Aus der Amazon.d-Redaktion
Zu der Horde von Medienvertretern, die nach Talcott geladen werden, um dieses Ereignis angemessen zu würdigen, gehört auch J. Sutter, ein typischer Vertreter des schreibenden Schnorrertums: ein abgebrühter Spesenritter, dessen journalistisches Interesse an John Henry oder Talcott nicht weiter reicht als die Werbegeschenke der Auftraggeber und die saftigen Rippchen vom Gratisbuffet. Der einzige Ergeiz, den dieser Reporter von der traurigen Gestalt überhaupt noch entwickeln kann, ist ein neuer Schnorr-Rekord: J. Sutter will sich umsonst durchfressen, und zwar so lang es irgendwie geht. Ungefährlich ist das nicht, denn Sutters Vorgänger, der Ähnliches versuchte, verlor dabei erst seine Akkreditierung und schließlich den Verstand.
Aus dem eigenwilligen Kontrast zwischen der schwarzen Heldenfigur John Henry, dessen Mythos in Amerika jedes Schulkind kennt, und seinem ganz und gar unheldenhaften Nachfahren J. Sutter, entwickelt Colson Whitehead ein fassettenreiches Panorama amerikanischer Befindlichkeiten, in dessen Zentrum die unstillbare fatale Sucht nach dem Besonderen und Nichtalltäglichen, nach dem Rekord und der Sensation ständig zu spüren ist. Dabei geht es letztlich immer auch um die Hoffnung, die Banalität der eigenen Existenz überwinden zu können.
Zugleich liest sich Whiteheads intelligenter und variantenreich erzählter Roman als pointierte und witzige Satire der amerikanischen Medien- und Spektakelkultur, die längst nicht mehr nur in den USA zu finden ist. Ließ schon der eigenwillige Erstling des jungen afroamerikanischen Autors, The Intutionist, einiges von dessen kreativer Fantasie und literarischem Potenzial erkennen, so erweist sich Colson Whitehead mit John Henry Days endgültig als ambitionierter Erzähler mit einem beachtlichen stilistischen Repertoire, dem man auch angesichts des Unterhaltungswertes seiner Prosa einige Übertreibungen gern verzeiht. --Peter Schneck
Pressestimmen
"...tollkühn, meisterhaft...Whitehead konstruiert, montiert, formuliert wie ein junger Gott." Wieland Freund, Die Welt, 11.02.04 "Whitehead hat sich ein gewaltiges Vokabular und ein breit gefächertes Instrumentarium der Formen und Stile angeeignet, das er dann in "John Henry Days" auch voll ausschöpft. Zum Vernügen der Leser." Adrian Kreye, Süddeutsche Zeitung, 13.02.04 "Colson Whitehead singt in seinem Roman "John Henry Days" die grandiose Ballade vom richtigen Leben ... Das Ende seines Romans leuchtet wie das Licht am Ende des Tunnels, den John Henry nie zu Ende gegraben hat ..." Wieland Freund, Die Welt, 14.02.04 "Der neue Stern am Himmel junger US-Autoren, konfrontiert schwarze Mythen mit moderner Satire... Immer wieder finden sich Sätze, die man genüsslich im Kopf zergehen lassen kann." Konrad Heidkamp, Die Zeit, 29.04.04 "Whitehead ist der Erste, der die Legende John Henrys aus ihrer Zeit so behutsam wie spielerisch ins Heute getragen hat ... Whitehead erweist sich als vollendeter Stimmenimitator. Sein Roman über den ersten schwarzen Superstar macht ihn selbst zum Star." Reinhard Helling, Frankfurter Rundschau, 11.03.04 "Jonathan Franzen reiht es unter die großen Würfe der Literaturgeschichte ein." Jobst-Ulrich Brand, Focus, 09.02.04 "Ein faszinierender Roman" Thomas Leuchtenmüller, Neue Zürcher Zeitung, 16.03.04 "Es ist schwer vorstellbar, dass es dieses Jahr noch einen besseren Roman geben wird." Cosmopolitan, 03.04 "Herausragend an dem packenden Schlüsselroman in kraftvoller, frischer Prosa ist die vertrackte, dennoch stets geschmeidige Komposition, die ebenso milden wie scharfen Witz hat. Im Wechsel der Zeiten, Simmen und Genres gelingt ihm ein vitales US-Panoptikum mit schwarzer Brille, das nie den Faden verliert, gerade weil es so viele Ebenen hat." Udo Feist, Rheinischer Merkur, 25.03.04
Kurzbeschreibung
Klappentext
Times Literary Supplement
"Der neue Stern am Himmel junger US-Autoren."
Die Zeit
"Ein faszinierender Roman"
Neue Zürcher Zeitun
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.