Neben dem legendären KRIMINALMUSEUM (1963 -1970) zählt unvergessen auch JOHN KLINGs ABENTEUER mit zu den ersten Krimiserien des damals noch blutjungen ZDF. Die Figur des Titelhelden adaptierten die Mainzelmänner aus einem Groschenheftroman der 1920er Jahre und fanden mit Hellmut Lange eine glänzende TV-Besetzung dafür. In der Rolle des Jones Burthe gesellt sich der junge Uwe Friedrichsen an seine erfahrene Seite. Und während in den Lichtspielhäusern das Edgar Wallace-Fieber seinen Höhepunkt erreicht sowie ein gewisser James Bond die Pupularität der Besucher auf sich zieht, ermittelt das neue Fernseh-Gespann höchst erfolgreich internationale Fälle zur besten Sendezeit, jeweils mittwochs im späten Vorabendprogramm gegen 19:10 Uhr.
Mit unzähligen Gastauftritten von z.B. Claus Wilcke, Karl-Heinz Kreienbaum, Horst Beck, Franz Rudnik, Günther Jerschke oder auch Bruno Vahl-Berg erfahren die beiden Protagonisten namenhafte Unterstützung bei ihren illustren Abenteuern. Spannende Agentengeschichten, gewürzt mit markigen Dialogen und herrlich schwarzem Humor, sind das Rezept dieser heimischen Produktion der TV-Union Berlin. Verschiedene Autoren liefern den kurzweiligen Stoff dafür, den mehrere Regisseure (darunter Hans-Georg Thiemt) auf Schwarzweißmaterial umsetzen. Das ZDF läßt über die Jahre zwei Staffeln mit insgesamt 26 Kurzfolgen (Lauflänge je 25 Min.) produzieren. Die Erstausstrahlung erfolgt vom 13.10.65 bis zum 12.01.66 für die erste Staffel sowie vom 17.12.69 bis zum 18.03.70 für die zweite Staffel.
Die DVD-Umsetzung der Polarfilm ist ausgezeichnet gelungen, auch wenn die Serie darin leider nicht mehr ganz vollständig ist. Laut Information des Label sind zwei der originalen Sendebänder bei der italienischen RAI leider verschollen gegangen. Betroffen sind die Folgen 24 (Puppenspiele) und 26 (Eine Braut für Mr. Burthe). Für das Alter des betagten Materials kann sich die Bildqualität der verbliebenen Folgen noch annehmbar sehen lassen, auch wenn hier keine aufwändige Restauration erfolgte. Lediglich der Kontrast wurde deutlich nachbearbeitet, Laufstreifen und andere Abnutzungserscheinungen sind altersentsprechend vorhanden. Der Monoton erklingt angenehm satt und beeindruckend frisch. Die 4 DVDs lagern einzeln in dem klappbaren Digipack-Schuber. Neben einem 16seitigen Farbbooklet brilliert das Bonusmaterial mit zwei wunderbaren, eigens für die DVD-VÖ geführten Interviews der beiden Hauptdarsteller (24+26 Min.). Ein beispielhafter Aufwand, den die Polar-Film hier für ihre nostalgischen Kunden betrieben hat. Meine Hochachtung auch für die beiden Vollblutschauspieler, die sich trotz ihres Alters dafür noch zur Verfügung stellten. Hellmut Lange ist inzwischen bereits 85 Jahre alt und auch Uwe Friedrichsen zählt nunmehr schon 74 Lenze.
Fazit: Die Rückkehr einer phantastischen TV-Ära in hochwertiger DVD-VÖ. Verdiente 5 Sterne und uneingeschränkte Kaufempfehlung. Lediglich an der Logistik ihrer VÖ-Termine sollte die Polar-Film noch etwas arbeiten ;-)