Der Titel des Buches irritiert ein wenig. Es ist nicht eigentlich "das Buch zum Film". Bei dem Buch handelt es sich eigentlich um die Originalausgabe von Erwin Wickert, hinzugefügt wurden ein kurzer Text des Filmemachers Florian Gallenberger sowie einige Fotos aus dem Film. Kernstück des Buches sind die Tagebücher, die John Rabe 1937/38 in Nanking führte. Diese waren auch die Basis für den Film.
Erwin Wickert liefert viele interessante Hintergrundinformationen über John Rabe und das geschichtliche Umfeld. Rabe war Kaufmann aus Hamburg und jahrelang für die Siemens-Zweigstelle in Nanking zuständig. Während des japanisch-chinesischen Krieges gründete er zusammen mit einigen anderen Europäern und Amerikanern eine internationale Schutzzone, wodurch das Leben von mehr als 200.000 Chinesen gerettet wurde.
Rabe war Mitglied der NSDAP und hoffte anfänglich auf Hitlers Unterstützung. Diese blieb jedoch aus, und nach seiner Rückkehr nach Deutschland durfte Rabe nicht über seine Erlebnisse in China berichten. Die Firma Siemens gab ihm ebenfalls nur untergeordnete Aufgaben.
Kurz nach Ende des Krieges führte Rabe noch einmal kurz Tagebuch. In dem Buch sind Auszüge abgedruckt.
Erwin Wickert beschäftigt sich mit der Frage, ob ein Nazi ein "guter Deutscher" sein kann. Im Zusammenhang mit dem geschichtlichen Hintergrund konnte ein Deutscher ein "Nazi" sein, ein "guter Deutscher" oder ein "Intellektueller", wobei stets nur zwei dieser Eigenschaften erfüllt sein können, nie alle drei. Rabe war kein Intellektueller, er hatte nur die Mittelschule besucht. Trotzdem kann er fesselnd über seine Erlebnisse berichten.
Das Buch kann eine Ergänzung zu dem Film sein. Es ist aber auch für sich genommen sehr lesenswert.