftauchen, die dringend einer Erläuterung oder zumindest eines Verweises auf weiterführende Literatur bedurft hätten. Das hätte auch beim schmalen Umfang der C.H.Beck-Wissen-Reihe möglich sein müssen.
Stattdessen fallen einige Holprigkeiten im Sprachstil und nichtssagende und deshalb überflüssige Formulierungen auf. Dazu kommen für sich genommen verschmerzbare inhaltliche Schnitzer, die aber in der Summe den Eindruck einer oberflächlichen Arbeit ergeben (Goethe war zehn, nicht 17 Jahre älter als Schiller; der Ort des Esterházy-Schlosses hieß nicht Esterházy, sondern Esterháza oder Eszterháza und das Klischee von der "eher zweitrangigen Gestalt" Salieri, hinter der Mozart zurückstehen muss, hat in einer aktuellen Publikation nichts mehr verloren).
Für einen schnellen, umrisshaften Überblick über Biographie und Werkumfang Joseph Haydns (in zwei separaten Abteilungen) ist Werner-Jensens Abhandlung sicher kein Fehlgriff. Immerhin erreicht sie bis zu einem gewissen Grad sogar die Relativierung vieler altgedienter Haydn-Klischees. Zu Studienzwecken ist das Buch aber nicht zu gebrauchen.