Den Eindruck zu dieser Folge kann ich zusammenfassen in: Qualitativer Absturz oder aber Frechheit!
Vorweg möchte ich anmerken, dass die John Sinclair-Reihe ja durchaus trashige Unterhaltung bietet. Das ist mir bewusst. Aaaber: Das hier ist nochmal was GANZ anderes!
1. Die Dialoge sind teilsweise derart doof, dass ich mehrfach überlegte, ob man den Hörer hier ver...albern möchte.
2. "Der Mann, der nicht sterben konnte" ist SO böse und darauf SO stolz, dass er offenbar auf Nummer sicher gehen möchte, dass es auch der letzte, noch so unaufmerksame Hörer mitbekommt. Der gute Mann klingt unfassbar aufgesetzt und hängt so ziemlich an jeden seiner Takes ein Lachen, dass nochmal klarstellt, dass er das zwar nicht gut spielt... aber dafür super-duper-ober-BÖSE ist! Später kommt dann noch einer seiner "Kollegen" hinzu und ist in ähnlicher Manier... nun ja... BÖSE! Das verbreitet keine Atmosphäre und ist auch nicht fies, sondern albern!
3. Insgesamt bekleckert sich, mit Ausnahme von John Sinclair-Sprecher Frank Glaubrecht, keiner der Darsteller mit Ruhm. Zwar kann auch Herr Glaubrecht nicht glänzen, was an den zuvor erwähnten wirklich dämlichen Dialogen liegen mag, aber immerhin hört man bei ihm, dass er seine Arbeit ernst nimmt. Mit Martin May als Suko hab ich seit jeher meine Probleme, das liegt also nicht an dieser Folge. Die übrigen Charaktere klingen fast durch die Bank weg aufgesetzt und reagieren teils völlig albern und/oder unglaubwürdig.
4. Scheinbar hatte man auch Angst, dass entweder die Hauptcharaktere oder der Hörer zu doof sein könnten, den Knackpunkt der Geschichte zu begreifen. So erklärt man mehrfach im Hörspiel, wie man dem Bösewicht beikommen kann. Schon in der Einleitung wird es dem Hörer mehr oder weniger gesagt. Sollte man an dieser Stelle allerdings gerade... zum Beispiel einkaufen gewesen sein, wird Suko später von Glenda telefonisch darüber informiert, was wichtig ist, und wer hier, wegen des anstregenden Einkaufsbummels, gerade geschlafen haben sollte, der erhält vom "Mann, der nicht sterben konnte" später nochmal eine ausführliche Erklärung, was ihn "unsterblich" hat werden lassen, was man tun muss, um das zu ändern und so weiter und so fort. Diese Rede richtet sich übrigens an dessen Gefangene/Opfer, was auch so herrlich sinnlos ist und nach dem Genuss des Großteils dieser Folge dem Ganzen noch die Krone aufsetzt. Wobei, danach läuft die Folge ja noch etwas und wird auch nicht besser, im Gegenteil wird sogar noch der ein oder andere alberne Dialog nachgelegt!
Ob dieser Eindruck darauf zurückzuführen ist, dass ich einfach schon besseres von "John Sinclair" gehört habe, die Vorlage im Vergleich zu den anderen Geschichten nicht der beste Stoff ist oder aber auf dem Wechsel des Produktionsteams beruht, kann ich an dieser Stelle nicht sagen. Festgestellt habe ich, dass ich es zwar sehr bedaure, dass Joachim Kerzel nicht mehr als Erzähler an Bord ist, ich allerdings mit der neuen Erzählerin Alexandra Lange-Baehr kein wirkliches Problem habe, auch wenn sie in dieser Folge nicht allzu oft zu hören war. Dass ein neues Intro benutzt wird, ist hingegen schade. Das neue wirkt irgendwie sehr viel blasser als das Original.
Fazit:
Ich bin sehr enttäuscht und werde mir tatsächlich zweimal überlegen, ob ich auch Geld für Folge 72 ausgebe. Das mag drastisch klingen, nur empfinde ich Folge 71 als Frechheit. Da hab ich schon einige Hörspiele im Amateur-/nicht-kommerziellen Bereich gehört, die in mehreren Belangen deutlich besser waren. Für andere Sinclair-Fans hoffe ich, dass es wieder aufwärts geht, wie gesagt werde ich überlegen, ob ich dabei bleibe. Somit gibt es leider nur einen von fünf Sternen!