Alexander Emmerich präsentiert mit diesem Buch die kurzweilige und faktenreiche Biografie eines deutschen Auswanderers, der es zum ersten Millionär der Vereinigten Staaten von Amerika brachte und für viele deutsche Auswanderer ein Anreiz gewesen ist, ihr Glück in Amerika zu versuchen.
Möge sich niemand vom Motiv des Schutzumschlags abschrecken lassen, das eher zu einem Buch über die Wirtschaftskrise passt als zu einer lesenswerten Biografie. Denn beim Lesen erfährt man auf 184 Seiten viele Details aus dem Leben des Johann Jakob Astor, der 1763 in Walldorf bei Heidelberg geboren wurde. Es ist übrigens genau dasselbe Walldorf, in dem seit den Siebzigern eine bekannte Softwarefirma ihren Hauptsitz hat (nicht nur Fußballfans werden wissen, dass es sich um SAP handelt).
1780 wanderte Astor nach London aus und arbeitete dort vier Jahre lang mit seinem Bruder zusammen. In dieser Zeit erarbeitete er sich bereits ein größeres Kapital, so dass die Story vom Tellerwäscher zum Millionär nicht ganz exakt ist ... 1784 kam er nach New York, verkaufte dort zuerst Musikinstrumente, stieg dann nach intensiver Vorbereitung in den zu dieser Zeit äußerst lukrativen Pelzhandel ein; später folgten der Chinahandel und Immobiliengeschäfte.
Obwohl Astor auch viele Verluste hinnehmen musste, gelang es ihm durch Weitsicht, ein umfangreiches Netzwerk an Beziehungen und wirtschaftliches Gespür nach und nach seine Gewinne zu steigern. Durch den Bau des Astor-Hotels in New York und die Stiftung der Astor Library versuchte er, seinen Namen unsterblich zu machen. Heute kennt man ihn vor allem durch das Walldorf-Astoria, die Bibliothek ist längst vergessen. Ein Luxus-Hotel weckt immer noch mehr öffentliches Interesse als eine luxuriös ausgestattete Bibliothek ...
Emmerichs biografische Skizze ist fundiert, wobei der Autor auch bestehende Geschichten über Astor widerlegt. Allerdings zeigt das Buch sehr deutlich die Sympathien des Verfassers für seinen Protagonisten, so dass man an einigen Stellen eher an eine Lobpreisung, denn an eine seriöse Biografie denken muss. Trotz allem ist es ein lesenswertes Buch über einen Mann, der den Traum vom Tellerwäscher zum Millionär gelebt hat, bevor es diesen überhaupt gab.