Auch nach 27 Jahren Ehe schwört Dora Rabe(Dagmar Manzel) ihrem Mann John(Ulrich Tukur) die Treue. Und das in einer verdammt schweren Zeit. Rabe ist Leiter der Siemens AG in China und soll dort ein Staudammprojekt realisieren. Wir schreiben das Jahr 1937 in Nanjing. Als japanische Streitkräfte zunächst Shanghai und dann Nanjing angreifen, wird das Projekt eingestampft. Der Nazi Fließ(Matthias Herrmann) übernimmt das Werk und Rabe soll ausreisen. Doch der Angriff der japanischen Luftwaffe kommt dem zuvor. Rabe sieht nicht tatenlos zu, er handelt. Unter den Augen des fassungslosen Fließ lässt er die chinesischen Arbeiter auf das Firmengelände. Dort zieht er die Hakenkreuzflagge auf. Da die Japaner mit Deutschland ein Bündnis eingegangen sind, wird die Fabrik von den Luftangriffen verschont.
Zusammen mit dem Arzt Robert Wilson(Steve Buscemi), der Internatsleiterin Duprey(Anne Consigny) und dem jungen Botschaftsrat Rosen(Daniel Brühl) richtet Rabe eine Sicherheitszone in Nanjing ein. Rosen weiß aus eigener Erfahrung in Shanghai, dass dies die einzige Möglichkeit ist, Menschenleben zu retten. Schnell strömen 200.000 Menschen in die Zone. Als kurze Zeit später die japanischen Soldaten die Stadt stürmen, beginnt eines der größten Massaker an der Zivilbevölkerung, im 20.Jahrhundert. Nur mit Tricks, Zugeständnissen, unermüdlichem Eifer und einem unverrückbaren Glauben gelingt es Rabe und seinen Mitstreitern, eine noch größere Katastrophe zu verhindern. Aber die Sicherheitszone steht dabei auf tönernen Füßen. Wenn nicht innerhalb weniger Tage internationale Diplomaten zurück in die Stadt kommen, werden auch Rabe und seine Mitstreiter die Sicherheitszone nicht mehr lebend verlassen...
Die besten Geschichten schreibt noch immer das Leben. Florian Gallenberger hat sich bei seinem -John Rabe- ganz dicht an die Tagebücher des "Guten Deutschen von Nanjing" gehalten. Was Rabe dort erzählt, ist so beeindruckend, wie grausam und entsetzlich. Das Menschen, die eigentlich nur als Gäste im Land waren, sich so für ein Volk eingesetzt haben und dabei ihr Leben mehr als einmal riskierten, das verdient noch heute allerhöchsten Respekt. Die legendäre Geschichte vom Drahtseilakt Rabes, zwischen der Hilfe für Verfolgte und der Kooperation mit den Japanern ist nichts für schwache Nerven. Vor allem Ulrich Tukur und Steve Buscemi füllen dabei ihre Rollen mit einer Extraportion authentischem Leben aus. Wie der Arzt Wilson und der Nazi Rabe zu Freunden werden, das ist eine Geschichte, die allein einen ganzen Film wert gewesen wäre. Die Nebenrollen sind mit Daniel Brühl, Anne Consigny und allen anderen Mitwirkenden ebenfalls hervorragend besetzt.
-John Rabe- ist großes Kino mit Anspruch und Geschichte. Dabei ist der Film trotzdem unterhaltend; die 124 Minuten Spielzeit vergehen wie im Flug. Die DVD ist zudem mit einer bombastischen Tonspur ausgestattet.
Wie diese einzigartige Geschichte vergessen werden konnte, ja wie ein John Rabe nach seiner Rückkehr nach Deutschland schließlich noch von der Gestapo festgenommen wurde und später vergessen in Berlin starb, das wirft nicht unbedingt ein gutes Licht auf den Umstand, wie wir Deutschen in der Nachkriegszeit mit unseren "wirklichen Helden" umgegangen sind.
Ich überlasse ihnen die Entscheidung heute einmal nicht selbst, sondern lege ihnen -John Rabe- ganz fest ans Herz. Der Film ist absolut empfehlenswert und hat nicht umsonst etliche Filmpreise eingeheimst.