Die zwei Protagonisten der Erzählung Joachim K., geschiedener Ökonom um die dreißig, und Josefine K., Mitte siebzig und mit ihrer Haushälterin allein lebend, lernen sich per Zufall kennen. Als Joachim einen Handtaschendiebstahl bei der älteren Dame verhindert,verhält sich diese gegenüber seiner heroischen Tat keinesfalls demütig. Ohne Dank, das Geschehen als selbstverständlich hinnehmend, lädt sie Joachim dafür in ihre Villa zum Nachmittags-Tee ein.
Aus dieser ersten Begegnung entwickeln sich regelmäßige dienstags- Treffen.
Skuril scheint sich die Umgebung von Josefine zu zeigen: zwischen Glamour und Niedergang ist sie eine Mischung aus Eitelkeit und Schein. Ohne Telefon, Kleidung, Interieur, zwar vornehm, dennoch spärlich eingerichtet.
Dazu eine ebenso ältliche Haushälterin, treu fürsorglich mit ihrer eigenen interessanten Lebensgeschichte.
Die angedeutete Vergangenheit der Josefine erweckt die Neugier des Lesers. Als Gesangsdiva früherer Zeiten lebt sie zurückgezogen, scheinbar auch die einstigen Künste abgelegt; nur wenig erinnert an vergangenen Ruhm und Erfolg. Joachim findet daher eine Faszination an der Ausnahmefrau, die in Ausnahmeverhältnissen lebt. Die Teezeiten entwickeln sich zu wortgewandten Dialogen, wobei alle großen Themen verhandelt werden, wie Ruhm, Eitelkeit, Gerechtigkeit, Materialismus, Liebe, Gesundheit...
Dabei ähneln die Diskussionen zuweilen einem Schlagabtausch an scharfsinnigen Argumenten, welche eine Mischung aus hochphilosophischem Gedankengut und ganz alltäglichen Vorurteils- und Schubladendenken darstellen. Das interessante sind die Wendigkeit der Dialoge, aber auch die widerprüchlichen Ansichten Josefines.
"Ich saß da vor dem Tee, der längst kalt geworden war, und wunderte mich über dieses Ungeheuer. Sie verwickelt mich in abstruse Debatten, führt sich auf, als wäre sie Sokrates. Dabei mißfällt ihr, wenn man ihr widerspricht. Widersprechen kann ich mir selber, sagt sie. Wenn es ihr in den Kram passt, beruft sie sich auf die Logik; wenn nicht, nicht. Mit ihren Tricks kann sie einen zur Weißglut treiben. Merkwürdig, was man sich alles von ihr gefallen läßt."
Die in Form eines Tagebuch beschriebenen Treffen stehen stets in der Ambivalenz von neugierigem Hingezogensein, aber auch empörtem Kopfschütteln. Joachim weiß selbst nicht, warum er, der beruflich stark engagiert ist, die Regelmäßigkeit der Dienstagstreffen einhält und welche Fasziniation ihn eigentlich hintreibt.
Zum Schluß erhält der Leser einen Blick auf das von Niederlagen und Entbehrungen geprägte Leben Josefines, die es aber dennoch geschafft hat, trotz Enttäuschungen und der Dekadenz des Äußeren die bewundernswerte Haltung einer großen Dame zu bewahren.