Mit "Joiken" (btb 72584 - Erstausgabe 1999))liegt ein weiterer Kriminalroman von Henning Boetius mit Kommissar Piet Hieronymus vor. Diesmal zieht es ihn weit in den Norden Europas. In den einsamen Weiten Lapplands, dem Rückzugsgebiet der Samen (wie die Lappen sich selbst nennen) wird das holländische Ehepaar van Houten in seinem Zelt ermordet. Herr van Houten hatte eine gutgehende Fabrik, in der Holzinstrumente hergestellt wurden. Als die örtliche Polizei kein Motiv für den Mord und keine Täter findet, wird Kommissar Piet Hieronymus nach Lappland gesandt, um mitzuhelfen, den Fall aufzuklären. Er folgt der Reiseroute und den Spuren der van Houtens über Oslo und Hammerfest in die Welt der Samen - und kommt eine melancholische Landschaft von endloser Weite, ungewohnt langen Tagen und kurzen Nächten sowie geheimnisvollen, ihm fremden Menschen. Er lernt den ermittelnden Inspektor Brygger und dessen nymphomanische Frau, Inga und Anna, zwei junge Samenfrauen, Matti Utson, den Ältesten und (an Rentieren) Reichsten von deren Sippe, den pietistischen Ortspfarrer Arne Larsen und den Tischler Ursi kennen und erfährt viel über das Leben in Lappland. Während seiner Recherchen werden zwei Anschläge auf ihn verübt, was ihm zeigt, daß er der Lösung auf der Spur ist. Die Aufklärung schließlich bringt nicht nur die Motive der Morde an van Houten und seiner Frau sowie den Mordanschlägen an Piet Hieronymus zu Tage, sondern auch ein kriminelles System aus Steuerhinterziehung und Kinderpornographie zum Einsturz. Alles in allem ein athmosphärisch dichter Roman in einer mir fremden Welt. "Joiken" ist übrigens eine Form der Samen ihre Gefühle auszudrücken: Erzählen, Singen und Bewegen in einem; die Sprache der Seele.