Man kommt ihnen ja nicht aus, weder im Fernseh noch in den einschlägigen Wartezimmer-Zeitschriften: Wohin man nicht schaut, fuchtelt irgendeiner einem mit einem Kochrezept vor der Nase herum und kocht mit erlesenem Zeug Erlesenes, das herich auch noch erlesenem Genuss garantieren soll.
Ein Genre ist das, schmeckgenau gebacken für Harry Rowohlt, der uns in "John Rock oder der Teufel" erklärt, wie man "Schlichtglibber 'Shaolin'" kocht (oder sagmermal besser: zubereitet), während man sich in der einsamen Blockhütte im Wildesten Westen gleichzeitig dreiste Banditen und erboste Apatschen vom Leibe hält.
In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" verlangte man von Rowohlt im Rahmen der "Kochrezepte"-Sparte "etwas Literarisches". Genau das liefert der Knarzbart auch, und wenn sein Schlichtglibber nur halb so gelungen ist wie sich der Western drumrum, sollte es jedes Fünfsterne-Restaurant im Repertoire haben, das auf sich hält.
Ein Kochrezept, eingebettet in einen Western -- sowas kriegt wohl nur Harry Rowohlt hin. Er imitiert den Sprachduktus der einschlägigen Wildwest-Heftchen perfekt, einschließlich der Harte-Männer-Monologe. Während John Rock den Bestand der Blockhütten-Pantry inspiziert, erwehrt er sich des Dauerfeuers der berüchtigten Enfield-Drillinge, und als echter Westmann kommentiert er das auch: "'Sollte mich nicht wundern, wenn es jetzt nur noch Zwillinge wären', schmunzelte er, daß sich sein Kinngrübchen verfinsterte." Karl May wäre neidisch geworden ob dieser Fabulierkunst, und die Heftchen-Autoren erstrecht. Die markigen Zufälle, die der Handlung in Trivial-Heftchen erst den richtigen Kick geben, streut Rowohlt mit leichter Hand in seinen Schlichtglibber-Western ein, und während er John Rock gleichzeitig im Topf rühren und den Apatschen die Leviten lesen lässt, kommentiert er seine eigene Rezepte-Erzählung auch noch, auf dass auch die fußnotenverwöhnte anspruchsvollere Leserschaft auf ihre Kosten komme: "Ist natürlich Quatsch, ein Reetdach in einem Western, aber weil Blockhütten in solchen Zusammenhängen früher oder später immer in Flammen aufgehen, habe ich diese Blockhütte noch zusätzlich reetgedeckt, damit es 2 bis 3 Seiten schneller geht."
Auch wenn die Zubereitung von Schlichtglibber "Shaolin" nur in prekärer Situation gelingt, so verrät Rowohlt dem geneigten Leser und/oder Hobbykoch immerhin, worin die "geheime Zutat" besteht -- und außerdem ist tröstlich zu erfahren, dass auch andere keine Ahnung haben, was dieses vermaldeite Kardamon eigentlich ist, das einem in jedem höherklassigen Kochrezept entgegenfeixt.
Jetzt könnte ich diesen "Kulinarische[n] Wildwest-Schundroman" (Rowohlt trägt hiermit der Literaturgeschichte gleich ein funkelnagelneues Genre bei!) Seite für Seite nacherzählen, was ich aber erstens nicht kann, weil ich's so gut längst nicht kann wie der Meister, und zweitens will ich's auch nicht, denn dann nähme ich den geneigten Lesern das Vergnügen. Und drittens unterschlüge ich auch noch Peter Guts viele, viele kongeniale Illustrationen.
Ich kann diesen Kulinarischen Wildwest-Schundroman aber jedem empfehlen, der Sinn hat für unwiderstehliche Hochkomik. Und das tu ich hiermit Damn it aber auch...
Übrigens gibt's den ultimativen kulinarischen Wildwest-Schundroman optisch noch schöner auch im Querformat.