Dies ist einer der zentralen Sätze in diesem Film. Die Antwort darauf lautet lapidar, dass es wohl irgendwas damit zu tun haben müsste, dass junge Männer sich gegenseitig umbringen.
Dalton Trumbo dürte eine der unbekanntesten Berühmtheiten von Hollywood gewesen sein. Der Drehbuchautor vieler berühmter Filme wie Spartakus oder Papillon, stand immer im Schatten der Hauptdarsteller und Regisseure, die naturgemäß die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dieser Film, bei dem Trumbo auch Regie geführt hat, basiert auf einem Roman, der von ihm selbst verfasst wurde.
Joe Bonham, der typische "American Boy" aus einer ländlichen Gegend der USA, meldet sich freiwillig zum Dienst im ersten Weltkrieg. Beim Einschlag einer Rakete wird er grausam verstümmelt und verliert nicht nur Arme und Beine, sondern auch sein Augenlicht, sein Gehör und seine Fähigkeit zu sprechen. Fatalerweise kommt ein Feldarzt nach einer Untersuchung zum Schluss, dass er auch nicht mehr fühlen und denken kann.
Aber das kann er doch noch. Joe Bonham ist nach wie vor ein fühlendes, denkendes Wesen und nach einer Weile wird er sich seiner Situation voll bewusst. Wir hören aus dem Off seine Gedanken, wie er versucht mit seinem Schicksal fertig zu werden und wie er, fast aller seiner Sinne beraubt, versucht mit der Außenwelt Kontakt aufzunahmen.
Johnny zieht in den Krieg ist ein außergewöhnlicher Film. Auf drastische Bilder wird gänzlich verzichtet. Es gibt nur eine kurze Szene, die auf den Schlachtfeldern Europas spielt. Der Rest des Films besteht aus Rückblenden, Joes "Alltag" im Krankenhaus und schließlich aus immer surrealer anmutenden Szenen, die Träume darstellen.
Es gibt viele bedeutende Anti-Kriegsfilme, doch dieser hier ist sicherlich einer der bemerkenswertesten. Die Sinnlosigkeit des Krieges, in dem es letztlich nur darum geht sich gegenseitig umzubringen, bis eine Seite entweder völlig ausgemerzt wird, oder kapituliert, damit die Gegenseite am Ende Recht behält und zum "Sieger" erkoren wird... Dieser Wahnsinn wird hier auf eine Art und Weise aufgezeigt, die zugleich faszinierend und schockierend ist. Die Spitze der Nahrungskette hat keine Fressfeinde außer sich selbst...
Die schauspierischen Leistungen sind sehr gelungen. Allen voran der "ewige Nebendarsteller" Jason Robards als Joes Vater und Donald Sutherland als Jesus sind äußerst gelungen. Es ist seltsam, dass dieser Film ein solches Staraufgebot zu bieten hat und trotzdem ein Schattendasein fristet.
Die Aufmachung der DVD ist sehr schön. Neben den üblichen Trailern, befindet sich auch eine Dokumentation über Dalton Trumbo auf dem Silberling, die sehr interessant ist und einen Einblick in das Leben des Autors und Filmemachers bietet. Die deutsche Synchronisation ist sehr professionell, kommt aber nicht ganz an die Originalstimmen heran. Die verzweifelten "Rufe" von Joe verlieren etwas von ihrer Intensität in der deutschen Übersetzung. Trotzdem handelt es sich um äußerst solide Arbeit.
Bleibt nur zu hoffen, dass durch diese neue Aufmachung im Rahmen der Arthaus Collection der Film endlich den Bekanntheitsgrad bekommt, den er auch verdient. Dieses Werk verdient großen Respekt und sollte unbedingt auch in Schulen gezeigt werden. Da der Film eine Freigabe ab 12 Jahren hat, dürfte das kein Problem sein. Gerade heranwachsende Jungen, die gerne Cowboy oder Soldat spielen sollte dieser Film gezeigt werden.