Neben INDIEN verschaffte IM KELLER Josef Hader die zweifelhaften Meriten eines "Rüpels des Kabaretts". 1992 uraufgeführt, ist es eine Hader-typische Melange aus Kabarett und Theater - ein-Mann-Theater mit karger Bühnengestaltung, aber umso reicherem Feuerwerk an Pointen und zynischen Seitenhieben. Derart enthusiastisch war die Kritik, dass sogar Vergleiche mit Helmut Qualtingers "Herrn Karl" bemüht wurden.
In Haders kleinbürgerlicher Welt wimmelt es nur so von Menschlich-Allzumenschlichem, es wird geflucht und verflucht, geschrien, kommandiert, gepoltert, gerotzt, gekotzt und gespuckt. Der namenlose Erzähler ist Fachmann einer Werbeagentur in den Dreißigern, bereits in der Midlife-Crisis, und arbeitet gerade an einem Werbeslogan für feuchtes Klopapier. Er sitzt im Hawaii-Hemd im Keller seines Hauses. Seinerzeit vom Großvater als Atombunker konzipiert, soll nun ein Dampfbad rein, ebenso ein Kreativbereich. Im fiktiven Dialog mit einem Handwerker (den das Publikum nie zu Gesicht bekommt), legt Hader die spießige Borniertheit hinter der nonchalanten Fassade frei. IM KELLER ist ein bitterböses Stück über (ost-)österreichische Befindlichkeiten, ein "Müllberg aus Neurosen, Psychosen und Hypochondrien" (Die Zeit). Selbst fernöstliche Meditation vermag die Frustration nur zu besänftigen, nicht zu heilen. Letztlich rechtfertigt sie zynische Resignation: "Des Gute liegt uns net. Könnma nix dafür. Mir san so, wies uns zammpudert ham."
Obwohl nicht ganz zeitlos (Anspielungen auf den Jugoslawien-Konflikt und den Sturz Gorbatschows), avancierten einzelne der Nummern aus dem KELLER dennoch zu Klassikern des Hader-Oevres ("Landleben"). Vorsicht ist freilich geboten: IM KELLER ist wie fast alles andere von Josef Hader außerhalb des süddeutschen Sprachraums nicht leicht zugänglich!