In diesem zweiten Teil seiner Christus-Trilogie stellt Patrick Roth einen sonderbaren jungen Mann vor, der in den 1990iger Jahren im Süden der Vereinigten Staaten den biblischen Auftrag "Weckt Tote auf!" buchstäblich ernst nimmt, ohne ihn jedoch geistlich zu verstehen. So schleicht er sich des Öfteren bei Beerdigungen ein, um den noch nicht in die Erde versenkten Sarg aufzubrechen und die darinnen liegenden stofflichen Überreste des Körpers eines Gestorbenen zu heißen, aufzu(er)stehen. Dies Geheiß erwirkt jedoch keinerlei Auferstehung, weder körperlich noch geistlich, sondern lediglich die Empörung der anwesenden Trauergäste. In einer spannenden und atmosphärisch dichten Unterredung des titelgebenden Täters Johnny Shines mit einer Frau, die seine leibliche Schwester Sharon ist (oder auch nicht leiblich, das bleibt nebelig), kommen die Hintergründe dieser wiederholten Auferweckungsversuche zur Sprache, bleiben jedoch insofern leider unklar, als zu keiner Zeit bei einem der Beteiligten der Gedanke aufzukommen scheint, dass jene biblische Aufforderung "Weckt Tote auf!" unkörperlich gemeint sein könnte. Einen geistlich toten, weil jeden Geist (und damit Gott) leugnenden, wenn auch noch lange oder längst nicht gestorbenen Menschen aufzuwecken, ist der unverstandene ursprüngliche Auftrag an christgläubige Menschen, an dem dies Buch auf wenn auch höchstem sprachlichen und literarischen Niveau leider intensiv vorbeidriftet. Die Totheit der Toten ist nicht die Gestorbenheit der Gestorbenen, sonst wäre der Auftrag: "Lasse die Toten ihre Toten begraben!" blanker Unsinn, denn die Gestorbenen begraben niemanden; die an den Tod als Wahrheit Glaubenden schon.