Wenn man nicht gern liest, kann man sich allein schon an den vielen Fotos heftig erfreuen: Fischer als Zwölfjähriger im Sonntags-Kirchgänger-Anzug, Arme verschränkt wie heute, das Kinn jovial auf die Brust gepresst - schon ganz staatsmännische Pose - erstaunlich, wie wenig sich körpersprachlich ändert im Laufe eines langen verfolgbar dokumentierten Lebens. Die äußere Verpackung hat sich allerdings (wie bei uns allen natürlich) hurtig verändert - und gibt zur Belustigung Anlass: Fischer bei seiner Heirat 1967 mit Edeltraud, der Tochter eines Stuttgarter Polizisten. Da sieht er noch fast aus wie der junge Harald Schmidt. Natürlich geht mit der äußeren Veränderung auch eine innere vor sich: Während seine erste Ehefrau vermutlich noch immer Hasch nimmt und in Wohngemeinschaften sich wohl fühlt, die zweite, Inge, die Mutter seiner beiden Kinder, als Architektin Erfolg hat, die dritte, Claudia, als mittlerweile erfolgreiche Journalistin souverän und gütig schon einmal ein freundliches Auge auf die Kinder aus zweiter Ehe wirft, die vierte, Nicola, noch gern zurückdenkt an das gesellschaftliche Parkett von Empfängen und Preisverleihungen, - während Fischer bereits mit der gutaussehenden Anwärterin Nr. 5 (Minu Barati) Presse-Aufmerksamkeit um diesen Themenbereich zu vermeiden sucht wie Schröder das Thema Haare-Färben - währenddessen haben sich nicht nur die Partnerschaften wie die Hüllen einer sich häutenden Schlange überlebt: Auch die zugehörige Sozial-Struktur hat sich, nicht im Kreise drehend, sondern spiralförmig nach oben entwickelnd, weitergedreht, Windung um Windung. Wo ist oben? Bei Daniel Cohn-Bendit, Otto Schily, Yassir Arafat, Madeleine Albright, Condoleezza Rice? Auf jedenfall nicht bei Foto Utz in Fellbach, wo er als bebrillter Lehrling anfing zu überlegen, wie man am besten die Welt erobert. Auf der Ebene eines Pflastermalers in Marseille (Jesus, aus Mutters Gesangbuch abmalend) ist er gottseidank auch nicht stehengeblieben. Die Odyssee des Joschka Fischer ist auch ganz bestimmt noch nicht zuende. Aber diese Biographie legt ein angenehm lesbares Grundgerüst für weitere Beobachtungen ...