Schlagzeug, akustische gitarre (wahlweise piano), mundharmonika, bass: mehr gibts nicht.
Harter Tobak! Soviel ist sicher. Selbst eingefleischte Dylan-jünger dürften sich an den sound dieser platte erstmal haben gewöhnen müssen. Auch mit den frühen folk-platten, bei denen der ein oder andere track immer für eine instrumentelle überraschung gut war und aus dem homogenen rahmen ausbrach, hat "John Wesley Harding" insofern nicht viel zu tun.
Umgekehrt: Sogar das songwriting lässt einen in seiner radikalen simplizität erst mal verblüfft bis misstrauisch zurück. Strophe - mundharmonika (selbe akkordfolge) - strophe - mundharmonika - strophe - mundharmonika - ENDE.
Aber die songs sind, wenigstens zum ganz überwiegenden teil, ganz feine teile! Über "all along the watchtower" muss man wohl nix mehr sagen, auch das (mit der steel guitar nahehin 'pompöse' ;-) ) superb-raunende "I'll be your baby tonight" hat einen platz als timeless-classic sicher. Aber auch die unbekannteren tunes sind nicht von pappe: Die titelnummer begeistert als lupenreines folk-lamenti, wie Dylan seit spätestens "Bringin it all back..." keines mehr zu Stande gebracht hat. Noch besser ist die Platzaufnahme "As I went out one morning", eine aufregend-verzögerte Wildwest-Episode.
"St. Augustine" dagegen ist ein fast prototypischer Hänger, langweilig, ideenlos, lahm... Dann folgt ja der spätere Hendrix-Klassiker. Die nächste Ballade ist herrlicher Nonsense, in überragender Spielfreude vorgetragen und bereitet insofern gebührend den besten Titel der LP vor, den Wahnsinns-Song "Drifters Escape" - einer der besten Dylan-songs überhaupt, aber leider schmählich übersehen und übergangen, und für sich schon das Geld für die ganze scheibe wert. Diese Aufnahme hat alles - Drive und schmiss, intelligenz, gefühl und das unvergleichliche gespür für den sound, der nicht mehr aus dem ohr geht. SUPER!
"Dear Landlord" flacht dagegen freilich etwas ab, bewegt aber und verblüfft kompositorisch mit verrückten synkopen. Der "lonesome hobo" ist eine frühe, aber würdige reprise auf "drifters escape". Der "wicked messenger" - ein passender name - lässt den hörer wahrlich "wicked" zurück, aber das überragende "Down along the cove" stellt nochmal einen späten, umso überragenderen höhepunkt der zweiten lp-seite dar: ein ur-straighter rockabilly-blues kurz vor der schwelle zum rock'n'roll, gekonnt-sublim-spannungssteigernd intoniert: Weltklasse. "I'll be your baby tonight" ist der zärtlichste dylan song überhaupt. (und insofern wohl nicht gerade eine empfehlung als Don Juan: "C'mon, kick your shoes off, do not fear, bring the bottle over here, I'll be you baby tonight"...)