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Josefine und ich: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
 
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Josefine und ich: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Hans Magnus Enzensberger
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 147 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 2 (26. November 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518459244
  • ISBN-13: 978-3518459249
  • Größe und/oder Gewicht: 17,4 x 10,8 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 347.345 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Hans Magnus Enzensberger
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Joachim, ein durchaus vernünftiger junger Mann von dreißig Jahren, gerät in die Fänge von Josefine, einer ziemlich herrschsüchtigen alten Dame mit glamouröser Vergangenheit und empörenden Ansichten. Sie schimpft auf alles, was anderen heilig ist, ob soziale Gerechtigkeit (»Ha! Die Gerechtigkeit!«), Kreativität (»eine unausstehliche Manie!«) oder Kulturförderung (»wieder so eine verschrobene Vorstellung aus dem neunzehnten Jahrhundert«). Atheismus, herrschaftsfreier Diskurs, Fußball, Romane von Kafka – alles »Mummenschanz«. Joachim ist mehr als fasziniert: Dieses liebenswürdige Monster schafft es, sein Leben und Denken in Frage zu stellen. Doch was steckt hinter Josefines schillernden Erzählungen? Phantasiert sie? Wovon lebt sie, und welche Rolle spielt ihre greise Dienerin Fryda? Josefine und ich ist ein tragikomisches Meisterstück und die leichtfüßige Rückkehr des Erzählers Hans Magnus Enzensberger.

Über den Autor

Hans Magnus Enzensberger, geb. 1929 in Kaufbeuren, lebt in München. 1963 erhielt Hans Magnus Enzensberger den Georg-Büchner-Preis.

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Kundenrezensionen

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23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Die zwei Protagonisten der Erzählung Joachim K., geschiedener Ökonom um die dreißig, und Josefine K., Mitte siebzig und mit ihrer Haushälterin allein lebend, lernen sich per Zufall kennen. Als Joachim einen Handtaschendiebstahl bei der älteren Dame verhindert,verhält sich diese gegenüber seiner heroischen Tat keinesfalls demütig. Ohne Dank, das Geschehen als selbstverständlich hinnehmend, lädt sie Joachim dafür in ihre Villa zum Nachmittags-Tee ein.

Aus dieser ersten Begegnung entwickeln sich regelmäßige dienstags- Treffen.

Skuril scheint sich die Umgebung von Josefine zu zeigen: zwischen Glamour und Niedergang ist sie eine Mischung aus Eitelkeit und Schein. Ohne Telefon, Kleidung, Interieur, zwar vornehm, dennoch spärlich eingerichtet.

Dazu eine ebenso ältliche Haushälterin, treu fürsorglich mit ihrer eigenen interessanten Lebensgeschichte.

Die angedeutete Vergangenheit der Josefine erweckt die Neugier des Lesers. Als Gesangsdiva früherer Zeiten lebt sie zurückgezogen, scheinbar auch die einstigen Künste abgelegt; nur wenig erinnert an vergangenen Ruhm und Erfolg. Joachim findet daher eine Faszination an der Ausnahmefrau, die in Ausnahmeverhältnissen lebt. Die Teezeiten entwickeln sich zu wortgewandten Dialogen, wobei alle großen Themen verhandelt werden, wie Ruhm, Eitelkeit, Gerechtigkeit, Materialismus, Liebe, Gesundheit...

Dabei ähneln die Diskussionen zuweilen einem Schlagabtausch an scharfsinnigen Argumenten, welche eine Mischung aus hochphilosophischem Gedankengut und ganz alltäglichen Vorurteils- und Schubladendenken darstellen. Das interessante sind die Wendigkeit der Dialoge, aber auch die widerprüchlichen Ansichten Josefines.

"Ich saß da vor dem Tee, der längst kalt geworden war, und wunderte mich über dieses Ungeheuer. Sie verwickelt mich in abstruse Debatten, führt sich auf, als wäre sie Sokrates. Dabei mißfällt ihr, wenn man ihr widerspricht. Widersprechen kann ich mir selber, sagt sie. Wenn es ihr in den Kram passt, beruft sie sich auf die Logik; wenn nicht, nicht. Mit ihren Tricks kann sie einen zur Weißglut treiben. Merkwürdig, was man sich alles von ihr gefallen läßt."

Die in Form eines Tagebuch beschriebenen Treffen stehen stets in der Ambivalenz von neugierigem Hingezogensein, aber auch empörtem Kopfschütteln. Joachim weiß selbst nicht, warum er, der beruflich stark engagiert ist, die Regelmäßigkeit der Dienstagstreffen einhält und welche Fasziniation ihn eigentlich hintreibt.

Zum Schluß erhält der Leser einen Blick auf das von Niederlagen und Entbehrungen geprägte Leben Josefines, die es aber dennoch geschafft hat, trotz Enttäuschungen und der Dekadenz des Äußeren die bewundernswerte Haltung einer großen Dame zu bewahren.
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13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Der Zufall führt beim Zusammenprall zweier unterschiedlicher Charaktere Regie. Der Autor will es so: Ein Dreißigjähriger bewahrt eine Siebzigjährige vor einem Handtaschendiebstahl, man kommt sich näher, er wird eingeladen ins feudale Haus der Pensionärin und man unterhält sich... Eine banale, profane und tausendmal in Varianten verfaßte Geschichte. Also kann nur ein versierter Autor, zu tiefergehenden Dialogen tendierend, dem Leser über den vermeintlich wenig ergiebigen Plot hinweghelfen. Enzensberger gehörte nicht zu den rare aves der Literaten, würde er hier nicht die Tagebuchform gewählt haben, einem Kunstgriff aus der Schöngeistliteratur des 19. Jhs., zu dessen divahaftesten Protagonisten man getrost Goethes 'Wahlverwandtschaften' oder das furiose Diarium der Fünfziger Jahre, Cocteaus 'Tagebuch eines Unbekannten', zählen darf. Enzensberger ist jedoch eigenständig und - natürlich - aktuell, oder, wie man in gewissen gehobenen Rezensentenkreisen zu sagen pflegt, 'authentisch'. Und so ping-pongt er die Konversationsbälle zwischen der Alten und dem Jungen hin und her, jongliert mit Metaphern und durchweg geistreichen Volten, ohne Geistreicheleien zu fabrizieren - bis der Leser bemerkt, das ihn der Autor schon längst an die Hand genommen hat und auf knapp 150 Seiten das Grobe und Feine, das politisch Ungeschlachte und das feinnervig Intellektuelle, das Schöne und das Häßliche, Revue passieren ließ. Herauskam eine Charakaterstudie ohne Attitüde, ein Pendel, das zurückschlug, sobald es unüberwindbaren Widerstand verspürte - man ging also freundlich miteinander um und vermied das Verletzende. Enzensberger hat in dieser Geschichte, die Roman zu nennen zu weit griffe, einen Diskurs in Philosophie und praktischer Daseinsbewältigung verfaßt, den nur einer wie er in diese Form der Gestaltung zu zwingen imstande ist. Th. Mann gibt es ja leider nicht mehr. Und so ist sein Buch denen zu empfehlen, die Habitus nicht mit Platitüde verwechseln, die Leiden nicht mit stiller Größe assoziieren, und die in einer alten Frau mit gelebten Erfolgen und Niederlagen und einem jungen Mann mit beruflichen Ambitionen und einer sich im Verlaufe der Bekanntschaft verdichtenden Nachdenklichkeit über das rechte Sinngebungsverfahren für sein Leben keinen Spagat zwischen Anspruch und Markterfordernis sehen, sondern sich einfach nur an der Teilhabe an beider Lebensaufrissen erfreuen wollen. Dann ist dieses Buch wie geschaffen für sie!
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Künstlernovelle 5. August 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Mit "Josefine und ich" hat der Dichter und Essayist Enzensberger ein Genre gewählt, das vor allem in der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts populär war: die Künstlernovelle. Da die anderen drei Rezensenten schon ausführlich über Protagonisten, Plot und Form der Erzählung gesprochen haben, beschränke ich meinen Beitrag auf zwei Besonderheiten:

Soweit ich es beurteilen kann, ist diese Novelle Enzensbergers einzige fiktive Prosa für Erwachsene und verdient daher besondere Beachtung. Wie der Autor unlängst in einem Interview gestand, hält sich sein Interesse am Verfassen erzählender Prosa in für einen Lyriker nachvollziehbaren Grenzen. Warum hat er sich dann überhaupt und erst spät in seiner Laufbahn für eine Fiktion entschieden? War es der Reiz, auch auf diesem literarischen Feld zu spielen und sich zu bewähren? Kein Zweifel, Enzensberger ist ein Autor, der gerne Formen ausprobiert, die man gemeinhin nicht von ihm erwartet. Es gibt aber noch einen anderen Grund, der ihn zum Schreiben einer Künstlernovelle bewegt haben könnte, und der ihm möglicherweise gar nicht bewusst ist, nämlich der folgende:

Jeder Text hat einen Subtext, der auf eine tiefere Bedeutung verweist und nicht immer leicht zu entschlüsseln ist. Im Gegenteil, oft stoßen Leser und Autor erst nach wiederholter Rezeption auf dieses geheime Juwel. Welcher Subtext liegt nun zwischen den Zeilen dieser Geschichte über eine vergessene Sängerin und einen jungen, aufstrebenden Wissenschaftler verborgen? Ich vermute, es ist die Angst des Künstlers vor dem Vergessenwerden. Der Autor ist zwar keine Sängerin wie Josefine und auch kein Forscher wie Joachim, aber doch ein Künstler mit wissenschaftlichen Interessen, was er ja als Essayist oft genug bewiesen hat. Kurz gesagt: In "Josefine und ich" probt das Alter Ego des Autors das Vergessensein, ein Schicksal, das Enzensberger im Leben erspart blieb, dessen Möglichkeit aber wie ein Schatten seine (öffentliche) Existenz begleitet und daher irgendwann einmal verarbeitet, oder sollte ich besser sagen, sublimiert werden musste. Zur Freude der Leserin ist ihm diese Sublimierung gelungen.
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