Nachdem man mittlerweile alles von "super" bis "Schrott" lesen kann, versuch ich es mal mit einer etwas detailliertern Analyse.
Bild: Wie schon von einem anderen Rezensenten angesprochen, wurde hier das gleiche "Master" (also Scan und Nachbearbeitung) verwendet, wie vom renommierten "Criterion"-Label (das leider seine Blurays nur für Amerika freischaltet). In Anbetracht dessen, dass es sich hier um einen 1939 offenbar mit beschränktem Budget gemachten Film handelt, der noch dazu nur in relativ schlechtem Zustand erhalten ist, ist die Bildqualität sehr ordentlich. Natürlich ist die Schärfe eingeschränkt, und natürlich ist das Bild auch in der restaurierten Version noch von Defekten geplagt - man kann schliesslich nicht über 100.000 Einzelbilder individuell perfekt ausflecken. Aber wenn hier manche von "hochskalierter DVD" und ähnlichem schreiben, ist das nur Schwachfug. Viel mehr ist aus diesem Material wohl nicht herauszuholen.
Allerdings: Die "Schröder Media"-Version zeigt ziemlich starke Kompressionsartefakte beim Filmkorn. Auffällig wird das im Vergleich mit Screenshots von der "Criterion"-Version (z.B. auf der "dvdbeaver"-Seite). Hier hat man entweder mit einem veralteten Codec gearbeitet und/oder versucht, die Bitrate niedrig zu halten. Und leider hat man bei der Erstellung der "Schröder"-Bluray auch weiter noch geschlampt. So lässt sich am Beginn zwar noch alle 5-10 Minuten ein Kapitel anwählen, nach 43 Minuten wurden aber keine weiteren Kapitelgrenzen mehr eingefügt. Wer da eine bestimmte Szene anwählen möchte, muss sich durchspulen. Und Untertitel zur Englischen Version gibts auch keine - wahrscheinlich hätte das das Budget gesprengt.
Völlig indiskutabel ist aber die englische Tonspur. Voraus zur Abklärung: Natürlich klingt ein Film aus den 30ern nach heutigen Massstäben immer "blechern". Darum geht es hier aber nicht. Der Ton wurde bei der Digitalisierung schlicht und einfach fehlerhaft codiert. Das führt zu folgenden Effekten:
-) Der Ton ist nicht lippensynchron (und das wirklich heftig)
-) Dem Ton überlagert sich ein digitales Knistern bzw Prasseln (kein Rauschen oder Verzerrungen, sondern ein eindeutig digitaler Artefakt)
-) Zusätzlich zum "echten" Ton hört man im Hintergrund ein dunkles Echo, das ungefähr so klingt, wie ein Alien in einem schlechten SF-Film.
Ernsthaft: Manchmal fragt man sich wirklich, wie sowas durch die Kontrolle kommt, und welche "Spezialisten" für solche Arbeit bezahlt werden. Aber wahrscheinlich wird da husch-pfusch produziert, dann mal schnell ein paar tausend Blurays gepresst, und die werden dann auf Teufel-komm-raus in den Markt gedrückt, weil man sich eine Korrektur nicht leisten kann - und egal, wenn die Reputation dabei den Bach runter geht.
Schade drum; ich glaube nicht, dass es zuviel verlangt wäre, auch bei eingeschränktem Budget zumindest eine saubere Arbeit abzuliefern. Mit Einfach-Menu, fehlenden Untertiteln und so weiter kann man bei Low-Budget leben, aber irgendwo ist eine Grenze zu indiskutablen Fehlern überschritten.
Der Vollständigkeit halber: der deutsche Ton (anscheinend von 1962) geht technisch prinzipiell in Ordnung, abgesehen davon ist es halt eine nervige billig-Synchro auf 60er-Jahre Fernsehniveau; und am Anfang kommt die Musik nur aus dem linken Lautsprecher. Und einmal hat man über den orchestralen original-Soundtrack (der immer noch nur aus dem linken Lautsprecher kommt) eine lächerliche "Westerngitarren"-Nummer gemischt. Aber das wundert einen auch schon nicht mehr.
Fazit: Gerade noch empfehlenswert für alle, die eh nur die deutsche Version sehen wollen. Wenn aber die Originalversion gefragt ist, ist die vorliegende Bluray praktisch wertlos. Deshalb von meiner Warte aus (und darum gehts bei der Bewertung) nur ein Stern. Ich werde versuchen, die Bluray zurückzusenden, und hoffe, dass Amazon sich kooperativ zeigt.